Geht es um Kokain, hat Basel die Nase vorn. Von 85 untersuchten Städten in Europa ist die Stadt am Rheinknie unter den ersten zehn, was die Einnahme des Rauschmittels anbelangt. Das zeigen neue Daten der Forschungsanstalt Eawag und der Uni Lausanne, die jedes Jahr die Konzentration verbotener Substanzen in europäischen Abwässern untersuchen.

«Nach Cannabis belegt Kokain beim Basler Beratungszentrum der Suchthilfe Platz zwei. Das heisst, von den Leuten, die sich bei uns beraten lassen, bilden Kokainkonsumenten die zweitgrösste Gruppe», sagt Oliver Bolliger, Leiter des Beratungszentrums der Suchthilfe Region Basel (SRB).

Hier werde definitiv viel gekokst. «Im Vergleich zum letzten Jahr hat die Zahl derer, die sich wegen ihres Kokainkonsums bei der SRB beraten lassen, leicht zugenommen», so Bolliger.

Dass die Konzentration der Droge im Abwasser höher geworden sei, bedeute jedoch nicht zwangsläufig, dass auch mehr Leute die Substanz einnehmen. Denn: Beim Drug-Checking, wo Konsumenten ihre Drogen testen lassen können, fand man heraus, dass der Reinheitsgrad des Suchtmittels im vorigen Jahr ebenfalls gestiegen war. «Das schlägt sich natürlich auch in der Konzentration von Kokain im Abwasser nieder», sagt Bolliger.

Kein per se schlechtes Image

Das stark abhängig machende Rauschmittel wird nicht nur an Partys, sondern auch im Alltag konsumiert. Sein Image ist nicht per se schlecht. «Deshalb ist auch die Hemmschwelle für den Konsum tiefer», sagt Bolliger.

Eine Prognose zur Entwicklung des Kokainmissbrauchs in Basel macht der Suchtexperte und SP-Politiker Otto Schmid: «Voraussichtlich wird der Kokainkonsum in Basel weiter zunehmen», schreibt er auf Anfrage. Zumindest werde beobachtet, dass die Substanz in Basel vermehrt offen und hemmungslos in Clubs und an öffentlichen Plätzen konsumiert wird.

Schmid nennt unter anderem soziale Faktoren als massgebliche Gründe für die Zunahme des Kokainmissbrauchs. «Proportional zu Stress und Anforderungen im Berufs- und Alltagsleben junger Menschen nimmt auch der Konsum von Stimulanzien zu.» Ausserdem sei die Repression vonseiten der Behörden momentan nicht sonderlich stark. «Daher haben die Konsumenten auch weniger zu fürchten», so Schmid.

Mitte dieses Jahres wird in Basel eine von Schmid initiierte fixe Anlaufstelle eingeführt, wo Partygänger ihren Stoff testen lassen können. Diese Massnahme zur Schadensminderung könnte dem Problem – allen kritischen Einwänden zum Trotz – entgegenwirken. Das zeigen bisherige Erfahrungen in anderen Städten und an Veranstaltungen wie der Street Parade. Mehr konsumiert werde dadurch jedenfalls nicht, sagt Schmid.