Basler Pop-Preis

Basler Pop-Preis Gewinner: «Für uns gibt es keine Option B»

Das Trio hätte sich das nächste Album ohne Preis selber finanziert.

Das Trio hätte sich das nächste Album ohne Preis selber finanziert.

Slag in Cullet, Gewinner des Basler Pop-Preises 2012, können mit dem Preisgeld ihr neues Album finanzieren und setzen weiterhin voll auf die Musik. Das neue Album soll im Februar aufgenommen werden und im Herbst erscheinen.

Die Überraschung war gross am Mittwochabend, als die Jury des Pop-Preises Slag in Cullet zum Gewinner 2012 kürte. Besonders bei der Band selbst. «Wir haben gehofft, dass wir gewinnen, damit unsere nächste CD finanziert ist», erklärt Bassistin Rafaela Dieu, «damit gerechnet haben wir aber überhaupt nicht.»

So erstaunlich ist die Auszeichnung allerdings nicht, betrachtet man den Werdegang der Band. «Ich dachte es scheitert am kommerziellen Potenzial», meint Schlagzeuger David Burger. «Es gibt ja immer weniger geradlinige Rockbands.» Dieser Stilrichtung haben sich Slag in Cullet seit ihrer Gründung vor sieben Jahren bedingungslos verschrieben.

Die Pop-Preis-Gewinner Slag in Cullet mit ihrem Song Splinter

Von Glass zu Slag in Cullet

Zu Beginn hiessen sie noch Glass, bis eine amerikanische Band gleichen Namens mit einer Anzeige drohte, weil ihre Fans Tickets für ein Konzert in Stuttgart gekauft hatten, bei dem die Basler als Support auftraten. «Die schickte uns Bilder von ihren alten Platten, um zu beweisen, dass es sie schon länger gibt», lacht David. Ganz vom Thema Glas konnten sie sich aber nicht trennen. Ihr neuer Name heisst so viel wie «Schlacke in Scherben».

2009 erschien ihr erstes Album «Time to Explode» bei einem kleinen englischen Label. Damit einher ging eine Tour durch das deutschsprachige Europa, Auftritte an renommierten Festivals, der Weg in eine erfolgreiche Zukunft schien geebnet. Doch dann, kurz vor dem zweiten Album «Splinter» ging das Label Konkurs.

Glücklicherweise hatte sich die Band bereits so gut vernetzt, dass sie in kürzester Zeit ein neues Label in Deutschland fanden und ihre Tour auch selbstständig organisieren konnte. «Das war eine gute Notlösung», ist David dankbar. «Aber ein gutes Label oder einen guten Booker zu finden, ist verdammt schwer.» Oft müsse man ewig die Investitionen abstottern und in Deutschland verdiene man mit Konzerten nicht wirklich viel. Deshalb kommt der Pop-Preis jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt.

«Wir hatten uns schon überlegt, einen Kredit für das Album aufzunehmen», beschreibt er die Notlage vor letztem Mittwoch. Dass eine Basler Band bereit wäre, für ihren Erfolg so weit zu gehen, erstaunt. «Für uns gibt es keine Option B, wie: ‹Wir machen Musik nur noch aus Spass›.» Zurücklehnen und auf den Durchbruch warten ist nicht ihr Ding.

Bedingungslos auf die Karte Musik

Die Band Slag in Cullet bestimmt ihren Alltag, einzig David jobbt noch Teilzeit, Rafaela und Andy widmen sich ganz der Musik. Letzterer vielleicht bald auch auf Solopfaden. «Songs, die nicht in die Band passen, nehme ich auf und sammle sie.» Auch in der Band bringt Andy die ersten Ideen. «Den Feinschliff machen dann wir gemeinsam.»

Das neue Album soll im Februar aufgenommen werden und im Herbst erscheinen. Rund zehn Songs dafür haben sie bereits geschrieben. Zudem versuchen sie gerade im französischen Sprachraum Fuss zu fassen, auch Belgien und Holland peilen sie an. «Wir wollen nächstes Jahr doppelt so viele Konzerte spielen und im Sommer wieder an grosse Festivals», beschreibt Rafaela die Ambitionen. Das neue Album werde etwas weniger düster, als «Splinter». Grundsätzlich ändern wird sich aber nichts. «Wir machen einfach die Musik, die wir gerne machen. Ein Album ist immer eine Zeitaufnahme.»

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