Die Spannung ist gross. Unzählige Medienvertreter warten vor dem Museo del Prado. Langsam bewegen sich die etwa vier Meter hohen Holztüren. Beim ersten Blick hinein in den Prado verrät bereits ein Schriftzug über dem Eingang zur Galería Central den Grund für die Aufregung: «10 Picassos del Kunstmuseum Basel» steht in roten Buchstaben. Zehn Meisterwerke Pablo Picassos, die im Besitz des Kunstmuseums Basel sind, haben ihren temporären Platz im Madrider Prado gefunden. Am Montag wurden die Werke des Malers aus Málaga erstmals in ihrem Zuhause für die nächsten sechs Monate präsentiert. Denn bis 2016 ist das Kunstmuseum Basel wegen der Renovation und des Neubaus geschlossen.

Die Leihgaben aus Basel verdrängen die schon im Prado hängenden Werke jedoch nicht, ganz im Gegenteil: Sie sind eine Ergänzung zur faszinierenden Sammlung mit Werken von Velázquez, Rubens, Tizian oder Goya. «Obschon die Werke separiert sind – die zehn Picassos freistehend in der Mitte und die restlichen Werke an den Galeriewänden – ist es diese Verbindung, die es so spannend macht», erklärt Carmen Jiménez, Kuratorin im Prado und Picasso-Spezialistin. Bei genauem Hinschauen wird klar, was Jiménez meint. Die Picassos stehen in einem Dialog mit den Werken an den Wänden. Besonders schön ist dies am Ende der Galería Central zu sehen, wo Bilder mit nackten Frauen von Jacob Jordaens direkt neben Picassos nackter «Vénus et l’Amour» in Beziehung gesetzt sind. Auf solche Verbindungen sei bei der Hängung der Picassos Wert gelegt worden, betont Jiménez. «Wir haben die Bilder nicht chronologisch aufgestellt, sondern viel mehr in verschiedene Kontexte gestellt.»

Natürliche Einfügung

Die Positionierung der Picassos in der Mitte hat seinen Grund: Als 2006 zum ersten Mal Bilder von ihm im Prado ausgestellt wurden, hingen sie an der Wand, und die Werke der restlichen Künstler wichen in die Mitte aus. «Dieses Mal haben wir es umgekehrt», so Jiménez. Es ist also nicht das erste Mal, dass Werke von Picasso im Prado zu sehen sind. Es ist jedoch das erste Mal, dass wichtige Werke aller seiner künstlerischen Phasen vereint werden konnten. Eine Tatsache, die überrascht, bedenkt man die Bedeutung des Prado in Picassos Leben. Während des Spanischen Bürgerkrieges (1936 bis 1939) war er dessen Direktor – und damit des Kunsthauses, welches er seit seinem 14. Lebensjahr regelmässig besuchte und wo er sich inspirieren liess. Auch deshalb sagt Jiménez, «gehört Picasso zum Prado. Jetzt ist er endlich wieder zu Hause».

Vielleicht ist es auch diese Verbindung, die die Werke des bedeutendsten spanischen Malers des 20. Jahrhunderts nicht als Fremdkörper wirken lassen, sondern viel mehr eine natürliche Zugehörigkeit implizieren. So sagt Jiménez: «Heute ist ein sehr glücklicher Tag für uns. Von mir aus könnten die Bilder für immer hier bleiben.»

Basels Liebe für Picassos

Acht der zehn Werke Picassos sind zum ersten Mal überhaupt in Spanien zu bewundern. «Wir sind Basel sehr dankbar für diese einmalige Gelegenheit.» Dass die Bilder aber dennoch nicht hier bleiben, dessen ist man sich sehr wohl bewusst. «Wir wissen, wie sehr auch Basel Picasso liebt», so Jiménez und spricht die Geschichte aus dem Jahr 1967 an. Picassos «Les deux frères» und «Arlequin assis» – beide damals im Besitz von Rudolf Staechelin – waren als Leihgaben im Kunstmuseum ausgestellt. Wirtschaftliche Probleme brachten Staechelin dazu, die beiden Bilder zu verkaufen. Die Basler Bevölkerung erachtete die beiden Kunstwerke jedoch als Teil der Stadt und organisierte ein Referendum, damit die Regierung die Bilder Staechelin abkauft. Das Mehrheits-Ja ermöglichte den Kauf für 8,5 Millionen Franken.

Vier Bilder für die Stadt

Sechs davon stemmte die Stadt Basel, der Rest wurde von Privaten gesammelt und bezahlt. Eine Anekdote, die die Liebe der Schweizer für den spanischen Maler so gut illustriert wie keine sonst, schrieb denn auch die Zeitung «El País» im Vorfeld der Eröffnung. Und vor allem eine Anekdote, die auch Picasso selbst schwer beeindruckte. Nicht weniger als vier seiner Bilder schenkte er der Stadt Basel daraufhin. Drei davon sind im Prado zu sehen: «Vénus et l’Amour», «Le couple» und «Homme, femme et enfant».

Letzteres ist ein Bild, welches Picassos Traurigkeit widerspiegelt. «Deshalb ist das Bild in Schwarz-Weiss gehalten – genauso wie ‹Guernica›», so Jiménez. Guernica ist das wohl berühmteste Bild Picassos, und nur wenige Meter vom Prado im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía ausgestellt. In eben diesem Museum werden die beiden weiteren Ausstellungen des Kunstmuseums Basel – «Fuego Blanco. La colleción moderna del Kunstmuseum Basel» und «Coleccionismo y Modernidad. Dos casos de estudio: Colecciones Im Obersteg y Rudolf Staechelin» – gezeigt. Eröffnet werden die beiden Ausstellungen heute von Königin Letizia persönlich.