Das zweite Holzkraftwerk der Industriellen Werke Basel (IWB) soll gebaut werden dürfen: Die Regierung hat am Dienstag dem Grossen Rat die Genehmigung für das 44,7-Millionen-Projekt beantragt. Als Standort ist die Hagenaustrasse vorgesehen, neben der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA).

Das neue Holzkraftwerk soll im Jahr rund 80 Mio. Kilowattstunden (kWh) Wärme sowie 27 Mio. kWh Strom produzieren, wie die IWB mitteilten. Sie wollen das Baugesuch einreichen, während die Vorlage im Grossen Rat beraten wird.

Die Baubewilligung soll bis Herbst eintreffen. So wäre ein Baubeginn 2016 möglich und die Inbetriebnahme anderthalb bis zwei Jahre danach. Ein Generelles Baubegehren ist bereits abgeschlossen; laut einem IWB-Sprecher hat dieses keine grösseren Einschränkungen ergeben.

Areal gehört IWB noch nicht ganz

Am vorgesehenen Standort befindet sich eine freie Fläche in der Industrie- und Gewerbezone, die teilweise den IWB gehört. Der Eigentümer des restlichen Arealteils habe ihnen den Verkauf zugesichert, hiess es weiter.

Die Investition ist bereits im IWB-Leistungsauftrag 2015-2018 enthalten, den der Grosse Rat abgesegnet hat. Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) des Bundes, die für die Stromproduktion des Holzkraftwerkes beantragt werden soll, seien Bau und Betrieb «wirtschaftlich».

Auch Brennstoff sei in der Region noch ausreichend vorhanden: Die benötigten 185'000 «Schnitzelkubikmeter» können gemäss IWB «ohne Beeinträchtigung der bisherigen Nutzung» aus den Wäldern und aus Altholz «problemlos abgedeckt werden». Laut dem IWB-Sprecher ist denkbar, künftig auch Altholz aus dem benachbarten Ausland zu beschaffen - heute liegt der Altholz-Anteil bei rund 30 Prozent.

Mit dem zweiten Holzkraftwerk werde der Anteil an CO2-neutraler Energieproduktion von heute 63 auf 73 Prozent gesteigert, teilte die Regierung weiter mit. Dies bedeute eine Reduktion um 19'000 Tonnen CO2 im Jahr. Langfristiges Ziel sind laut den IWB 80 Prozent.

Zweiter Anlauf auf Kurs

2012 hatten die IWB das zweite Holzkraftwerk neben dem Fernheizwerk Volta geplant. Holzschnitzel hätten unterirdisch von Frachtschiffen aus zugeliefert werden sollen. Diese Pläne waren der Novartis mit ihrem benachbarten Campus ein Dorn im Auge. Die IWB erklärten die Absage im Dezember damit, dass jenes Projekt punkto Stadt- und Arealentwicklung «langfristig weniger gut geeignet» sei.

Ihr erstes Holzkraftwerk hatten die IWB 2008 als damals grösstes der Schweiz beim Schlachthof in Betrieb genommen. Es lieferte 2013 gut 143 Mio. kWh Wärme und gegen 17 Mio. kWh Strom. Wie das erste soll sich auch das zweite Holzheizkraftwerk einige Anlageteile mit der KVA teilen, der Hauptproduktionsstätte der Basler Fernwärme.

Im September hatten die IWB Pläne für ein weiteres Holzkraftwerk in Kaiseraugst aufgegeben. Diese hatten sie von der Axpo übernehmen wollen, sich dann aber trotz Bewilligung und Bürger-Zustimmung wegen offenen wirtschaftlichen Fragen zurückgezogen.