Hotspot für Bettelnde

Basler Polizei verscheucht Schlafende an der Heuwaage

Laut der Basler Polizei ist das Gebiet zwischen Bahnhof und Heuwaage zum Hotspot für Bettelnde geworden. (Archivbild)

Laut der Basler Polizei ist das Gebiet zwischen Bahnhof und Heuwaage zum Hotspot für Bettelnde geworden. (Archivbild)

Eigentlich müssen die Bettelnden ihre Schlafplätze in Basel vor sieben Uhr räumen. Tun sie das nicht, kommt auch schon mal die Polizei. Politiker fordern ganzheitlichere Lösungen.

Zwei Personen liegen unter dem Heuwaage-Viadukt am Lohweg in ihren Schlafsäcken. Sie nutzen den vor Witterung geschützten Platz durch die Nacht hindurch. Und das ist ihr gutes Recht: Ein Übernachtungsverbot im Freien gibt es in Basel-Stadt nämlich keines.

Als die beiden Personen aber um acht Uhr morgens noch immer da liegen, taucht die Basler Polizei auf. Drei Fahrzeuge, dreizehn Beamte. Eine Passantin beobachtet, wie die Polizisten die Schlafenden wecken und verscheuchen.

Community Policing erklärt die Spielregeln

Toprak Yerguz, Sprecher der Basler Polizei, erklärt den Einsatz: «Werden die Spielregeln nicht eingehalten, muss sich die Polizei um die Durchsetzung kümmern. Das hat sie an diesem Morgen getan.» Mit Spielregeln meint Yerguz, dass die Bettelnden um sieben Uhr ihre Schlafplätze räumen müssen. Nicht alle wüssten jedoch davon, weshalb die Beamten des Community Policing den Neuankömmlingen die Regeln immer wieder erklärten. Hilft dies jedoch nicht, muss die Polizei ausrücken.

Diese Strategie wird laut Yerguz gemeinsam mit der Stadtreinigung und der Stadtgärtnerei seit rund zwei Monaten im Grossbasel durchgesetzt. Denn: «Wir stellen fest, dass sich das Gebiet zwischen Bahnhof und Heuwaage zu einem Hotspot für Bettelnde entwickelt hat», so Yerguz. Regelmässig sei die Polizei deshalb in den Morgenstunden an verschiedenen Standorten unterwegs – in unterschiedlich grossen Besetzungen. Das dreizehnköpfige Einsatzteam sei nicht die Regel, an diesem Morgen nahmen laut Yerguz Auszubildende teil.

Suche nach schneller Lösung hilft nicht

Für SP-Grossrat Beda Baumgartner greift diese Strategie zu kurz. «Wir haben ein grundsätzliches Problem und müssen einen anderen Umgang damit finden.» Dies sei aber natürlich schwieriger und aufwendiger, als Verbote zu erlassen oder Menschen des Platzes zu verweisen.

Baumgartner fordert etwa einen stärkeren Einbezug von Fachpersonen, die den Zugang zu den Menschen finden können, und einen stärken Dialog mit den Betroffenen. «Gleichzeitig müssen wir uns vergegenwärtigen: Wir sprechen seit diesem Sommer darüber und suchen krampfhaft nach schnellen Lösungen. Wie aber auch in der Coronakrise gibt es diese hier nicht.»

SVP-Grossrat Pascal Messerli setzt seine Hoffnungen in die Regierung: Dort ist ein Vorstoss zur Wiedereinführung des Bettelverbots hängig. Messerli: «Die Situation ist unbefriedigend und besonders die Polizei hat einen schweren Stand.» Für ihn kommt einzig ein Bettelverbot in Kombination mit einem Übernachtungsverbot in Frage.

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