Die Baslerinnen und Basler müssen sich warm anziehen, denn Heizen wird teurer. Zwar sieht die im aktuellen Kantonsblatt veröffentlichte Energieverordnung kein Verbot der bisher günstigsten Gas-Heizungen vor. Dies jedoch nur dann, wenn die Alternativen «technisch möglich» sind und «zu keinen Mehrkosten führen». Damit das so ist, werden hohe Subventionen gezahlt: 20 000 Franken gibts beispielsweise für eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe, beim Fernwärmeanschluss sind sogar «individuelle Beträge» möglich, damit «sichergestellt werden kann, dass dieser nicht teurer zu stehen kommt als eine fossile Lösung», sagt Matthias Nabholz, Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie (AUE).

Was jedoch nicht erwähnt wird: Die Verordnung macht den Vergleichspreis, sprich: die «normale» Gasheizung, massiv teurer. Neu braucht es beim Ersatz einer Gasheizung nämlich nicht nur ein Solarmodul auf dem Dach, das 50 Prozent des Warmwassers erzeugt, sondern weitere Massnahmen, sodass insgesamt 20 Prozent der gesamten Heizenergie entweder eingespart oder durch erneuerbare Energieformen ersetzt werden können.

Kritik aus der Branche

«Die einzelnen Beiträge in der Energieverordnung sind vor allem politisch motiviert», sagt Heizungsplaner Martin Omlin. Die gesamte Branche stehe vor riesigen Herausforderungen, jede Heizungssanierung sei neu mit einem grossen administrativen Aufwand verbunden. Besonders störend empfindet Omlin, dass die Industriellen Werke Basel (IWB) mit ihrer Fernwärme bevorzugt werden – dies, weil der dazu nötige Anschluss als einzige Heizungsform mit individuellen Beträgen gefördert würde. Dabei sei Fernwärme weit davon entfernt, eine CO2-neutrale und erneuerbare Energieform zu sein.

Tatsächlich gilt laut Bundesamt für Umwelt das Verbrennen von Abfall, wie es in Basel hauptsächlich zum Erzeugen von Fernwärme betrieben wird, nur als 50-Prozent-CO2-Neutral. Analysen der Kehrichtverbrennungsanlagen hätten ergeben, dass rund 50 Prozent der Energie aus Kunststoffen stamme, sagt Michael Hügi vom Bundesamt für Umwelt. Der Rest der Heizenergie sei erneuerbar, da aus nachwachsenden Abfall-Bestandteilen wie Holz und Papier.

Dass die IWB ihr Produkt «IWB Fernwärme» trotzdem als «das erneuerbare und CO2-neutrale Wärmeprodukt» anpreist, hat damit zu tun, dass der CO2-haltige Anteil zu günstigeren Preisen als «IWB Fernwärme Mix» verkauft wird. Aktuell sind lediglich 63 Prozent der gesamten Fernwärmeproduktion CO2-neutral, wie die IWB auf ihrer Website schreiben. Bis 2020 soll der erneuerbare Anteil auf 80 Prozent steigen.

IWB werden bevorzugt

Die Ungleichbehandlung von Fernwärme und anderen Heizungsformen stört auch GLP-Grossrat Aeneas Wanner. Er sieht darin sogar einen Widerspruch zur Vorlage aus dem Grossen Rat. «Das Parlament hat keine Bevorzugung der teilfossilen Wärmenetze gegenüber anderen voll erneuerbaren Heizsystemen vorgesehen.» Er begrüsse die flexible Förderpraxis, wie sie für Fernwärme gelte – dies jedoch nur, wenn auch andere Lösungen wie zum Beispiel Wärmepumpen so gefördert würden.

Zu einer allfälligen Bevorzugung der IWB will sich Wanner nicht äussern, weil er selbst im IWB-Verwaltungsrat sitze. AUE-Leiter Nabholz begründet die Ungleichbehandlung auf Anfrage damit, dass «nur bei Fernwärmeanschlüssen kleinere Leistungen teurer sind als grössere», dies weil ein Teil der Investitionen über den Wärmebezug bezahlt würde.

Sanitäre im Blindflug

Heizungsplaner Omlin befürchtet, dass die überstürzte Umstellung der staatlichen Förderungen zu einem «Zusammenbruch des Sanierungsgeschäfts» führe, weil viele Firmen nicht auf die Umstellungen vorbereitet seien. Das AUE will mit Informationsveranstaltungen für die Branche Klarheit schaffen, die Zeit drängt jedoch. Bereits am 1. Oktober gelten die neuen Richtlinien – also genau 30 Tage, nachdem die genauen Fördermodelle erstmals veröffentlicht worden sind.