Der Kampf gegen sexuelle Belästigung ist Thema der Stunde – endlich. Opfer sind Frauen, Täter Männer. Manchmal sind auch Männer Opfer. Die USA haben begriffen, dass Belästigungen aufhören müssen. Trumps Jünger aus dem Repräsentantenhaus werden darum
zu Belästigungspräventionskursen gezwungen, wie gestern bekannt wurde.

Im Kurs lernen sie dann, dass «Grab them by the pussy» nur für sie selber lustig ist, für die betroffenen Pussys aber eine Qual. Bringen wird das nicht viel, immerhin gibt man sich Mühe, gesellschaftliche Probleme ausnahmsweise ohne Schusswaffen zu lösen.

Eine besonders dreiste Wahl

In Basel haben wir dasselbe Problem, aber kein Schwein schert sich drum. Auch hier wird belästigt. Allerdings sind die Opfer fast immer Männer und es handelt sich nicht um sexuelle Belästigungen. Ist das ein Grund, wegzusehen? In einer visionären Stadt wie Basel haben es auch Männer verdient, gerettet zu werden – obwohl sie zahlenmässig in der Minderheit sind.
In Chefetagen, bei Straftaten und Ehrungen durch unnötige Preise sind sie klar in der Mehrheit. 89 Prozent aller «Ehrespalebärglemer» sind Männer.

84 Prozent aller Gewinner des «Basler Stern» ebenfalls. Am Montag wird der Stern zum 23. Mal an eine «Persönlichkeit, deren Wirkung über die Stadt hinaus strahlt», vergeben. Nachdem im vergangenen Jahr nach langer Pause ausnahmsweise mal eine Frau damit belästigt wurde, wird der Stern in den nächsten Jahren garantiert wieder über Männern strahlen. 

Der letzte weibliche «Ehrespalebärglemer» war Gisela Kutter vor 15 Jahren. Diese Wahl war besonders dreist. Da sammelt die Dame über 20 Millionen Franken für ein Schauspielhaus und, als wäre eine solche Aktion nicht unangenehm genug, wird zur Krönung mit einem Fussabtreter am Spalenberg belästigt. Aber immerhin musste mal eine Frau dran glauben. Klar, am besten wäre es, die Opferzahl im Bereich der Preisbelästigungen auf Null herunterzubringen, doch so schnell geht das nicht.

Ausser, die Basler machen es wie die USA und ziehen die Reissleine. Nicht alles, was aus Amerika kommt, ist schlecht. Oder hat jemand etwas gegen Jeans? Die «originellen Basler und Baslerinnen», wie sich das Sperber-Kollegium selber nennt, sollten gezwungen werden, einen Sensibilisierungskurs zu besuchen. Das Kollegium muss nach über 40 Jahren im Plattensektor lernen, dass Männer leiden, wenn sie Preise erhalten, nur weil sie «glatti Sieche» sind, respektive «Basel über die Grenzen hinaus in positivem Sinn bekannt gemacht haben». Sie müssen lernen, dass es zum Ausgleich dieser Schmach eines ernstzunehmenden Preises bedarf. Nur so sind «Ehrespalebärglemer» und «Basler Stern» zu verdauen. Niemand weiss das besser als Kunstmann Samuel Keller und Zoologe Jörg Hess. Die zwei bewegen sich bis auf die Affen in anderen Welten, haben aber dasselbe Schicksal.

Doktor zur Wiedergutmachung

Beide mussten einen Stern und eine Platte am Spalenberg über sich ergehen lassen. Zur Wiedergutmachung hat ihnen die Uni Basel dann aber einen Ehrendoktor verliehen. Da kann man nichts sagen. Der Ehrendoktor verhält sich zu den Über-Basel-hinaus-Strahl-Preisen etwa so wie der erste Kuss Verliebter zu «Grab them by the pussy».

Doch die Uni kann und soll nicht jedem Sternbesitzer, der auch am Spalenberg verewigt ist, einen Doktor schenken. Gut, Roger Brennwald beispielsweise hätte einen solchen Titel zweifellos verdient, schliesslich weiss nicht jeder, wie man sich selber sponsert. Und auch Erik Julliard sollte endlich zum Doktor aufsteigen, nachdem er es geschafft hat, in pazifistischen Kleinbaslern die Kampfeslust zu wecken.

Aber wir driften ab. Eigentlich geht es um etwas ganz anderes. Es geht um geschädigte Männer und nicht um solche, die nebst den bereits erhaltenen auf viele weitere Preise hoffen dürfen. Es geht darum, solche Männer aus dem Preisschussfeld zu nehmen – und zu deren Schutz halt wieder mal eine Frau dran glauben zu lassen. Frauen haben schliesslich mehr Erfahrung in Sachen Belästigung, das wissen nicht nur Amerikanerinnen, und sind generell besser darin, Dinge zu verarbeiten.

Wie wäre es mit Anita Fetz? Sie hat noch keinen Basler Preis bekommen, strahlt und strahlt und ist eine glatte Bohne. Und das Beste: Sie ist bald nicht mehr im Ständerat – und somit empfänglich für jede Art von Preisen. Auch für einen Ehrendoktor, denn Erfahrung mit Affen, die hat sie garantiert.