Innerhalb der Verwaltung gilt der Umzug quasi als beschlossene Sache. Allerdings wissen bisher weder alle aktuellen Mieter noch die Besitzer des Kahns davon. «Kran und Schiff bilden ein Gesamtprojekt», bestätigt Thomas Waltert, Leiter Gesamtentwicklung Basel-Nord gegenüber der bz.

Das ist neu: Bisher war lediglich bekannt, dass der Hafenkran künftig von Gastrounternehmer Simon Lutz bespielt werden soll. Diesem schwebt ein «Kiosk-Deluxe» vor. Dessen Eröffnung wird sich allerdings wohl nochmals um ein Jahr verzögern, weil noch rechtliche Fragen offen sind.

Die Idee eines Umzugs des Schiffs stand bisher vor allem als Idee im Raum. Zumal auch mit einem deutlich grösseren Besucheraufkommen zu rechnen wäre. Und die jetzige Anwohnerschaft für ihre Lärmempfindlichkeit und ihre Klagelust bekannt ist. Die Zwischennutzungen auf dem Hafenareal knapp hundert Meter rheinabwärts müssen deshalb regelmässig juristisch um ihr Überleben kämpfen.

Gediehen sind die Pläne offenbar im Zusammenspiel des Gastrounternehmers Lutz mit Stadtplaner Waltert. Die beiden sind persönlich befreundet. «Simon Lutz und ich hatten in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Konstellationen miteinander zu tun und kennen uns mittlerweile entsprechend gut. Basel ist eine kleine Stadt, so dass sich Projektentwicklungs-Akteure unweigerlich kennen», sagt Waltert. Professionelles Handeln bedeute, dass man Geschäftliches von privaten Themen trennen könne.

Sonderbehandlung für Kranbeiz

Die Geschichte rund um Kran und Kahn ist allerdings komplizierter. Sie beginnt vor drei Jahren, als Lutz und Nordstern-Geschäftsführer Agron Isaku via der gemeinsamen Firma Luis AG das Schiff mieten. Was seither geschah, darüber hüllen sich alle Beteiligten in Schweigen. Klar ist: Isaku ist vor einem Jahr per sofort aus dem Verwaltungsrat ausgetreten. Seither ist Lutz der eigentliche Kapitän des Schiffs. Sein angekündigtes Restaurant wurde nie Realität. Stattdessen betrieb Isaku vergangenes Jahr neben dem Nordstern-Club im Schiffsbauch eine Bar auf dem Oberdeck des Schiffes.

Auf der Suche nach einem besseren Standort für das Schiff klopfte Lutz offenbar bei Novartis an, in der Hoffnung vor dem Campus vor Anker gehen zu können. In den Gesprächen mit dem Life-Science-Multi entstand dann die Idee mit dem Hafenkran. Dieser war nach der Schliessung des Rheinhafens St. Johann im Jahr 2010 demontiert und von der Novartis im Elsass eingelagert worden.

Im Rahmen der geplanten Quartierentwicklung Klybeck Plus auf dem früheren Chemie-Areal vermachte Novartis den Kran dem Kanton als Geschenk, inklusive des Gastro-Konzeptes. Die genauen Rahmenbedingungen – etwa wie lange Lutz das Recht hat, zu wirten und wer für die Instandhaltung des Krans besorgt ist – werden nicht bekannt gegeben. Lutz war für die bz nicht erreichbar.

Nun steht der Kanton vor einem Problem. Denn eigentlich müssen Beizen auf öffentlichem Grund ausgeschrieben werden. Zumal es neben Lutz offenbar noch weitere Interessenten gab. Anders aber als bei den zahlreichen Buvetten rheinaufwärts oder den Zwischennutzungen rheinabwärts erhält der Hafenkran aber eine Sonderbehandlung. In den nächsten Wochen soll eine eigene Parzelle ausgeschieden werden. Dafür braucht es einen entsprechenden Entscheid des Regierungsrats.

In einem zweiten Schritt soll dann die Expostar, wie das 1973 gebaute Schiff offiziell heisst, am unteren Ende der Uferstrasse anlegen. Die Frachtkähne, die dort Zwischenhalt machen, sollen seinen jetzigen Standplatz am Westquai erben. Diese Rochade ist allerdings mit viel Organisation verbunden und braucht letztlich auch einen Beschluss des Grossen Rats. Mehrere involvierte Personen äussern gegenüber der bz massive Zweifel, ob das Ganze am Ende mehr ist als ein tonnenschweres Luftschloss aus Stahl.

«Aufwertung des Hafenareals»

Wer Hafenkran und Schiff nur als Gastrounterbetriebe sieht, verkenne das Potenzial, sagt Waltert. Lieber spricht er von «Elementen der langfristigen Entwicklung des Hafens und der Stadt». «Entscheidend ist, wie das Rheinufer im Hafenareal für die Bevölkerung attraktiv gestaltet werden kann – auch mit nicht kommerziellen Angeboten», betont er. So könnte etwa das Oberdeck des Schiffes für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden oder auf dem Kran eine Aussichtsplattform installiert werden.

Klar ist für Waltert aber auch, dass die beiden Elemente zusammen gehören: «Wenn das Gesamtkonzept innerhalb von fünf Jahren nicht klappt, gehen wir nochmals über die Bücher.»