Dass Polizisten gewalttätig angegangen und verletzt worden sind, sei "inakzeptabel und keinesfalls zu relativieren", teilte die Basler Regierung am Dienstag mit. Dass die Gesamtregierung das Thema besprochen habe, sei selten, sagte Sicherheitsdirektor Baschi Dürr am Nachmittag vor den Medien. Zuvor hatten sich Behörden und Clubleitung zum Fall getroffen.

Die "schweren Ausschreitungen" und "schlimmen Gewaltexzesse" haben gemäss Dürr nach dem Match eigentlich aus dem Nichts hinaus begonnen. Die Staatsanwaltschaft ermittle jetzt, und es gebe viel Bildmaterial vom Stadion, der Polizei und auch - nach einem behördlichen Aufruf - von Augenzeugen auszuwerten.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Zu lange zu tolerant

Dürr will jedoch "nicht das Kind mit dem Bad ausschütten" und irgendetwas beschliessen. Zu klären sei mit den Baselbieter Behörden und dem Club, wie die Situation auf der Plattform östlich neben dem Stadion bei der Birs sicherer zu machen ist. Jene Schwachstelle dürfe "kein rechtsfreier Raum" sein.

Dürr räumte ein, dass die Behörden dort vor dem Eingang zur FCB-Fankurve wohl zuletzt zu tolerant gewesen seien. Das habe nun ein Ende. Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber sagte, derzeit sei "nicht sichergestellt", dass die Polizei überall beim Stadion ihre Arbeit machen kann; da gebe es Handlungsbedarf.

Das Problem wolle man baulich, mit Kameras oder sonstwie lösen; auch die Fanarbeit werde einbezogen. Bis Mai sollen die Massnahmen stehen und vor Beginn der nächsten Saison umgesetzt werden. Die Behörden haben laut Dürr eine "gute Gesprächskultur" mit dem FC Basel. Dessen Sprecherin Andrea Roth nannte es "unsere Aufgabe", solche Ereignisse zu verhindern.

Kantonale Bewilligung auf dem Spiel

«Die Sicherheit muss gewährleistet sein, damit ein Match bewilligt werden kann», stellt Reber klar. Derzeit belaufen sich die durchschnittlichen Sicherheitskosten von Basel-Stadt auf rund 150 000 Franken pro Match. Dennoch sehen die beiden Regierungsräte die Sicherheit nicht mehr als umfassend gewährleistet. Für Dürr ist eine Nicht-Bewilligung von Spielen aus Sicherheitsbedenken aber nur eine «ultima ratio». «Das gab es in der Schweiz bisher noch nie.» Explizit ausschliessen aber wollte er die Massnahme auch nicht.

Bei den Ausschreitungen, die am Sonntagnachmittag nach dem Abpfiff der Partie kurz vor 16 Uhr losgingen, wurden neun Polizistinnen und Polizisten der Basler und Baselbieter Kantonspolizeien verletzt. Drei wurden zur Behandlung ins Spital gebracht. Laut FCB wurde zudem eine Privatperson verletzt ins Spital gebracht.

Die Ausschreitungen dehnten sich von der so genannten Eventplattform auf dem Gelände des Stadions St. Jakobpark später auf den Parkplatz vor der St. Jakobshalle auf Baselbieter Kantonsgebiet aus.

Zwei Festnahmen

Auf der Plattform bewarfen die Randalierer Polizisten mit Steinen, Petarden, Flaschen und anderen Gegenständen, als die Beamten das Tor zum Eisenbahnperron sichern wollten. Reber sprach von "Kriminellen", nicht Fans. Zur Selbstverteidigung setzte die Polizei diverse Mittel ein. Zwei Personen wurden festgenommen.

Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte laufen. Der Sachschaden wird behördenseits auf rund 100'000 Franken geschätzt. Ein Baselbieter Polizeiauto wurde angezündet. Der FC Basel bedauert seiner Internetseite die Vorkommnisse. (dba/sda)