Spionage-Affäre
Basler Polizisten-­Spitzel Y.S. soll als Velo­-Hehler tätig gewesen sein

Der mutmassliche Erdogan-Helfer und Spitzel bei der Basler Polizei soll wegen Diebstahls intern versetzt worden sein.

Martina Rutschmann und Benjamin Rosch
Merken
Drucken
Teilen
In der Stadt stehen haufenweise herren- und damenlose Velos herum, nach einer gewissen Zeit sammelt die Polizei diese ein.

In der Stadt stehen haufenweise herren- und damenlose Velos herum, nach einer gewissen Zeit sammelt die Polizei diese ein.

Martin Töngi

Zuletzt war er Dorfpolizist in Riehen, genauer: Polizeiassistent. Warum Y.S.* bis zu seiner Freistellung nicht mehr seinen vorherigen Job bei der Velosammelstelle im Zeughaus machte, lag auf der Hand: Es wird wohl etwas mit dem Verdacht zu tun haben, dass der 37-jährige Türke bei der Polizei verbotenerweise heikle Daten über Erdogankritiker gesammelt und an Institutionen weitergereicht haben soll, die der türkischen Regierung nahestehen.

Doch dies war, wie sich jetzt zeigt, offenbar nicht der Grund, weshalb die Polizei den Mitarbeiter intern vom Zeughaus nach Riehen versetzt hat. Sondern: Y.S. soll nebst den heiklen Personendaten auch Velos gestohlen und weitergegeben, respektive verkauft haben. Velos, die im Zeughaus lagerten, weil die Polizei diese auf Allmend eingesammelt hatte. Sei es, weil sie lange an einem Ort standen oder für eine Veranstaltung im Weg waren.

Es gibt viele offene Fragen

Mehrere unabhängige Quellen bestätigen der bz diesen Sachverhalt. Demnach soll Y.S. eingesammelte Velos, die von ihren Besitzern nicht vermisst worden waren, an sich genommnen und verkauft haben. Um wie viele Fahrzeuge es sich handelt und wie lange Y.S. mit Velos geschäftet haben soll, ist unbekannt.

Fakt ist: Sollte die Geschichte stimmen und er deshalb versetzt worden sein, würden sich eine Menge neuer Fragen stellen: Warum darf einer, der bei der Polizei arbeitet, diese bestiehlt und mit dem Diebesgut Hehlerei betreibt, weiter bei der Polizei arbeiten dürfen? Waren die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen? Galt im Falle von Y.S. in zwei Fällen die Unschuldsvermutung: als Spitzel und als Velodieb?

Gratis-Velo-Laden für Polizisten

Vielleicht ist Y.S. aber auch einfach einen Schritt weiter gegangen, als dies viele seiner ehemaligen Kollegen vor ihm taten. Bis vor einigen Monaten war es nämlich Usus, dass sich Korps-Mitglieder im hauseigenen Velokeller bedienen konnten, wie ein Polizist gegenüber der bz schildert. Die teuren Modelle werden vergandet, doch andere, noch fahrtüchtige Velos, wurden den Polizisten für den persönlichen Bedarf gratis zur Verfügung gestellt.

Es handelt sich dabei um Fahrzeuge, welche ursprünglich gestohlen wurden, die Polizei aber gefunden und sich der Besitzer nach über einem Jahr noch immer nicht gemeldet hat. Die Begründung: Diese seien für den Dienstweg. Über die Jahre hat sich diese Praxis eingespielt.

Offiziell kommuniziert wurde sie nie, das Angebot wurde eher hinter vorgehaltener Hand gestreut. Dennoch existierte ein Formular, das Bezieher solcher Velos unterzeichnen mussten. Darin erklärten sie, die Zweiräder nicht zu verkaufen und keine Versicherung dafür abzuschliessen.

Im Zusammenhang mit der Dienstwagen-Affäre wurden verschiedenste Privilegien der Basler Ordnungshüter untersucht und anschliessend gestoppt. Der hauseigene Gratis-Velo-Laden gehörte dazu.

Ebenfalls gestrichen wurde das Privileg für Polizisten, das Privatauto vor dem Polizeiposten an Randzeiten auf Besucherparkplätzen zu stellen. Auch dies war offenbar während Jahren Gang und Gäbe. An Sonn- und Feiertagen sowie jeweils abends konnten die Polizisten so Parkgebühren sparen. Doch auch damit ist seit einiger Zeit Schluss: Eine interne Weisung kündigte strenge Konsequenzen für diesen Fall an.

Die von der bz vorgebrachten Vorwürfe konnte Polizeisprecher Toprak Yerguz gestern auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Dies aus zeitlichen Gründen. Heute ist mit einer Stellungnahme von der Polizei zu rechnen.

* Name der Redaktion bekannt