Mitarbeiterumfrage

Basler Polizisten unzufrieden mit den Politikern

Basler Polizisten im Einsatz.

Basler Polizisten im Einsatz.

Die Basler Ordnungshüter fühlen sich vom Kader und von der Politik zu wenig unterstützt. Kommandant Gerhard Lips will nun handeln.

Wie zufrieden die Bevölkerung mit der Arbeit der Polizei ist, kommt seit 1983 im Dreijahresturnus in der Umfrage «Der Basler und seine Polizei» zum Ausdruck. Wie glücklich die Ordnungshüter aber mit ihrem Arbeitgeber, dem Justiz- und Sicherheitsdepartement, sind, wusste man bisher nicht. Nun hat die Kantonspolizei erstmals eine umfassende Mitarbeiterumfrage durchgeführt, wie «Basilea Info», dem Informationsblatt der Polizisten, zu entnehmen ist.

Mitgemacht haben 581 der 795 Ordnungshüter – das entspricht einer Teilnahme von 73 Prozent. Fazit: Laut dem Basler Polizeikommandanten Gerhard Lips nehmen 68 Prozent der Befragten die Kantonspolizei nicht einfach als Arbeitgeberin wahr, sondern empfinden sie als eine Art Heimat. «Verglichen mit der Privatwirtschaft ist das ein sehr hoher Wert», schreibt Lips in «Basilea Info».

Die Umfrage behandelt elf Themengebiete. Mit einer 4,47 erhält die «Zusammenarbeit im Team» (siehe Tabelle) die Bestnote. Danach folgt mit einer 4,04 das Thema «Engagement» und auf dem dritten Platz landet die Kategorie «Führungskraft – direkter Vorgesetzter» einer mit 3,99.

Umfrage: Kapo ist schlechter Arbeitgeber

Schlecht weg kommt jedoch «Kapo als Arbeitgeber»: Die Polizisten geben hier mit einer 2,7 die schlechteste Note. Für Lips ist das nicht zufriedenstellend: «Insbesondere herrscht das Gefühl vor, dass die Politik unsere Arbeitsbemühungen nicht unterstütze. Dieser Befund bedeutet für uns, dass wir unser Lobbying intensivieren und mit guter Arbeit auf uns aufmerksam machen müssen.» Die Entwicklung in den letzten drei Jahren sowie das Vergütungssystem kämen ebenfalls schlecht weg, schreibt der Kommandant weiter. Auffallend sei zudem, dass viele das Gefühl hätten, das Kader trage wenig zu einem Klima des Vertrauens und der Wertschätzung bei. Lips verspricht seinen Polizisten: «Diesen Punkt werde ich mir sehr genau in der Detailauswertung anschauen und nötigenfalls entsprechende Gespräche führen.» Damit meint er wohl auch Gespräche mit seinem Chef, Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (FDP).

Auf dem zweitletzten Platz landet mit einer 3,05 die Kategorie «Führungskraft indirekter Vorgesetzter», auf dem drittletzten Platz mit der Note 3,25 «Coaching und Entwicklung.» Lips will diese Themen nun abteilungsspezifisch analysieren und danach ebenfalls Massnahmen einleiten. Der Kommandant plant, solche Mitarbeiterumfragen auch künftig durchzuführen – obwohl: «Da uns in der Schweiz keine Resultate von vergleichbaren Studien vorliegen, haben wir den Nachteil, dass wir uns nicht mit anderen messen können.» Auf der anderen Seite habe die Kantonspolizei Basel-Stadt mit dieser Befragung eine Vorreiterrolle inne, schreibt Lips.

«Ergebnis überrascht nicht»

Auf Anfrage der «Basellandschaftlichen Zeitung» wollte sich Lips nicht weiter zur Befragung äussern oder auf die geplanten Massnahmen eingehen. Er wolle zuerst die Detailauswertung abwarten. «Die Massnahmen sind in Planung. Wir sind mitten im Prozess», sagt Lips. Bis Dezember sollen die Ziele beziehungsweise die Verbesserungen vorliegen.

David Gelzer, Präsident des Basler Polizeibeamten-Verbandes, hat die Resultate der Befragung zur Kenntnis genommen. Kommentieren will er sie nicht, zumal die Feinauswertung noch nicht vorliegt. Nur soviel: «Das Ergebnis überrascht nicht. Die Befragung zeigt, wo Not am Mann ist und Handlungsbedarf besteht.» Wichtig sei, dass sich die Polizeileitung Zeit nehme, um über die schlecht abgeschnittenen Themen nachzudenken, und bald Verbesserungen einleite.

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