Im Prozess um die Zerstörungen vom Juni 2016 hatten am Donnerstag im Basler Strafgericht die Staatsanwälte das Wort: Sie sehen für alle 18 Angeklagten nicht nur eine klare Beteiligung an den Basler Ausschreitungen, sondern auch eine gemeinsame Planung und Organisation.

Das Motto der Anklage: Mitgegangen, mitgehangen. Wegen Landfriedensbruchs, der Sachbeschädigungen und der Angriffe auf Polizisten hält die Staatsanwaltschaft generell eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten für angemessen.

Einschlägige Vorstrafen erhöhten bei manchen Personen den Strafantrag massiv und müssen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zu einer unbedingten Freiheitsstrafe führen. Einige der Angeklagten waren zum Zeitpunkt der Tat erst knapp über 18 Jahre alt, hier waren die Anträge milder.

Konkret forderte Staatsanwalt Flavio Noto für einen 29-jährigen Mann aus den Niederlanden eine unbedingte Freiheitsstrafe von 38 Monaten. Ihm wird zusätzlich vorgeworfen, bei Ausschreitungen in Zürich im Dezember 2014 dabeigewesen zu sein, dort wurde auch eine brennende Fackel in ein fahrendes Polizeiauto geworfen.

Der Sachschaden betrug über eine Million Franken. "Das waren Aktionen mit paramilitärischem Charakter, asozial und kriminell", sagte Staatsanwalt Camilo Cabrera dazu.

Für weitere acht Beteiligte am Basler Saubannerzug beantragten die Staatsanwälte unbedingte Freiheitsstrafen zwischen 17 und 27 Monaten. Drei weitere Beteiligte sollen teilbedingte Freiheitsstrafen zwischen 25 und 27 Monaten erhalten, davon müssten sie einen Teil absitzen. Für die restlichen sechs Angeklagten seien bedingte Freiheitsstrafen zwischen 22 und 24 Monaten ausreichend, es handelt sich dabei hauptsächlich um jüngere und bislang nicht vorbestrafte Personen.

Staatsanwalt Flavio Noto ging mit den Angeklagten generell hart ins Gericht: Es handle sich hier nicht um eine Demonstration, die ausgeartet ist. "Wir haben es hier mit direktvorsätzlichen Vandalenakten zu tun. Die politische Aussage war eine reine Maskerade", sagte Noto. Sein Kollege Philip Schotland hatte sich zuvor zur Beweissituation geäussert: Die Angeklagten seien mit Arbeitshandschuhen und Sicherheitskleidung ausgerüstet gewesen und Teil der Hausbesetzer- oder Sprayerszene. Als er bei einem Angeklagten erklärte, die Tags der Sprayer hätten die Markierung des eigenen Territoriums zum Ziel und die Strassen sollten zurückerobert werden, brach im Publikum Heiterkeit aus.

Der grosse Medienrummel hat sich am zweiten Verhandlungstag gelegt, doch verfolgen noch immer rund 20 Sympathisanten den Prozess und machten sich insbesondere bei der Beweiswürdigung eifrig Notizen. Bei der Hausdurchsuchung einer angeklagten Frau fand die Staatsanwaltschaft auch ein juristisches Fachbuch zur Teilnahme- und Vorsatzproblematik bei Gewaltdelikten, was nun als Indiz gegen sie verwendet wird. Aus dies führte im Zuschauerraum für Gelächter.

Mehrere Verteidiger haben bereits angedeutet, dass sie die Beweisführung der Staatsanwaltschaft in der Luft zerreissen werden. Diese Plädoyers folgen in den kommenden Tagen, das Urteilsdatum steht noch nicht fest.