Am Ende ging es schneller als erwartet: Am Freitag trennte sich Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) per sofort von Polizeikommandanten Gerhard Lips. Den Kopf gekostet hatten Lips aber nicht die Skandale rund um Erdogan-Spitzel, sexuelle Übergriffe und Amtsgeheimnisverletzungen, mit welcher die Basler Polizei in den letzten Wochen konstant in die Negativschlagzeilen geriet, sondern etwas, das als «führungskulturelle Differenzen im oberen Kader» umschrieben wurde.

Deutlicher wurde Dürr am Sonntag auf «Telebasel»: «Es gab einen gewissen Knatsch, was das Rollenverständnis anbelangt.»

Keinen gemeinsamen Nenner fand die Polizeispitze etwa in der Frage, wie man die Vorbildfunktion wahrnehmen soll. Konkret dürften sich die Diskussionen dabei vor allem auch um die Privilegien drehen, die immer wieder für Diskussionen sorgten.

Am bekanntesten ist die Dienstwagen-Affäre: Eine Reihe von Kaderangestellten des Justiz- und Sicherheitsdepartementes verfügt in einer Art und Weise über persönliche Dienstwagen, die nicht mit dem Personalrecht des Kantons zu vereinbaren ist. Nachdem Regierungsrat Baschi Dürr, den die Dienstwagen-Affäre beinahe die Wiederwahl kostete, das entsprechende Reglement überarbeitete, legten mehrere Polizeioffiziere Rekurs ein.

Auch die Führungsrolle von mehreren Mitgliedern der Polizeispitze war offenbar immer wieder ein Thema. In einigen Abteilungen würden «schon fast monarchische Verhältnisse herrschen», so ein Polizei-Insider.

Pikant: Beide Stellvertreter des Kommandanten standen selber in der Kritik aufgrund der Privilegien des Kaders: Die eigentliche Nummer 2 in der Hierarchie, Rolf Meyer, profitierte wie kein zweiter von der Dienstwagen-Regelung. Offenbar liess sich der Vizekommandant sein Auto sogar von Mitarbeitern vor sein Haus im Fricktal oder nach den Ferien an den Flughafen liefern.

Doch auch Martin Roth, der nun interimistisch die Führung übernimmt, ist vorbelastet: Er hatte die Verantwortung für den Einsatz am Europa-League-Final letzten Sommer. Im Anschluss belohnten sich die obersten Gesetzeshüter mit zwei Nachtessen und einem Flug in einer Oldtimer-Maschine.

Angespannte Lage bei Führung

Dass sich mit dem Abgang von Lips nun die Differenzen in der Polizeileitung in Luft auflösen, ist nicht zu erwarten: «Wenn man reinen Tisch machen will, müssten noch zwei, drei Köpfe mehr rollen», meint ein Insider. Vielmehr dürften sich diejenigen bestärkt fühlen, welche sich gegen die Anpassungen gesträubt haben. Dass nun Roth die interimistische Leitung übernimmt, wird intern als klares Misstrauensvotum gegenüber Meyer verstanden.

2008 beim Abgang von Lips’ Vorgänger Roberto Zalunardo hatte Meyer ein Jahr lang die Basler Polizei geleitet und war fest davon ausgegangen, definitiv zum Kommandanten befördert zu werden.

Die angespannte Situation im Führungsteam würde auch dieses Mal für eine externe Lösung sprechen. Dazu kommt, dass die vergangenen drei Polizeikommandanten Juristen waren. Von den Offizieren kann jedoch keiner ein abgeschlossenes Rechtsstudium vorweisen. Klar ist: Auf den künftigen Polizeikommandanten wartet ein Augiasstall, der schnellstmöglich ausgemistet werden muss.