Basel
Basler Psychiatrie rüstet auf: Elektronische Fussfesseln für Patienten im Ausgang

Als erste Klinik der Schweiz prüft die Basler Uni-Psychiatrie elektronische GPS-Fussfesseln für den Ausgang ihrer Patienten. Dies ist nur eine von vielen Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit. Die Klinik will aber kein Hochsicherheitstrakt sein.

Andreas Maurer
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Der Zaun des Spazierhofs der Forensisch-Psychiatrischen Klinik (l.) wird auf den Standard eines Gefängnisses ausgebaut.

Der Zaun des Spazierhofs der Forensisch-Psychiatrischen Klinik (l.) wird auf den Standard eines Gefängnisses ausgebaut.

Die Empörung, die nach dem 13. März 2012 auf die Basler Forensisch-Psychiatrische Klinik niederprasselte, war von kurzer Dauer. Zum zweiten Mal innert eines halben Jahres flüchtete ein Straftäter. Auf der Mittleren Brücke richtete der Geflohene ein Blutbad an. Das Sicherheitsregime der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) geriet in die Kritik. Gut ein halbes Jahr später veröffentlichten die UPK eine Zusammenfassung eines externen Sicherheitsberichts und kündeten erste Massnahmen an. Damit war die mediale Debatte beendet. Auch diese Woche, als der «Amokfahrer» durch das Basler Strafgericht als schuldunfähig erklärt wurde, waren die Sicherheitsmassnahmen kein Thema mehr.

Hinter den Kulissen hat in den UPK aber ein Umdenken stattgefunden. Bekannt war, dass die Psychiatrie eine Million Franken in bauliche Massnahmen investiert. Das waren aber erst die kurzfristigen Ausgaben. Vor einem Monat genehmigte der UPK-Verwaltungsrat ein fast viermal grösseres Sicherheitspaket im Umfang von 3,8 Millionen Franken, wie Marc Graf, Chefarzt der Forensisch-Psychiatrischen Klinik auf Anfrage bekannt gibt. Hinzu kommen höhere Personalkosten: Für das Risikomanagement hat der Verwaltungsrat 150 zusätzliche Stellenprozente bewilligt bei gleichbleibender Anzahl Therapieplätze. Ein weiterer Personalausbau werde derzeit verhandelt.

Heute ist von aussen kaum erkennbar, dass im grauen Bau der Forensisch-Psychiatrischen Klinik Straftäter therapiert werden. Das äussere Erscheinungsbild wird sich mit den gesprochenen Mitteln verändern. Der Zaun um den Spazierhof der Forensisch-Psychiatrischen Klinik wurde bisher erst mit einem sogenannten Übersteigschutz ein wenig erhöht. Nun kündet Graf einen massiven Ausbau an: Die Gitterhöhe werde von drei auf sechs Meter verdoppelt. Der Zaun werde neu dem Schweizer Gefängnisstandard entsprechen. Zudem werde ein Einwurfschutz eingerichtet. «Man wird dann kein Handy oder andere Gegenstände mehr in den Spazierhof werfen können», sagt Graf.

Der Haupteingang der forensischen Klinik war bisher frei zugänglich. Das neue Schleusensystem, das 2014 installiert werden soll, wird ebenfalls grösser als angekündet. Neben einem Personeneingang mit Metalldetektor und Röntgengerät wird eine zweite Schleuse eingerichtet, in der Fahrzeuge durchleuchtet werden können. Auch das Schliesssystem wird erweitert: Ein gestohlener Schlüssel wird nicht mehr wie bei der Flucht im März genügen, um die Türen zu öffnen. Ob es sich um einen Code oder ein anderes Erkennungsmerkmal handelt, hält Graf geheim.

Mit den neuen Massnahmen steigt das Sicherheitsniveau der Klinik. «Wir werden über dem internationalen Standard für mittlere Sicherheit liegen. Wir werden aber nicht zu einem Hochsicherheitstrakt», sagt Graf. Das bisherige tiefere Sicherheitsniveau rechtfertigte er früher mit der Begründung, dass es sich um ein Krankenhaus und nicht um ein Gefängnis handle. Im Expertenbericht wurde er dafür kritisiert. Diese Haltung könne fatale Folgen haben, wenn die Sicherheit dadurch zu kurz komme, hiess es im Bericht. Heute sagt Graf, dass er sämtliche Empfehlungen des Berichts umsetzen werde. Trotzdem hält er daran fest, dass seine Klinik nicht zum Gefängnis werde. «Wir sperren die Leute nicht ein, wir behandeln sie», betont er. Damit sie nicht entweichen, ist dafür aber neu offenbar ähnlich viel Metall nötig wie in einem Gefängnis.

Und die Anschaffung weiterer Technik ist geplant. «Es ist eine Frage der Zeit, bis wir elektronische GPS-Fussfesseln einführen», sagt Graf. Auf begleiteten und unbegleiteten Ausgängen sollen ausgewählte Patienten mit Geräten ausgerüstet werden, mit denen sie im Fall einer Flucht geortet werden können. «Es werden keine Systeme sein, die man einfach entfernen kann», erklärt Graf. Mit Dominik Lehner, dem Leiter des Basler Strafvollzugs, habe er bereits erste Gespräche geführt. Lehner ist schweizweit der Pionier auf dem Gebiet der elektronischen Fussfesseln. Dank dieser Geräte erhofft sich Graf eine personelle Entlastung: «Wir könnten weniger Personal für Ausgänge und mehr in der Klinik einsetzen.» Offen seien derzeit aber noch viele Fragen, wie die Überwachung konkret gehandhabt werden soll. «Ich hoffe, dass wir das im nächsten Jahr anpacken können», sagt Graf. Priorität habe derzeit die Umsetzung der bereits bewilligten Sicherheitsmassnahmen.

Trotz der Aufrüstung werden die UPK keine Hochrisikotäter behandeln. «Wir haben bewusst keine Vergewaltiger bei uns», erklärt Graf. Dazu eigne sich die Klinik wegen ihrer Lage in einer Stadt neben Familiengärten und nahe an der Grenze zum Ausland nicht. Der 13. März 2012 hat die Gefahren deutlich gemacht.