Basel
Basler Rohstofffirma wollte im Kongo Gold finden

Am Hirschgässlein in Basel wird nach Gold geschürft. Zumindest theoretisch. Gemäss Handelsregister logiert dort die Moku Goldmines AG, welche die Erforschung und Erschliessung von Bodenschätzen zum Zweck hat.

Michael Heim
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Arbeiter in einer Goldmine (Symbolbild; Archiv)

Arbeiter in einer Goldmine (Symbolbild; Archiv)

Keystone

Die Gesellschaft ist in Deutschland börsenkotiert und dürfte zahlreiche Kleinaktionäre haben. Genaue Angaben fehlen, Fragen des «Sonntags» werden ignoriert. Auffällig: Das Aktienkapital ist in 110 Millionen Aktien gestückelt, die einen Nennwert von gerade zwei Rappen tragen. Man nennt solche auch Penny Stocks. Erster Verwaltungsrat wurde Peter Goeggel, Anwalt der Kanzlei Neovius. Sein Büro ist auch Domizilgeberin der Moku Goldmines. Unbekannt ist, ob die Firma Gewinn oder Verlust schreibt, denn einen Geschäftsbericht gibt sie nicht heraus. Wer sind die Hauptaktionäre? Kein Kommentar auch dazu.

Aus älteren Unterlagen geht hervor, dass grosse Pakete der Aktien ursprünglich über Firmen auf Karibikinseln wie den Britischen Jungferninseln oder den Caymans gezeichnet wurden. Anfang Jahr hat die Frankfurter Börse den Handel mit den Aktien abrupt gestoppt. Gegenüber dem «Sonntag» sagt Börsen-Sprecher Norman Günther, die Aktie sei «zum Schutze der Privatanleger» ausgesetzt worden, da ein «ordnungsgemässer transparenter Handel» nicht mehr gewährleistet schien.

Der Blick in die Kursstatistik zeigt: Nachdem die Aktie Ende 2008 kotiert worden war, stieg der Kurs bis Anfang 2011 auf 3.20 Euro an. Parallel dazu wurden immer wieder neue Aktien ausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Moku Goldmines an der Börse einen Wert von 700 Millionen Euro oder 844 Millionen Franken. Sie war damit wertvoller als etwa die Basler Versicherungsgesellschaft Nationale Suisse. Ab 2011 wurde zunehmend mit Moku-Aktien gehandelt und die Kurse sanken.

Juristisch liegt gegen die Firma nichts vor. Die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin sagt, es werde weder wegen Insiderhandels noch wegen Marktmanipulation ermittelt. Obwohl eine Schweizer Firma, wird Moku hierzulande nicht beaufsichtigt. Die Finanzmarktaufsicht Finma würde nur zuständig, wenn in der Schweiz neue Aktien öffentlich angeboten werden. Und so äussert sich Pressesprecherin Christina Bürgi nicht zu Moku. Sie verweist jedoch auf eine Broschüre, welche die Finma vor zwei Jahren herausgegeben hat. Darin warnt sie Anleger vor «bekannten Maschen».

Was die Finma beschrieb, klingt vertraut: «Es handelt sich um Gesellschaften, die angeblich in zurzeit besonders angesagten Bereichen wie dem Rohstoffsektor (Goldminen etc.) tätig sind.» Häufig würden deren Aktien vor allem bei deutschen Anlegern intensiv vermarktet, schrieb die Finma. «Nicht selten sind sie auch im Freiverkehr an deutschen Börsen gelistet, was fälschlicherweise von manchen Anlegern als vermeintliches Zeichen für die Seriosität der Gesellschaft interpretiert wird.» Die Firmen würden nie operativ tätig. Das Geld werde abgezogen, die Firmen liquidiert.

Moku Goldmines verwendet das Kapital offiziell für Bodenforschung in Afrika. Im Kongo hat sie nach eigenen Angaben zusammen mit dem kongolesischen Staat eine Tochtergesellschaft gegründet, die Schürfrechte für die Region Moku im Nordostkongo besitzt. Dies sei eine «High Risk Area», sagt Oliver Classen, von der Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern.

Moku Goldmines ist nicht die einzige Rohstoff-Firma von Peter Goeggel. Im Auftrag von Investoren hat er drei weitere Penny Stocks eingerichtet. Die Uranio AG, die Auris AG und die Copperbelt AG. Die Aktien von Uranio und Auris sind ebenfalls in Deutschland an der Börse kotiert. Jene der Copperbelt sollen gemäss Eigenangaben noch an die Börse gebracht werden. Bei Uranio sitzt Peter Goeggel nicht mehr im Verwaltungsrat; sie wurde vor einem Jahr von Basel nach Zug umgemeldet und diesen Mai liquidiert. Das Gericht stellte ein Konkursverfahren mangels Aktiven ein. Auch die Uranio hatte einen Kurssturz hinter sich. 2009 war die Bewertung bei kaum feststellbarem Handel auf 1.75 Euro angestiegen. Damit war die Firma theoretisch fast eine halbe Milliarde Franken wert.

Auch bei der Moku Goldmines gibt es Veränderungen. Dem Börsenprospekt zufolge lief vor einem Monat eine Garantie des früheren Geschäftsführers Klaus Eckhof aus, womit eine mögliche Überschuldung ausgeschlossen werden konnte. Eckhof hat die Firma inzwischen verlassen. Aussagen von Goeggel zufolge hat sich zudem das Aktionariat massgeblich verändert. Er selber sei inzwischen ebenfalls ausgeschieden. Als neuen Kontakt verweist er auf die Zürcher Treuhänderin Judith Hambuger von der Salix Services AG. Diese erklärt auf Fragen des «Sonntags», die Firma erfülle alle geforderten Offenlegungspflichten. Die Publikation eines Geschäftsberichts gehört offenbar nicht dazu.