Zehn Jahre ist sie alt, die letzte grosse Erhebung, wie gesund sich die Bevölkerung fühlt und wie sie die medizinischen Angebote nutzt. Höchste Zeit für ein Update. Schliesslich liefern diese Statistiken mit die Grundlage für die Gesundheitsplanung der Region. Mehrere Kantone – darunter Baselland und Basel-Stadt – haben deshalb beim Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) eine Studie in Auftrag gegeben: den Gesundheitsreport 2014. Dieser basiert auf ausführlichen Bevölkerungsbefragungen von 2012. Gestern wurde er veröffentlicht. Die bz klärt die wichtigsten Fragen und zeigt, welche Schlüsse die beiden Basel daraus ziehen.

1. Hat sich die Gesundheit der Menschen grundsätzlich verbessert?

Geht es darum, wie gesund sich die Basler und die Baselbieter Bevölkerung nach eigener Einschätzung fühlt, so fällt der Zehnjahresvergleich unterschiedlich aus. Bei der Befragung 2002 gaben 85,4 Prozent der Baselbieter an, dass es ihnen gut bis sehr gut geht, 2012 sind es noch 81,1 Prozent. In Basel-Stadt stieg dagegen dieser Wert von 80,4 auf 82,4 Prozent. Die Basler stemmen sich dabei gegen den nationalen Trend, der im Durchschnitt von 85,8 auf 82,8 Prozent sank.

2. Wie verbreitet sind in der Region chronische Leiden?

Im Vergleich zum Schweizer Schnitt von 31,9 Prozent sind überdurchschnittlich viele Baselbieter (37,5 %) und Basler (36,9 %) von einem «lang andauernden Gesundheitsproblem» betroffen. Das bedeutet, sie leiden seit mindestens sechs Monaten an einer Beschwerde, die auch noch weitere sechs Monate andauern wird. Baselland liegt damit auf Rang 2 der 19 erfassten Kantone, Basel-Stadt auf Rang 3. «Das ist tatsächlich ein hoher Wert», sagt der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr auf Anfrage.

Er werde dies noch genauer untersuchen. Dabei nehmen die chronischen Beschwerden zu, je älter die Befragten waren. Da die beiden Basel zu den Kantonen mit der ältesten Bevölkerung gehören, erklärt das teilweise diesen negativen Spitzenplatz. Daraus schliesst sich auch, warum deutlich mehr Schweizer Bürger unter chronischen Problemen leiden (BL: 40,6 / BS: 41,3 / CH: 34,1 %) als Ausländer (BL: 24,8 / BS: 27,9 / CH: 24,4 %).

3. Welche starken Beschwerden sind die häufigsten?

Auch bei der Frage nach starken körperlichen Beschwerden antworteten mehr Basler (23,6 %) und Baselbieter (23,8 %) mit Ja als der nationale Durchschnitt (20,8 %). Analog zur Restschweiz leiden deutlich mehr Frauen darunter als Männer. Am häufigsten sind dabei Kreuz- und Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Kopfweh und Schlafstörungen sowie Schwächegefühle. Die grösste Differenz zum Schweizer Schnitt weist in Basel-Stadt die Kategorie allgemeine Schwäche und Müdigkeit auf (BS: 8,5 / BL: 6,6 / CH: 6,3 %). Auf dem Land sind es die Kopfschmerzen (BL: 7,5 / BS: 6,5 / CH: 5,2 %). «Warum bei uns Kopfweh obenaus schwingt, kann ich mir nicht erklären», gibt Schorr zu. Er stellt die Frage in den Raum, wie stark eine eher depressive Grundhaltung das Schmerzempfinden steigert.

4. Leiden Basler und Baselbieter stark unter psychischen Belastungen?

Der Report versteht unter «psychischen Belastungen» etwa Nervosität, Niedergeschlagenheit, Entmutigung oder Deprimiertheit. 17 Prozent der Baselbieter und 19,5 Prozent der Basler berichten von einer mittleren bis starken Ausprägung. Dies entspricht dem nationalen Durchschnitt (18 %). Dennoch hat das Basler Gesundheitsdepartement das Thema schon seit einiger Zeit zum Schwerpunkt erklärt. «Im Spätherbst erweitern wir unsere Präventionskampagne. Nach der Depression wollen wir die Bevölkerung für Psychosen sensibilisieren», sagt Kantonsarzt Thomas Steffen. Dabei wird man verstärkt versuchen, eng mit Fachleuten wie Ärzten und Apothekern zusammenzuarbeiten.

5. Wie nutzt die Bevölkerung die vorhandenen Gesundheitsleistungen?

Ungefähr jede fünfte Person (BL: 21,3 / BS: 21,1 / CH: 18,4 %) sucht pro Jahr sechs Mal oder öfter einen Arzt auf. Das sind im kantonalen Vergleich Rang 2 (BL) und 5 (BS). Auch bei der Nutzung von ambulanten Spitalbehandlungen liegen die beiden Basel mit den Rängen 7 (BL) und 6 (BS) im vorderen Mittelfeld. Eine Erklärung kann sein, dass die Region über ein sehr dichtes Ärztenetz verfügt (BS: Rang 1 / BL: Rang 3).

6. Werden die beiden Basel deswegen etwas unternehmen?

Diese Entwicklung gefällt den beiden Kantonsärzten nicht. Steffen kündigt an: «Wir werden ein Projekt starten, um die Bevölkerung zu sensibilisieren, wann sie wirklich einen Arzt oder ein Spital aufsuchen sollen.» Eine Arbeitsgruppe sei seit Kurzem aktiv. Steffen hofft, dass der Kanton daraus auch gesundheitspolitische Schlüsse ziehen kann – etwa, ob Angebots-Anpassungen bei den medizinischen Dienstleistungen nötig sind. Schorr dagegen verweist auf die bestehende Medizinische Notrufzentrale (MNZ), an die sich die Bevölkerung beider Basel wenden kann und die auch dazu beitragen soll, unnötige Spitalbesuche zu verhindern.

7. Welche Herausforderungen birgt die zunehmende Überalterung?

In beiden Kantonen leben überdurchschnittlich viele Menschen, die älter als 65 Jahre alt sind. Gemäss den Zahlen von 2012 liegt Basel-Stadt mit einem Anteil von 20,6 Prozent auf Rang 2, Baselland mit 20,4 Prozent auf Rang 3 (CH: 17,4 %). Dementsprechend hoch gewichten die beiden Kantonsärzte dieses Thema. Schorr bemängelt: «Leider mussten wir unser Programm ‹Gesundheitsförderung im Alter› aus Kostengründen einstellen.»

Die neuen Zahlen will Schorr als Argument nutzen, um einen Neustart zu beantragen. Dabei warnt er aber vor falschen Anreizen: «Es geht nicht nur darum, immer mehr Altersheimplätze zu bieten, sondern dafür zu sorgen, dass Betagte möglichst lange selbstständig bleiben können.» Hier müssten Kanton und Gemeinden aktiver werden. Hier setzt auch Steffen in der Stadt an: «Wir wollen unser Angebot ‹Café Bâlance› für Senioren ausbauen.» Dieses beinhaltet Rhythmik-Lektionen, um die Sturzgefahr im Alter zu senken. Und der Obsan-Report gibt ihm recht: In Basel-Stadt stürzten Senioren seltener als in Baselland oder schweizweit (BS: 21,6 / BL: 26,6 / CH: 25,2 %).

Die Gesundheitsreporte finden Sie unter: www.obsan.ch