Morins Nachfolge
Basler Parteien haben grosse Pläne für nächsten Regierungspräsidenten

Guy Morin tritt als Basler Regierungspräsident ab, wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Die Parteien arbeiten bereits an ihren Strategien für seine Nachfolge.

Nicolas Drechsler
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Guy Morin darf sich bald zurücklehnen. So, wie er es bereits an seinem ersten Tag im Amt 2009 tat.

Guy Morin darf sich bald zurücklehnen. So, wie er es bereits an seinem ersten Tag im Amt 2009 tat.

niz Nicole Nars-Zimmer

Niemand wollte 2008 Regierungspräsident werden. Niemand ausser Guy Morin. Es war auf dem Papier gesehen zwar keine stille Wahl, aber einen echten Gegner hatte der damalige Vorsteher des Justizdepartements nie. 2012 sah es dann schon etwas anders aus, mit Lorenz Nägelin (SVP) und Baschi Dürr (FDP) bemühten sich zwei ernst zu nehmende Kandidaten, Morin aus dem Rathaus zu vertreiben.

Und 2016? Da wird es mit Sicherheit einen echten Kampf darum geben, wer zweiter Basler Regierungspräsident wird. «Wir wollen eine bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat und dazu gehört auch das Präsidium», kündigt FDP-Präsident Daniel Stolz an. Und SVP-Kollege Sebastian Frehner doppelt nach, FDP, CVP, LDP und SVP sollen gemeinsam antreten: «Ja, es braucht vier bürgerliche Kandidaten, einer von ihnen sollte fürs Präsidium kandidieren, und das sollte wohl einer der bisherigen sein.» Damit nimmt Frehner die SVP bereits aus der Pflicht, sie stellt keinen bisherigen Regierungsrat. Wen sie für die Regierungsratswahlen portieren wird, darüber kursieren derzeit vor allem wilde Gerüchte. Den ehemaligen Novartis-Manager Pascal Brenneisen? Den abgesprungenen Riehener CVPler Daniel Albietz? Oder doch einfach ganz langweilig einen ihrer Grossräte?

Dürr oder Engelberger?

Wie auch immer, für die Morin-Nachfolge bleiben in diesem Fall Baschi Dürr (FDP) und Lukas Engelberger (CVP). Ihre Parteien wollen sich nicht auf die Äste hinauswagen, ob eine Kandidatur infrage kommt, aber immerhin: Dürr hat es bereits einmal versucht. Die Liberalen, die einen Nachfolger für Regierungsrat Christoph Eymann suchen müssen, können bei dieser Suche gleich mitsondieren, ob der oder die Auserkorene dann auch gleich für die höchsten Weihen antreten will.

Bei Morins eigener Partei, den Grünen, ist man guter Dinge: Co-Präsidentin Mirjam Ballmer erklärt, sie habe schon länger von Morins Absicht gewusst und mache ausserdem «eine Personalplanung, die sich über mögliche Veränderungen bei unseren Amtsträgern laufend Gedanken macht». Und so sei sie nun in einer komfortablen Situation: «Wir haben einige mögliche Kandidatinnen und Kandidaten, die bereits ihr Interesse angemeldet haben. Namentlich Elisabeth Ackermann, Michael Wüthrich, Thomas Grossenbacher und Marianne Hazenkamp aus Riehen.»

Auf die abtretende Grossratspräsidentin Ackermann verweist auch Morin selbst als mögliche Nachfolgerin. Er mache sich keine Sorgen, dass seine Partei sich für eine starke Kandidatur entscheiden werde.

Ansprüche von Links

Probleme könnte es allenfalls mit der Bündnispartnerin Basta geben, die Anspruch auf einen Regierungsratssitz erhebt. Ballmer sieht darin kein Problem: «Wir sind im Gespräch mit der Basta. Wir wissen, dass sie eine eigene Kandidatur anstreben. Das Ziel ist weiterhin eine rot-grüne Zusammenarbeit, um die Mehrheit mindestens zu halten.» Ballmer hält einen Mehrheits-Ausbau für möglich: «Mit fünf Kandidaten anzutreten, ist eine Option, die wir nicht ausschliessen.» Und hier schliesst sich auch SP-Präsidentin Brigitte Hollinger an: «Es gibt keine Denkschablonen für mich, möglich sind grundsätzlich alle Varianten.» Es dürfte ein spannender Wahlherbst werden.

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