Nähkästchen

Basler Rap-Legende Black Tiger: «Mein Ziel ist es, irgendwie zu überleben»

Der Rapper Black Tiger hat trotz Legendenstatus finanziell zu kämpfen, was ihn nicht davon abhält, weiter Musik zu machen.

Die Basler Rap-Legende Black Tiger plaudert aus dem Nähkästchen. Über Musik, fehlendes Geld und warum er sich als Newcomer sieht

Über was reden wir?

Black Tiger: Über Treue – ein Begriff, der gut zu mir passt.

Wieso?

Ich denke, ich bin meinen Prinzipien, so gut es mir möglich war, treu geblieben. In den vergangenen drei Jahrzehnten habe ich deshalb immer wieder finanzielle Einbussen in Kauf genommen. Das war aber meine bewusste Entscheidung.

Sie haben alles auf die Musik gesetzt?

Nicht nur. Neben meiner Tätigkeit als Musiker arbeite ich auch als Psychologe. Das sind die beiden Eckpfeiler meines Lebens. In beiden Gebieten bin ich noch lange nicht da angelangt, wo ich gerne wäre.

Wohin möchten Sie denn in der Musik noch? Schliesslich sind Sie seit den frühen 1990er-Jahren im Business und gelten als einer der Vorreiter des Schweizer Mundart-Raps.

In den zurückliegenden Jahren habe ich sehr wenig veröffentlicht, da ich es mir nicht leisten konnte. Gerade kürzlich sind aber drei neue Songs erschienen, denen noch weitere folgen werden. Ich mache Musik, hinter der ich stehen kann, die aber beinahe nichts einbringt. Mein Ziel ist es, irgendwie zu überleben und nach und nach neue Musik zu veröffentlichen. Ich habe zwar heute den Status einer Schweizer Rap-Legende, aber finanziell geht es nicht auf. Im Historischen Museum in Basel hängt ein Pullover von mir, ich habe jedoch Mühe, meine Rechnungen zu bezahlen.

Eine absurde Situation.

Ich möchte mich nicht beklagen, aber wir leben heute in einer Gratiskultur. Ein Like kriegt man schnell, finanzielle Unterstützung jedoch nicht. Der Verkauf von physischen Tonträgern ist in den vergangenen Jahren völlig eingebrochen. Viele vergessen, dass hinter der Musik viel Zeit und Arbeit steckt. Das sieht man auch bei den aktuellen Diskussionen um die kostenlosen Open-Airs in Basel. Die Wertschätzung für Musik ist derzeit sehr gering.

Was müsste denn passieren, damit sich das ändert?

Ich bin gegen Verbote von Streaming-Plattformen. Der aktuelle Zeitgeist ist einfach so. Ändern könnte man es, indem man die Musikhörenden sensibilisiert und ihnen klar macht, dass wir weitere Musik nur veröffentlichen können, wenn sie uns unterstützen.

Während Sie früher Ihre Alben bei einer grösseren Plattenfirma veröffentlicht haben, erscheinen die neuen Songs auf Ihrem kürzlich gegründeten eigenen Label.

Es ist befreiend. Ich bin mein eigener Chef, was toll ist, aber auch mit viel Arbeit verbunden ist. In meiner Karriere konnte ich bisher noch nie so frei Musik machen und hatte noch nie so wenig Druck wie momentan. Früher waren Musikerinnen und Musiker auf Plattenfirmen angewiesen. Mit den heutigen Vertriebsformen im Internet ist das aber nicht mehr nötig. Musikalisch sehe ich mich heute als Newcomer, da trotz meiner Erfahrung in der Branche das Führen einer eigenen Plattenfirma für mich neu ist. Gerne möchte ich künftig auch Produktionen für andere Künstlerinnen und Künstler machen sowie im Ausland noch bessere Kontakte knüpfen.

Man verbindet Sie und Ihre Musik stark mit Basel. Auch dem Rheinknie sind Sie treu geblieben. Woran liegt das?

Viele andere Künstler gehen in grössere Städte, um dort den Durchbruch zu schaffen. Das habe ich mir auch schon einige Male überlegt, aber es scheiterte jeweils am Geld und am Mut. Ich liebe Basel sehr, könnte mir jedoch vorstellen, auch in New York oder Paris zu leben. Ich sehe mich selber ganz klar als Kosmopolit, der für universelle Werte einsteht.

Von welchen Werten sprechen Sie genau?

Nachhaltigkeit, Respekt, Anstand und Achtsamkeit. Mit dem Wissen, dass es mir jeden Tag nicht gelingt, diese Werte voll und ganz zu vertreten. Der wichtigste Wert ist ganz klar der Respekt vor allen Menschen. Der Austausch mit Personen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Schichten hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Ich verfolge die derzeit vielerorts festzustellende Polarisierung der Gesellschaft mit grosser Sorge.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage des internationalen Raps? Sie verfolgen das Geschehen bekanntermassen genau.

Rap und Hip-Hop ist derzeit weltweit die einflussreichste Musik. Trotz der Unkenrufe, die uns einst entgegenschallten, konnte sich die Musikrichtung halten. Was heute angesagt ist, ist natürlich nicht vergleichbar mit dem, was wir machten, als wir angefangen haben. Die Inhalte sind zum Teil heftiger geworden, was für viele Kinder und Jugendliche, die das konsumieren, eher suboptimal ist. Über die Auswirkung von Gewalt in der Musik habe ich auch meine Bachelor-Arbeit in Psychologie geschrieben.

Sie scheinen ein treuer Mensch zu sein. Gibt es Bereiche in Ihrem Leben, in denen das nicht der Fall ist?

Schwierige Frage. Wenn ich etwas vereinbare, bin ich loyal und ziehe es durch. Beim Musikhören bin ich hingegen untreu und gehe gerne mit anderen Genres fremd. Dadurch, dass ich lange Zeit in einem Plattenladen gearbeitet habe, habe ich heute Respekt vor fast jeder Musikrichtung.

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