Maturarbeit

Basler nutzten das Heimwegtelefon nicht

Solche Szenen gab es am Wochenende kaum: Berufsmaturandin Magdalena Sax am Telefonieren.

Solche Szenen gab es am Wochenende kaum: Berufsmaturandin Magdalena Sax am Telefonieren.

Niemand rief an, als drei Berufsmaturandinnen am vergangenen Wochenende ein Heimwegtelefon angeboten hatten. Grossrätin Daniela Stumpf, welche das Thema in Basel auf den Tisch brachte, ist weiterhin von der Idee überzeugt.

Sie war wach bis drei Uhr in der Nacht. Und das an zwei Abenden hintereinander. Was nach einer wilden Party klingt, war das Gegenteil. Bei der 26-jährigen Magdalena Sax war es am Freitag- und Samstagabend still. Zu still. Die Berufsmaturandin hatte gehofft, ihr Handy möge ständig klingeln. Sie hatte gehofft, fremde Frauen und allenfalls Männer würden sie anrufen. Doch ihr Handy klingelte kein einziges Mal.

Zusammen mit zwei Schulkolleginnen hatte sich Sax versuchsweise als Gesprächspartnerin für Personen, die allein auf dem Heimweg sind, zur Verfügung gestellt. Die Frauen waren nach Medienberichten über das von der SVP geforderte Heimwegtelefon auf die Idee gekommen, sich damit zu befassen. Nun schreiben sie ihre Berufsmaturarbeit zum Thema.

Diese muss ohne persönliche Erfahrungen auskommen, was laut den Frauen aber kein Problem darstelle: «Dass niemand anrief, ist auch eine Antwort», sagt Sax nach dem Pilotversuch vom Wochenende. Die Maturarbeit muss bis Weihnachten fertig sein, viel Zeit bleibt nicht. Das Trio hat nicht vor, den Versuch zu wiederholen.

SVP-Grossrätin glaubt an Bedürfnis

Mehr Kampfgeist legt Daniela Stumpf an den Tag. Die SVP-Grossrätin war es, die das Thema überhaupt aufs Parkett brachte. In einem Vorstoss warb sie im Spätsommer für das Heimwegtelefon-Modell aus Stockholm. Sie fragte die Regierung, ob sie «etwas Ähnliches» auch in Basel einführen könnte. Konkret schwebt Stumpf ein Heimwegtelefon vor, das wie in Stockholm direkt bei der Polizei angesiedelt ist. Frauen und allenfalls Männer, die nachts auf dem Heimweg sind und denen nicht ganz wohl ist dabei, sollen dort anrufen können und begleitet und sicher nach Hause gelangen. Sollte es zu einem Übergriff kommen, wüsste die Polizei, wo sich die Person gerade befindet und könnte schnell eingreifen.

Die Regierung schmetterte Daniela Stumpfs Antrag ab. Keine Ressourcen, hiess es. Man sei aber bereit, bei einem allfällig von privater Seite lancierten Heimwegtelefon beratend zur Seite zu stehen. Noch gibt es in Basel allerdings niemanden, der sich ernsthaft mit einem solchen Projekt auseinandersetzt. Auch die drei Berufsmaturandinnen haben nicht vor, das Thema über die Arbeit hinaus zu verfolgen. Obwohl: «Bei einer Umfrage hat die Hälfte der 100 Befragten angegeben, ein solches Angebot zu begrüssen», sagt Magdalena Sax. Es sei halt unangenehm, wenn einem nachts jemand hinterher laufe. Und sie selber sei auch schon in Situationen gewesen, in denen sie gern jemanden angerufen hätte. «Aber so etwas braucht Zeit.»

Das sagt auch Daniela Stumpf. Sie ist begeistert vom «Selbstversuch» der drei Frauen, glaubt aber, diese hätten zu spät und zu wenig auf ihr Angebot aufmerksam gemacht. Eine entsprechende Medienmitteilung ging erst am Freitag raus. «So etwas müsste man gross bewerben, etwa wie die Nummer 1818», sagt Stumpf, die auch in der neuen Legislatur als Grossrätin im Rathaus sitzen wird. «Ich warte ab, wie sich der neue Grosse Rat entwickelt, und reiche dann vielleicht einen neuen Vorstoss ein.»

Auf dem Heimweg die Polizei anrufen könnte man theoretisch auch ohne Heimwegtelefon. «Das kommt aber sehr selten vor – ein- bis zweimal jährlich maximal», sagt Mediensprecher Martin Schütz.

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