«Dr. Schwindel»

Basler Paartherapeutin schmückt sich mit falschem Doktortitel – und kommt straffrei davon

(Symbolbild)

Freispruch für «Dr. Schwindel»

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Therapeut, Lebenscoach, Heiler – wer in einer schwierigen Lebenssituation Hilfe sucht, ist sich oft nicht bewusst, wie gering die Anforderungen für den Platz neben der Couch sind. Viele der Titel, die nach einer fundierten Kenntnis der Materie tönen, sind nicht geschützt. Umso gewichtiger ist, wenn dem Namen die beiden Buchstaben «Dr.» vorangehen. Dann zumindest sollte man als Kunde davon ausgehen können, dass man eine Person mit einer fundierten akademischen Ausbildung vor sich hat.

Dies war im Fall einer Basler Paartherapeutin nicht der Fall. Die Frau, die in den vergangenen Jahren immer wieder ihren Namen geändert hatte, führte offenbar über mehrere Jahre einen Doktortitel ohne jegliche akademische Ausbildung.

Der Schwindel flog auf, als ein Ehemann Nachforschungen anstellte, nachdem die Paartherapie mit seiner Frau erfolglos verlaufen war. Nach der Scheidung griff der Mann offenbar zum juristischen Zweihänder und deckte diverse Personen, die in den Konflikt involviert waren, mit Klagen ein, etwa die Kinderärztin seines Sohnes sowie dessen Beistand. Von der Paartherapeutin verlangte er 10'000 Franken Wiedergutmachung.

Verfahren wegen einer Visitenkarte

Vor drei Jahren stand die Frau in Basel vor dem Strafgericht. Dieses verurteilte sie wegen Verstosses gegen das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb und bestrafte sie mit einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 120 Franken. Das Appellationsgericht stützte diesen Entscheid vergangenen Herbst.

Vor Bundesgericht bekam nun aber überraschend die Frau Recht. Dabei hatte die Paartherapeutin Glück. Vorgeworfen wurde ihr nicht, dass sie sich generell mit einem erfundenen akademischen Titel geschmückt hatte, sondern nur, dass sie sich gegenüber dem Ehemann auf einer Visitenkarte als Doktor ausgegeben habe.

Diverse unglaubwürdige Ausreden

Allerdings hatte das Paar zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Therapiesitzungen bei der Frau gebucht. Der falsche Doktortitel sei also nicht entscheidend für die Wahl der Therapeutin gewesen, schlussfolgert das Bundesgericht und heisst deren Beschwerde gut. Der Fall geht nun zurück ans Appellationsgericht, das das Ganze neu beurteilen muss.

Diese juristische Spitzfindigkeit dürfte die Frau vor der Strafe bewahrt haben, denn während des ganzen Verfahrens verstrickte sie sich immer mehr in Widersprüche und Unwahrheiten. Mal behauptete sie, es habe sich bei den Buchstaben Dr. um Initialen gehandelt. Dann wieder soll ihr jemand anders die zwei Lettern auf ihre «saubere» Visitenkarte gedruckt haben, um ihr zu schaden. Abgesehen von der Schwierigkeit und der Unglaubwürdigkeit eines solchen Unternehmens, stellte das Gericht fest, dass sich die Frau auch gegenüber der Bank und ihrem Vermieter mit dem Doktortitel geschmückt hatte.

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