FCB-Köder

Basler Regierung lädt nationale Verkehrspolitiker an Champions-League-Spiel ein – jetzt hagelt es Absagen

Noch so gerne würde Basel-Stadt vom europäischen Höhenflug des FCB (hier gegen Manchester United) profitieren. Der Plan geht nur bedingt auf.

Noch so gerne würde Basel-Stadt vom europäischen Höhenflug des FCB (hier gegen Manchester United) profitieren. Der Plan geht nur bedingt auf.

38 Mitglieder der Verkehrskommissionen aus National- und Ständerat wurden nach Basel an eine Champions-League-Partie eingeladen. Doch jetzt winkt ein Grossteil ab.

Seit 50 Jahren ist Werner Hösli ein grosser Fan des FC Basel. Schon oft war er im Stadion, zweimal auch an der Meisterfeier auf dem Barfüsserplatz. Noch so gerne hat der Glarner SVP-Ständerat deshalb die Einladung der Basler Regierung für den Champions-League-Achtelfinal gegen Manchester City angenommen. Doch Hösli ist eine Ausnahme. Nicht nur, was den Fussballgeschmack angeht: SVP-Nationalrat Gregor Rutz besucht lieber die Spiele der Grasshoppers, Fraktionskollege Ulrich Giezendanner interessiert sich mehr für den FC Aarau. Hösli ist einer der wenigen Verkehrspolitiker, die nach Basel kommen.

Gezielt hat die Basler Regierung alle

38 Mitglieder der Verkehrskommissionen aus National- und Ständerat eingeladen, was in Basel einige Diskussionen ausgelöst hat. Von einem eigentlichen Lobbyinganlass will die Regierung zwar nicht sprechen, viel lieber von Beziehungspflege. Dennoch ist die Gästeliste kein Zufall: Die Region hat derzeit in Bundesbern wichtige Verkehrsprojekte hängig.

Allen voran das Herzstück. Die Bemühungen lässt sich Basel-Stadt einiges kosten. Rund 100'000 Franken investiert der Kanton in solche Anlässe rund um die FCB-Champions-League-Spiele. Die Regierung ist überzeugt: Das Geld ist gut investiert.

Grundsätzliche Bedenken

Doch nun zeigt sich: Der Plan geht nicht wie gewünscht auf. Für die Basler Regierung hagelt es Absagen. Das zeigt eine Umfrage unter sämtlichen Kommissionsmitgliedern. Die meisten geben terminliche Gründe an. Darunter FDP-Nationalrat Kurt Fluri, der zu den erklärten Befürwortern des Herzstücks zählt: «Leider kann ich der Einladung aber nicht folgen, da wir am Dienstagnachmittag und -abend eine ganz intensive Fasnachtszeit haben», hofft der Solothurner Stadtpräsident auf Verständnis.

Zahlreiche Verkehrspolitiker haben grundsätzliche Bedenken: «Ich erachte solche Einladungen an die Mitglieder einer bestimmten Kommission als problematisch, wenn über den Sinn und Zweck nicht transparent in der Einladung informiert wird», sagt die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Und das sei hier nicht der Fall, betont die Präsidentin der nationalrätlichen Verkehrskommission. Die Berner Nationalrätin und Grünen-Präsidentin Regula Rytz nimmt gar «keine Einladungen zu kulturellen oder sportlichen Events an, die mit konkreter Lobby-Arbeit für eine Region oder ein Unternehmen verbunden sind».

Der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas findet Zeitpunkt und explizite Adressierung an Kommissionsmitglieder unpassend. Für die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ist die «unklare Absicht» der Basler störend. Der Neuenburger SP-Nationalrat Jacques-André Maire plädiert dafür, dass die Lobbyarbeit auf allen Ebenen klarer geregelt wird.

Vor Ort informieren lassen

Seit Monaten weibelt die Region für die Durchmesserlinie, die den Bahnhof SBB unterirdisch mit dem Badischen Bahnhof verbinden soll. Unterstützt werden die Bemühungen auch von Claude Janiak, der die Ständeratskommission präsidiert. «Es geht darum, Politikern aus anderen Landesteilen die Region generell näher zu bringen und sie für spezifische Themen zu sensibilisieren», erklärte der Baselbieter SP-Ständerat. Erfolg gezeigt habe das etwa bei den Rheinhäfen. Zum FCB-Spiel kommen aber nur wenige Verkehrspolitiker. Es braucht keine zwei Hände, um sie abzuzählen. GLP-Präsident Jürg Grossen will anwesend sein: «Ich bin sowohl an verkehrspolitischen Informationen der Basler Regierung als auch an diesem Fussball-Leckerbissen interessiert», sagt der Berner.

Auch für den Tessiner CVP-Ratskollegen Fabio Regazzi oder den Zürcher SP-Politiker Thomas Hardegger ist die Einladung unproblematisch.

Die Basler Regierung ist zufrieden: «Wir haben nie damit gerechnet, dass alle Kommissionsmitglieder kommen», sagt Regierungssprecher Marco Greiner. Die Tickets verfallen nicht ungenutzt. Stattdessen wurden nachträglich Vertreter anderer Kantonsregierungen, aus der Wirtschaft oder von Verbänden eingeladen.

Von Basler Lobbyingbemühungen wollen sich aber auch die verbliebenen Politiker unbeeindruckt zeigen: «Als unabhängiger Parlamentarier lasse ich mich gerne informieren, beeinflussen jedoch nicht», versichert GLP-Nationalrat Grossen. «Ich bin und bleibe unabhängig», betont auch Regazzi. FCB-Fan Hösli freut sich einfach auf ein tolles Spiel. «Und ehrlich gesagt, der Rest interessiert mich überhaupt nicht», sagt der SVP-Ständerat. «Ich habe mich in meinem Leben noch nie bestechen lassen.»

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Autor

Daniel Ballmer

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