Die Basler Parlamentarier ziehen in Bern selten am selben Strick, aber bei der Frage, Fasnacht oder Session, sind sie sich einig: Keiner will im Bundeshaus fehlen, aber ganz auf die Fasnacht verzichten möchten sie auch nicht. Die Verbindung aus kurzen Fasnachtsnächten und langen Sitzungstagen, machen für die Politiker die «drey scheenschte Dääg» rasch zu den «drey happigschte Dääg».

Die Sessionssitzungen im Bundeshaus beginnen am frühen Morgen und dauern bis spät abends, manchmal bis zehn Uhr nachts. Wenn sich zwischen den Fraktions- und Sessionssitzungen Zeitfenster auftun, dann leben die meisten der sechs Politiker für wenige Stunden – auf ganz unterschiedliche Art und Weise – ihre Fasnacht.

Für SP-Nationalrätin Silvia Schenker haben die Sessionen immer Vorrang. Sie glänzt im Nationalrat durch ihre Anwesenheit – nur wenige Parlamentarier aus der grossen Kammer waren bei Abstimmungen öfters an ihrem Platz. «Es gibt keine unwichtigen Abstimmungen. Für die Betroffenen ist es immer wichtig», erklärt Schenker. Trotz Session schaut sie sich gerne die Laternenaustellung auf dem Münsterplatz an. Auch FDP-Nationalrat Daniel Stolz ist kein Aktiver, trotzdem besuchte er vor der Sitzung am Montagnachmittag den «Moorgestraich». Er wäre gerne an einen «Schnitzelbanggoobe», doch auch für ihn habe die Session Priorität. Arbeit komme vor Vergnügen.

Mit «Kondition» geht Beides

Dem erkrankten Sebastian Frehner (SVP) wurde die Entscheidung unfreiwillig abgenommen. Er konnte weder ins Bundeshaus noch an die Fasnacht. Der Entschluss zugunsten der Session würde ihm aber nicht schwer fallen. Die Fasnacht sei Fröhlichkeit und Tradition, aber in der Session gehe es um bedeutsame Themen, deshalb fehle er nicht gerne bei Abstimmungen.

Lockerer gehen die beiden Aktiven Anita Fetz (SP) und Markus Lehmann (CVP) die Doppelbelastung an. Sie werden im Parlament anwesend und gleichzeitig auch in Basel fleissig unterwegs sein. Der Tambour Markus Lehmann wird die Fasnachtsherrlichkeit am «Zyschtig» bis spät in die Nacht geniessen. Obwohl es ihn schmerzt, grösstenteils auf die Fasnacht zu verzichten, geht auch bei ihm Bundesbern vor. Die langatmigen Diskussionen vertreibt er sich mit einem Blick auf die Übertragung des «Cortèges» auf seinem Laptop – in Anbetracht des schönen Wetters sei dies für ihn eine Tortur.

SP-Ständerätin Anita Fetz versucht, auf beiden Hochzeiten zu tanzen. Sie war am «Moorgestraich» und wird auch am Dienstag und Mittwoch nach der Sessionssitzung abends «Gässle». Frühmorgens wird sie wieder in der kleinen Kammer im Bundeshaus sein. Die Strapazen nimmt sie gerne auf sich: «Mit etwas Kondition kann man beides machen.» Nächstes Jahr werden die Basler Parlamentarier keine Kompromisse machen müssen. Die Fasnacht liegt dann vor der Session, womit ihnen wohl die eine oder andere Kopfwehtablette erspart bleibt.