FC Basel
Basler Polizeichef provoziert mit gewagten Aussagen zu Fan-Gewalt die Politik

Der Basler Polizeichef Gerhard Lips erntet nach seinen brisanten Aussagen im bz-Interview vom Montag Kritik von Seiten Politik. Von seinem Chef wiederum erhält er Rückendeckung.

Daniel Ballmer und Benjamin Rosch
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Mit seinen Aussagen zu FCB-Präsident Bernhard Heusler sorgt Gerhard Lips für Aufsehen.

Mit seinen Aussagen zu FCB-Präsident Bernhard Heusler sorgt Gerhard Lips für Aufsehen.

Roland Schmid

Die Aussage hat überrascht: Viele Polizisten seien der Meinung, FCB-Präsident Bernhard Heusler stecke «mit gewissen heiklen Fans unter einer Decke», erklärte der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips im gestrigen bz-Interview. Viel zu lange habe sich der Verein nicht in aller Deutlichkeit gegen Fan-Gewalt ausgesprochen.

Erst nach den letzten Ausschreitungen sei das der Fall gewesen. Mitte April hatten FCB-Anhänger nach dem Spiel gegen den FC Zürich auf der Plattform vor der Muttenzerkurve für wüste Ausschreitungen gesorgt, die Polizei attackiert und neun Beamte verletzt. Akzeptiere der FCB-Präsident solche Auswüchse? Wie nahe stehe Heusler gewissen Fangruppierungen? Polizeichef Lips betont, dass er von solchen Vorwürfen aus seinem Korps nichts halte. Dennoch spricht er öffentlich darüber.

«Der Angriff ist ein Affront»

Die Verantwortlichen des FC Basel selber schweigen eisern: «Bernhard Heusler und der FCB möchten sich nicht öffentlich dazu äussern», erklärt Sprecherin Andrea Roth. Auch unter Politikern kommen die Vorwürfe aus Polizeikreisen nicht gut an: «Bernhard Heusler muss natürlich manchmal einen Spagat machen – immerhin sind die Fans auch Kunden», argumentiert LDP-Grossrat André Auderset. Und Basta-Regierungskandidatin Heidi Mück setzt noch einen obendrauf: «Bernhard Heusler ist eine sehr populäre Figur. Ein solcher Angriff ist ein Affront.»

Für Aufsehen sorgten auch Lips pointierte Aussagen zu den Fans. Die Idee einer Fan-Bar auf der Plattform vor der Muttenzerkurve kommentierte er: «Heute wissen wir mehr oder weniger: Dort ist alles Feind – um es einmal provokativ auszudrücken.» Für die Polizei werde es mit einer Bar schwieriger, «Freund und Feind» auseinanderzuhalten.

00.11 – ein weiss gekleideter Mann springt einen Polizisten an.
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00.12 – der Polizist kommt zu Fall, der Mann rennt davon.
00.13 – der Polizist stürzt die Treppe herunter, der Mann taucht unter.
00.14 – am unteren Bildrand wird ein Gummischrot-Schuss abgegeben.
00.15 – ein ebenfalls weiss gekleideter Mann wird getroffen.
00.15 – ein vorne stehender Polizist dreht sich ab zu seinen Kollegen.
00.16 – er wird von hinten angegriffen und mit Füssen getreten.
00.16 – der Polizist geht nach dem Fusstritt zu Boden.
00.19 – der getroffene Mann hebt mutmasslich Gummischrot auf.

00.11 – ein weiss gekleideter Mann springt einen Polizisten an.

Damit stösst er bei Politikern unterschiedlichster Couleur auf Widerstand. LDP-Grossrat Auderset ist bekannt als Law-and-Order-Politiker. Er sagt: «Der Ausdruck ‹Feind› ist natürlich schon happig. Das dürfte nicht gerade deeskalierend wirken.» Auch wenn er zu bedenken gibt: «Es ist nicht mehr als menschlich, dass nicht alle Polizisten nur Freude an den Fans in der Muttenzerkurve haben.» Mück auf der anderen Seite ist der Polizei generell kritisch eingestellt. Im Regierungswahlkampf forderte die Co-Präsidentin der Basta jüngst eine unabhängige Beschwerdestelle gegen die Polizei. Sie glaubt nicht, dass viele Polizisten so denken: «Mich haben die Aussagen der Polizeiführung überrascht. Ich hoffe, dass die Basis anderer Ansicht ist.» Sie hat sich an den «überspitzten» Antworten von Lips gestört. «Er war sich bewusst, dass dies provokativ war – doch wen wollte er damit provozieren?», fragt Mück.

Bedenken äussert auch SP-Grossrat Thomas Gander: «Ich finde den Freund-Feind-Gegensatz heikel. Das Publikum auf der Plattform durchmischt sich bei einem Match stark.» Sollten aber auch die Polizisten im Einsatz die Vorstellungen von Lips teilen, sieht er Handlungsbedarf: «Wenn zwischen Polizei und Teilen der Fans solche Feindbilder bestehen, müssen diese angegangen werden.»

Dürr stellt sich hinter Lips

Auch unter den FCB-Anhängern hat das Interview hitzige Diskussionen ausgelöst. In den sozialen Netzwerken zeigten sich viele verärgert. Auch der Präsident eines der grossen FCB-Fanklubs kann die Aussagen von Polizeichef Lips nicht nachvollziehen: «Sie sind wenig zielführend. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Fans davon nicht provozieren lassen», sagt er, will seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen.

Von der Politik unter Beschuss, stärkt Regierungsrat Baschi Dürr (FDP) seinem Polizeichef den Rücken: «Ich sehe keinen Grund, das Interview des Polizeikommandanten zu kommentieren, wiederholt er doch letztlich, was wir in den letzten Wochen immer wieder gesagt haben: Dass wir keine No-go-Areas mehr akzeptieren, dass wir deshalb zusammen mit dem FCB verschiedene Massnahmen ergriffen haben – nebst neuen Kameras etwa die neue Bar mit dem Ziel der sozialen Kontrolle durch Mischnutzung – und dass es immer wieder auch zu sehr schlimmen Einzelfällen kommen kann, wir aber im grossen Ganzen auf dem richtigen Weg sind.»