Dreckig, laut und unsicher, sei es in der Basler Notschlafstelle, berichteten Betroffene diesen Winter und sprachen von «unhaltbaren und entwürdigen Zuständen». So müssen die Obdachlosen, welche als Basler 7,50 Franken, als Auswärtige 40 Franken für eine Übernachtung an der Alemannengasse bezahlen, in Mehrbettzimmern nächtigen. Für mehr als 60 Männer stünden gerade mal drei Toiletten bereit. Zudem herrsche ein grosses Gewaltpotential und Diebstähle seien an der Tagesordnung. Es fehle jegliche Privatspähre und das Gebäude ist nicht rollstuhlgängig.

Für Beatriz Greuter, Fraktionschefin der SP ist klar: «Es braucht eine würdevolle Notschlafstelle.» In einem Anzug forderte sie deshalb die Regierung auf, zu prüfen, ob eine neue Notschlafstelle mit Einzel- und wenigen Mehrbettzimmern geschaffen werden könne. Ausserdem sei darauf zu achten, dass diese mit Bad oder Dusche ausgestattet sind. Nicht zuletzt soll das Halten von Haustieren erlaubt sein. Viele Obdachlose meiden die Notschlafstelle, weil sie ihren Hund nicht mitnehmen können.

«Kein Zweisterne-Hotel»

Widerstand gegen die Pläne gab es im Basler Parlament vor allem von bürgerlicher Seite. «Das geht uns zu weit», sagte SVP-Fraktionspräsident Andreas Ungricht. «Es soll doch eine Notschlafstelle sein und kein Zweisterne-Hotel.» «Ich erwarte keine Trois-Rois-Notschlafstelle», stellte Greuter klar. «Aber ein Zweierzimmer mit Dusche und Bad ist in meinen Augen kein Luxus.» So sei es früher auch normal gewesen, dass sich acht fremde Menschen im Pflegeheim ein Zimmer geteilt haben. «Heute ist das undenkbar», sagte die frühere Krankenschwester. «Dieser Standard sollte sich auch für die Notschlafstelle ändern.» Der Grosse Rat unterstützte diese Ansicht und überwies den Anzug mit einer knappen Mehrheit. Zuvor hatte er stillschweigend einen Vorstoss von SP-Grossrätin Salome Hofer gutgeheissen, welcher einen besseren Zugang zu Toiletten, Duschen und Waschmöglichkeiten für Obdachlose fordert.

Nur am Rande erwähnt, wurde ein weiteres Thema, welches diesen Winter immer wieder für Schlagzeilen sorgte: Der Umstand, dass Wanderarbeiter aus Osteuropa mit Gutscheinen für die Notschlafstelle günstig zu übernachten versuchten. «Für Wanderarbeiter aus dem Osten soll es keinen Platz geben», betonte Ungricht am Mittwoch nochmals.