«Die Wohnungsnot ist gross in Basel. Vor allem Studierende haben Mühe, eine erschwingliche Bleibe zu finden.» Deshalb hat der Präsident der Basler Jungliberalen, Michael Hug, am vergangenen Montag einen Brief an die Regierung und die Universität Basel verschickt. Darin fordert die Jungpartei 200 Wohncontainer für Studenten. «Die Studentenzahl nimmt laufend zu», sagt Hug. Dies vergrössere die Wohnungsnot.

So unkonventionell der Vorschlag klingt, die Container-Idee ist keine neue: In den Metropolen Berlin und Amsterdam wurden bereits vergleichbare Projekte realisiert oder sind in Arbeit. Günstiger Wohnraum ist schliesslich beliebt bei Studierenden. Auch in der Schweiz wurde ein ähnliches Vorhaben bereits realisiert: In Zürich Altstettenwohnen Asylbewerber in Wohn- containern.

Container als Notlösung

Erstaunt über den Vorschlag der Jungliberalen ist Michel Steiner vom Verein für Gassenarbeit «Schwarzer Peter». Er hatte im vergangenen Jahr eine ähnliche Idee. Diese richte sich allerdings nicht an Studenten, sondern an Menschen ohne festen Wohnsitz, ohne Dach über dem Kopf. Mit der Petition «für Massnahmen gegen die Wohnungsnot» möchte er neuen Wohnraum für Obdachlose schaffen. Wohncontainer gehören ebenfalls in sein Konzept. Im vergangenen November reichte Steiner die Petition ein; im Februar wird sie im Basler Grossen Rat diskutiert.

Klar sei , dass Steiners Container frühestens in einem halben Jahr aufgestellt werden können. Dies liege vor allem an den zahlreichen Vorschriften und Gesetzen, die beachtet und umgesetzt werden müssten. Trotzdem könne die Errichtung der Container schneller als ein Neubau realisiert werden. «Wir haben einige Projekte in der Pipeline. Vorübergehend sind wir aber auf den Wohnraum in den Containern angewiesen», so Steiner. Die «Modulbauweise» sei geeignet für eine Übergangszeit von etwa drei Jahren. Steiner ist klar: Die Wohncontainer sind eine Notlösung. Doch wollen die Leute überhaupt in einem solchen Container wohnen? «Wir haben in der letzten Zeit Befragungen durchgeführt; und es gibt viele, die es sich vorstellen könnten, in einen Container zu ziehen. Provisorisch, natürlich», erklärt der Gassenarbeiter.

Von dem Projekt für die Obdachlosen wusste der Jungliberale Hug nichts: «Das Projekt mit den Containern für Obdachlose beisst sich nicht mit unserer Forderung nach Wohncontainern für Studierende.» Ob Studierende und Obdachlose allerdings nebeneinander wohnen könnten, müsse man prüfen. Es sei möglich, dass sich durch die Nachbarschaft Chancen böten. «Ebenfalls möglich wären auch Spannungen», sagt der Rechtswissenschaftsstudent.

Klara Kläusler von der Stiftung Abendrot steht dem Containerprojekt skeptisch gegenüber: «Das Aufstellen von solchen Containern lohnt sich finanziell nicht.» Damit bezieht sie sich ebenfalls auf die verschiedenen Bauvorschriften und Gesetze, die es zu beachten gebe. Ausserdem müssten die Container energetisch richtig konzipiert sein und über eine gute Isolation verfügen. Kläuslers Schlussfolgerung: «Ob man einen Container aufstellt oder ein neues Gebäude baut, kommt aufs Gleiche heraus.»

Spezielle Container anfertigen

Sowohl die Jungliberalen als auch Kläusler sind gegen eine Konzentration der Container an einem Ort. «Ich kann mir eine Aufteilung auf verschiedene Gebiete vorstellen, sodass keine Container-Siedlung entsteht, sondern eine Durchmischung der Bevölkerung stattfindet», sagt Hug.

In Berlin wird das Studentendorf «Frankie und Johnny» bis Ende 2015 fertiggestellt. Der erste Bauabschnitt bestehe aus gebrauchten Containern, die zu Wohnungen zusammengesetzt wurden. Für den zweiten und dritten Abschnitt würden die Holzer Kobler Architekten GmbH Modulcontainer verwenden, also neue Container, die eigens für das Bauprojekt angefertigt wurden. Dadurch würden Kosten gespart. Welche Container in Basel verwendet würden, stehe noch nicht fest. Sicher ist hingegen, dass die Umsetzung des Projektes viel logistische Arbeit erfordern wird.