Das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD), dem die Rettungskräfte unterstehen, schreibt: «Wenn ein Notruf aus Frankreich bei der Sanität der Rettung Basel-Stadt zu einem Einsatz auf französischem Boden eingeht, leitet sie diesen an die offizielle Leitstelle in Frankreich weiter.»

Als ausländischer Rettungsdienst sei ihr untersagt, mit Sondersignal in Frankreich zu fahren. Anne Dussap, Projektleiterin bei Trisan, ein Interregprojekt, das die Kooperation im Gesundheitswesen am Oberrhein fördert, erklärt: «Die Rettungsdienste sind territorial gebunden und dürfen nicht über die Grenze, es sei denn eine spezifische Vereinbarung sieht dies vor.»

Eine derartige Vereinbarung für Notfälle bei Früh- und Neugeborenen besteht seit 2008 zwischen dem Universitäts-Kinderspital beider Basler (UKBB) und der Clinique des Trois Frontières in Saint-Louis. Aber auch hier gab es Probleme. Das JSD weiss von Einsätzen, bei denen es vorgekommen ist, «dass französische Polizisten einen Rettungswagen mit eingeschaltetem Sondersignal angehalten und kontrolliert haben.» Ähnliches passierte bei Repatriierungen vom Euro-Airport – bei Patienten, die von der Rega transportiert wurden.

Kinder bei Notfällen ins UKBB

Die Transporte von Neugeborenen sind nicht mehr aktuell, weil die elsässische Klinik 2016 ihre Geburtenabteilung geschlossen und nach Mulhouse verlegt hat. UKBB-Mediensprecherin Deborah Wallrabenstein sagt: «Obwohl der Vertrag noch besteht, erbringt das UKBB deshalb keine regelmässigen Leistungen mehr.» Ganz sei die Kooperation nicht vorbei. «Bei Notfällen ist weiter geplant, dass Kinder ins UKBB verlegt werden. Dabei übernimmt die Sanität Basel den Transport.»

Die französischen Rettungswagen dürfen laut JSD in die Schweiz einfahren. «Die Sanitätsnotrufzentrale beider Basel entscheidet über die Auswahl der Rettungsmittel und kann solche im Bedarfsfall auch aus Frankreich aufbieten. Dies ist jedoch äusserst selten der Fall.»

Obwohl Basel im Gesundheitswesen viel zu bieten hat, profitiert der französische Teil der trinationalen Agglomeration kaum davon. Peter Indra, Leiter Gesundheitsversorgung des Kantons Basel-Stadt, bringt es auf den Punkt. «Das Problem ist, dass die Kosten für Gesundheitsleistungen in der Schweiz um den Faktor drei bis vier höher sind als in Frankreich.»

Daran würde auch ein Rahmenabkommen über die Kooperation im Gesundheitswesen nichts ändern können, das derzeit zwischen der Schweiz und Frankreich verhandelt wird. Ursprünglich sollte es ab 2019 fertig sein. Indra mag nicht wirklich daran glauben. Die französische Seite wolle gleichzeitig strittige Finanzierungsfragen von Grenzgängern klären und das könne durchaus zusätzliche zwei Jahre kosten.

«Die Durchlässigkeit zwischen dem französischen und Schweizer Gesundheitssystem ist sehr schwierig», sagt Indra. Zudem schreibe der zentralistische französische Staat allen Regionen auch im Grenzraum vor, wie sie zu funktionieren hätten. Dass das Elsass in der Grossregion Grand Est aufgegangen sei, mache das Ganze nicht einfacher. «Die Direktion der Gesundheitsbehörde des Grand Est befindet sich in Nancy.»

Dass die Zusammenarbeit mit den Franzosen kompliziert ist, zeigt sich auch daran, dass die Elsässer bei den letzten beiden Veranstaltungen des trinationalen Districtsrats zu Gesundheitsfragen mit Abwesenheit geglänzt haben. Der Schweizer Vize-Präsident Heinrich Ueberwasser (SVP) kommentiert: «Die Kooperation und Kommunikation mit den Franzosen im Gesundheitswesen ist steinzeitlich.»

Derzeit liegen die Nerven im Elsässer Gesundheitswesen sowieso blank, weil halb Frankreich wegen der Geschichte um die 22-jährige Strassburgerin Naomi in Aufruhr geriet. Sie starb, weil das Notfallzentrum ihren Anruf nicht für voll nahm.

Anweisung zum Schweigen

Mehrere Tage bemühte sich die bz um ein Gespräch mit Loïc Navaill, der für das Notrufsystem Samu 68 im Südelsass zuständig ist. Das schliesslich doch vereinbarte Telefoninterview liess Navaill über sein Sekretariat platzen. Dort hiess es: «Herr Navaill wird Ihre Fragen nicht beantworten. Wir haben dahingehende Anweisungen erhalten.»

Die Grenze zwischen dem Elsass und Basel war bei Gesundheitsfragen nicht immer so dicht wie heute. Früher kamen Elsässerinnen zum Entbinden nach Basel und das Frauenspital war für junge Französinnen Ansprechpartner bei Verhütungs-Fragen.

Heute gibt es im Unispital Basel trotz der Schliessung der Geburtenabteilung in Saint-Louis nur eine oder zwei Geburten von Elsässerinnen im Jahr. Mediensprecher Martin Jordan führt dies vor allem darauf zurück, dass sich elsässische Grenzgängerinnen neuerdings bei einer französischen Krankenkasse versichern lassen müssen.

Peter Indra glaubt, dass Elsässer nur in wenigen Spezialfällen das Basler Gesundheitssystem in Anspruch nehmen. «Es handelt sich vor allem um Privatversicherte, Selbstzahler oder Grenzgänger, die in der Schweiz versichert sind.» 2017 gab es laut Jordan 566 Patienten aus Frankreich, die sich stationär im Unispital behandeln liessen.

Auch die Präsenz der Rega im Elsass hat abgenommen. Seit Ende 1996 hat sie von ihrer Basis auf dem Euro-Airport zeitweise über 100 Flüge im Jahr im nahen Frankreich gemacht. Seit das Krankenhaus Mulhouse und der Rettungsdienst Samu 68 2011 einen eigenen Rettungshelikopter angeschafft haben, ist das vorbei. Rega-Mediensprecher Adrian Schindler schreibt: «Mittlerweile fliegen die Rettungshelikopter der Rega nur noch vereinzelt Einsätze im Elsass. Die Leitstellen im Elsass können die Rega aber jederzeit aufbieten, wenn sie gebraucht wird.»

Hoffnung gibt es für die Sanität: Das erwähnte Abkommen soll einen rechtlichen Rahmen für ihren grenzüberschreitenden Einsatz schaffen.