IWB
Basler Politiker melden sich zum fragwürdigen Engagement zu Wort

Das Theater ist nicht der einzige staatsnahe Betrieb, den die IWB sponsern. Mit Verzögerung melden sich nun erste kritische Stimmen aus der Basler Poltik zu Wort.

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IWB. (Symbolbild)

IWB. (Symbolbild)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Bernhard Gelzer, Anwalt und früherer FDP-Grossrat, ärgert sich heute noch. «Das ist nicht in Ordnung», wiederholt er im Gespräch mit dem «Sonntag» immer wieder. Gelzer kritisiert, dass die Industriellen Werke Basel (IWB) als öffentlich-rechtliche Anstalt neu während zehn Jahren als Hauptsponsor des Theater Basel auftreten. Er spricht despektierlich von einem «Reservekässeli».
In einem Gastbeitrag Anfang Januar in der «Basler Zeitung» hatte Gelzer seinem Ärger erstmals Luft verschafft.

Es sei nicht Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Anstalt IWB, mit ihren Gebühren kulturelle, soziale und sportfördernde Zwecke zulasten der Gebührenzahler zu finanzieren, schrieb er. Das erhoffte Echo der aktiven Politiker blieb allerdings aus. Zu gut verankert ist das Theater im basel-städtischen Establishment. Nach dem Baselbieter Nein zu höheren Subventionen wollen Politiker von links bis rechts das Theater zudem vor weiterem finanziellen Schaden bewahren. Selbst die staatskritische SVP meldete sich nicht zu Wort. Parteipräsident Sebastian Frehner gibt sich auch auf Nachfrage zurückhaltend.

Der erste Politiker, der sich kritisch zum Theater-Sponsoring der IWB äussert, ist FDP-Fraktionschef Andreas Zappalà. «Ob es richtig ist, einen Betrieb in diesem Umfang zu sponsern, der bereits finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite geniesst, ist mehr als fraglich», sagt er zum «Sonntag». Es könnte der Eindruck entstehen, dass die IWB als «staatlicher Gehilfe» dort in die Bresche springen, wo der Kanton Basel-Stadt die Defizite nicht über höhere Subventionen decken wolle. Für die Kunden und das Gewerbe sei es zudem kaum verständlich, dass dem Theater neben Steuergeldern nun auch noch Mittel von den IWB zufliessen.

Theater wir auch von BLKB gesponsort

Das Theater Basel wird bereits von der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB), einem weiteren staatsnahen Betrieb, gesponsert. Seit 2006 unterstützt die BLKB das Ballett Basel.
Recherchen des «Sonntag» zeigen zudem, dass die IWB neben dem Theater noch weitere staatsnahe Betriebe und Verwaltungseinheiten sponsern. Für 2013 ist eine Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Energie (Umwelttage Basel), der Forschungsstelle für nachhaltige Energie- und Wasserversorgung der Universität Basel und dem Kunstmuseum Basel vorgesehen. «Seit Jahren befinden sich unter den Sponsoring-Partnern der IWB auch öffentliche Institutionen und Empfänger staatlicher Subventionen. Es gibt keine gesetzliche Bestimmung, die das verbietet», sagt IWB-Sprecher Lars Knuchel.

Das Sponsoring-Volumen der IWB beläuft sich auf insgesamt 800 000 Franken. Zur Höhe der einzelnen Engagements will sich Knuchel nicht äussern. «Das ist Gegenstand der jeweiligen vetraglichen Abmachungen, über die wir mit unseren Partnern üblicherweise Stillschweigen vereinbart haben», sagt er. Sponsoring-Aktivitäten seien «keine Subventionen», sondern ein Kommunikationsinstrument, das zum nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens eingesetzt werde.

Weitere Aktivität von IWB angekündigt

Auf der Theater-Bühne, am Neujahrsempfang des Gewerbeverbands Basel-Stadt, wurde eine weitere Aktivität der IWB angekündigt: der Energiepreis «IWB KMU Award», der gemeinsam mit dem Gewerbeverband geschaffen wurde. Ausgezeichnet werden sollen Projekte in den Bereichen Effizienz und Innovation. Dabei handle es sich nicht um Sponsoring, sondern um eine Marketing-Aktion, um das «KMU-Modell» zu bewerben und noch bekannter zu machen, sagt Knuchel. Im Rahmen dieses Modells können kleinere und mittlere Unternehmen mit den IWB gemeinsame Ziele zur Verbesserung der Energieeffizienz planen und umsetzen.

Die Lancierung eines solchen Energiepreises erstaunt vor dem Hintergrund, dass die Sun21 seit acht Jahren einen ähnlichen Preis vergibt, den Faktor-5-Preis. Die IWB treten dort bereits als Sponsor auf. Die Sun21 begrüsst aber den «IWB KMU Award», wie Geschäftsführerin Petra Hirsig sagt. Der Preis solle das Gewerbe motivieren, Energie zu sparen. «Bei den KMU besteht ein riesengrosser Handlungsbedarf und damit ein grosses Potential an Einsparmöglichkeiten», sagt sie. Der Faktor-5-Preis hingegen gehe weit über die Energiesparfrage hinaus und werde selbstverständlich weitergeführt. Hirsig sitzt in der Jury des neuen Energiepreises.

Auch Gelzer gibt sich beim «IWB KMU Award» versöhnlich. Das Engagement entspreche den Aufgaben der IWB und sei deshalb «in Ordnung». Über das Theater-Sponsoring ärgert er sich dagegen weiter.