Schmerzklinik
Basler Privatspitäler buhlen um Schmerzspezialisten

Es gibt immer mehr Schmerzpatienten. Deshalb investiert das Bethesda-Spital 1,5 Millionen Franken in die Sanierung seiner Schmerzklinik. Doch dem nicht genug: Sie werben zudem der Konkurrenz am Kirschgarten einen Spezialisten ab.

Pascale Hofmeier
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Bethesda Spital (Archiv)

Bethesda Spital (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer

Gegen Kopfweh und Schmerzen im Knie hilft eine Schmerztablette. Aber nicht immer: Werden Schmerzen zum Dauerzustand, leiden Berufs- und Privatleben und damit die Lebensqualität. Weil die Zahl der Schmerzpatienten zunimmt, hat das Bethesda-Spital seine Schmerzklinik für 1,5 Millionen Franken ausgebaut. Sie ist jetzt in den Räumen der ehemaligen Geburtsabteilung untergebracht. Die Investition ist Teil der insgesamt 50 Millionen Franken, mit der das 75 Jahre alte Klinikgebäude saniert werden soll. Ebenfalls auf der Liste der Bauprojekte sind die Küche, der Empfangsbereich, der Operationsbereich und die Arztpraxen.

Die Schmerzklinik ist Teil des strategischen Schwerpunktes «Rheuma, Rücken, Schmerz». Mit dem erweiterten Angebot wolle das Bethesda-Spital seine Position im Markt weiter ausbauen, sagte Spitaldirektor Thomas Rudin bei der offiziellen Neueröffnung: «Die Schmerzklinik ist ein weiterer Baustein.» Ein Teil der Patienten kommt aus dem eigenen Haus, aus dem Rheumazentrum, der Wirbelsäulenchirurgie oder der Orthopädie. Die Mehrheit wird von extern zugewiesen. Pro Jahr hat das 6-köpfige Team der Schmerzklinik 9000 Patientenkontakte.

«Chronische Schmerzpatienten wünschen sich eine Kontinuität, jemanden, den sie immer wieder sehen», erklärt Friedrich Bremerich, Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin. Denn Schmerz kehrt oft lebenslänglich wieder. «Wir können abklären, warum ein Schmerz da ist. Aber es gibt auch Patienten, denen können wir nicht wirklich gut helfen.»

Herzschrittmacher für die Nerven

Die Behandlungsansätze in der noch jungen Disziplin sind sehr vielfältig. Manchmal lindert die manuelle Medizin den Schmerz, manchmal braucht es hoch technisierten Methoden, die unter OP-Atmosphäre durchgeführt werden. «Es ist nicht ganz harmlos, was wir tun», sagt Bremerich. Gerade im Bereich der Wirbelsäule sei eine Infektion «verheerend» – und ein Fehler sowieso.

Und alle, die sich vor Nadeln fürchten, sollten nun den Abschnitt überspringen. Häufig sind Infiltrationen, also Spritzen, die den Schmerz zum Beispiel an der Nervenwurzel blockieren. «Man kann alles Spritzen im Körper, die Nadeln sind lang und dehnbar genug», sagt Bremerich. In manchen Fällen hilft nur noch eine Art Herzschrittmacher für Nerven, die sogenannte Neurostimulation. Vereinfacht gesagt werden mit elektrischen Impulsen das Rückenmark oder Nerven im Umfeld des chronischen Schmerzes angeregt. Das überlagert im Hirn das Schmerzsignal.

Allerdings kämpft die Schmerzmedizin mit einem im Gesundheitswesen bekannten Problem: Es fehlt qualifiziertes Personal. «Es ist schwierig Leute zu finden, die täglich mit Schmerzpatienten arbeiten wollen», sagt Bremerich Er werde selber öfters gefragt, wie es das Team aushalte, weil die Patienten «öfters klagen».

Weil es so schwierig ist, medizinische Fachkräfte zu finden, sind die Wartezeiten für eine Behandlung relativ lange. Ein bis zwei Monate kann es dauern, bis ein Patient einen Termin erhält. Doch die Klinikleitung hofft, dass sich dies bald ändert. Sie hat den Schmerz-Spezialisten Wolfgang Klauke bei der direkten Konkurrenz, der Schmerzklinik am Kirschgarten abgeworben. Dieser wechselt auf Anfang März ins Bethesda. Hintergrund ist, die Übernahme der Schmerzklinik Kirschgarten durch die Privatklinikgruppe Genolier letzten September. Schmerzbehandlungen führen in Basel unter anderen auch noch das Universitätsspital und die Rehab durch. Im Kanton Baselland plant das Kantonsspital den Aufbau einer Schmerzklinik in Laufen. Das Spital in Rheinfelden behandelt ebenfalls Schmerzpatienten.