Nähkästchen
Basler Sängerin Nubya hat Sehnsucht nach der Sonne: «Jetzt reicht es mit der Kälte»

Die Sängerin Nubya plaudert aus dem Nähkästchen. Und sagt, warum sie mehr Schweizerin als Nigerianerin ist.

Leif Simonsen
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Die Basler Sängerin Nubya zieht den Begriff «Fernweh» aus dem Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende».

Die Basler Sängerin Nubya zieht den Begriff «Fernweh» aus dem Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende».

Nicole Nars-Zimmer

Nubya, worüber sprechen wir?

Über Fernweh.

Draussen schneit es. Trifft das Fernweh Sie, die nigerianische Wurzeln haben, besonders stark?

Ja. Jetzt reicht es echt wirklich mit dieser Kälte. Normalerweise gehe ich über Weihnachten/Neujahr an die Sonne. Immer woanders hin. Ich war in Sansibar, in Mexiko, in Südafrika. Bedingung: Es müssen tagsüber 30 Grad sein und in der Nacht nicht weniger als 20. Mit der getankten Energie komme ich bis April oder Mai durch. In diesem Jahr habe ich das nicht gemacht. Daher kommt die Sehnsucht nach der Sonne bereits jetzt.

Schnee sagt Ihnen nichts?

Das ist schön in den Bergen und gut zum Skifahren. Aber in der Stadt brauchts ihn nicht.

Verspüren Sie Heimweh oder Fernweh, wenn Sie an Afrika denken?

Heimweh ist übertrieben, ich habe dort ja nur die ersten zwei Jahre meines Lebens verbracht. Aber jedes Mal, wenn ich nach Nigeria reise, ist es ein bisschen wie Heimkommen. Ich habe dort viele Halbgeschwister. Auf die freue ich mich jedes Mal wieder. Der Begriff Fernweh passt übrigens hervorragend zum Album, das ich demnächst herausgebe. Da kommen Gastmusiker aus der ganzen Welt vor, aus Minneapolis, aus Südafrika und natürlich aus Nigeria.

Könnten Sie sich vorstellen, in Nigeria zu leben?

Es ist ein total inspirierendes Land. In Nigeria herrscht eine wahnsinnige Energie. Aber man befindet sich täglich in einem Kampf, den Alltag, aber auch das Überleben zu sichern. Da gibt es an vielen Orten kein fliessendes Wasser. In der Bäckerei kostet das Brot nicht immer gleich viel und du musst feilschen. Wir in der Schweiz haben ein so einfaches Leben. Ich glaube nicht, dass ich für den Kampf gemacht wäre, der in Nigeria herrscht.

Würden Sie sich als waschechte Schweizerin bezeichnen?

Ja. Ich hab ja mal ein Jahr in New York gewohnt. Da haben alle gesagt: «You’re so Swiss.» Normalerweise denke ich gut über Entscheide nach, bevor ich sie fälle. Das ist wohl schweizerisch. Aber es kann auch alles ganz schnell gehen. Als ich beispielsweise in New York in der Jazzschule aufgenommen wurde, sass ich ein paar Tage später im Flugzeug. Ich hatte nicht mal eine Unterkunft. Ab und zu mache ich auch impulsiv Dinge.

Den Schweizern wird auch eine grosse Vorsicht nachgesagt. Steht diese unseren Musikern im Weg?

Vielleicht ist sie ein Hindernis für die, die es schaffen. Aber für die, die es nicht schaffen, ist sie möglicherweise ein Lebensretter. In Amerika geht man einfach aufs Ganze. Die denken nicht an die AHV. Da bleiben viele auf der Strecke. Aber wer den Durchbruch schaffen will, der muss von klein an auf eine Karte setzen.

Ihr Ex-Partner Hartmut Engler füllt mit seiner Band PUR Stadien. Würden Sie auch gerne vor so grossen Zuschauermengen singen?

Ich habe schon viele Gespräche über genau dieses Thema geführt, auch mit grossen Bands wie den Scorpions oder Manfred Mann’s. Ich selber träume nicht von Stadionkonzerten. Ich singe am liebsten vor 1000, 2000 Leuten. Das erhoffe ich mir auch von der Tour, die ich mit meinem neuen Album machen werde. Aber noch mehr als die Zuschauerzahlen bedeutet mir, dass ich auch im Ausland Konzerte machen kann; zum Beispiel in Nigeria. Womit wir wieder beim Fernweh wären. Es macht mir einfach Spass, mit Musik zu reisen und in unterschiedlichsten Ländern aufzutreten.

Ist man nicht irgendwann zu alt, aus dem Koffer zu leben?

Das habe ich nie gern für längere Zeit – aber phasenweise. Wenn ich zu lange zu Hause bin, dann freue ich mich aufs Kofferpacken. Das Schöne am Reisen ist für mich, neue Menschen kennenzulernen. Es scheint mein Lebensglück zu sein, dass ich immer spannende Leute treffe, egal wo ich hingehe. Das hängt sicher damit zusammen, dass ich viel alleine gereist bin. Da wird man eher angesprochen.

Sind Sie der Ansprechtyp oder werden Sie angesprochen?

(überlegt). Nein, also der Ansprechtyp bin ich nicht. Wenn, dann gehe ich zu jemandem hin, der bei einem Event alleine rumsteht. In Musikerkreisen ergeben sich aber automatisch sehr viele Gespräche und daraus Bekanntschaften. So richtig lässt sich da nicht sagen, wer den Anfang gemacht hat.

Sie sagen, Sie sind viel alleine gereist. Sind Sie gerne für sich?

Ja, ich liebe das. Ich bin auch mal für zehn Tage alleine verreist. Da hab ich beim Essenbestellen etwas gesagt, sonst den ganzen Tag nicht. Ich habe viel gelesen und stundenlange Strandspaziergänge gemacht. Ich würde mich selber auch als introvertiert bezeichnen. Ich habe mal gelesen, dass extrovertierte Leute die Energie aufnehmen, indem sie mit anderen Menschen zusammen sind. Bei introvertierten ist es anders. Die geben sie ab. Bei mir ist es auch so, dass mich das erschöpft. Bei den Konzerten ist es übrigens ähnlich: Ich bin am Tag danach ziemlich ausgepowert. Aber auf eine angenehme Art und Weise.