Haute Couture

Basler Schneiderin: «Mode ist, was der Kundin gefällt»

Brigitte Ditzler in ihrem Haute-Couture-Geschäft in der Spalenvorstadt.

Brigitte Ditzler in ihrem Haute-Couture-Geschäft in der Spalenvorstadt.

Die Schneiderin Brigitte Ditzler über ihr Geschäft in der Basler Spalenvorstadt, Modetrends und die Zukunft der Schneiderkunst. «Wir sprechen hier von einem Nischenberuf. Irgendwann wird wohl auch dieser untergehen.»

Das Schaufenster in der Spalenvorstadt lockt mit hellen Farben und Mustern. Momentan stehen drei Puppen darin, allesamt tragen sie gepunktete Kleidung. Eine Kundin betritt den Laden, sie interessiert sich für die ausgestellte Ware. «Das sind Ausstellungsstücke, wir fertigen alles nach Mass an», erklärt Brigitte Ditzler, Geschäftsführerin «Haute Couture Brigitte Ditzler», der Kundin. Bereits seit 30 Jahren führt sie ihr Nähatelier. Viele Kunden würden durch das Schaufenster auf das Geschäft aufmerksam, meint sie. «Ich bekomme viele Komplimente, weil ich die Dekoration laufend anpasse. Zurzeit habe ich ein Art-Fenster», sagt Ditzler. Doch nicht nur die Art, auch die Nähe zum Spalentor trage dazu bei, dass sich einige Touristen in ihrem Laden verirren.

Doch da sind dann eben «nur» die Ausstellungsstücke und Stoffmuster zu sehen. Aus diesem Grund kommen die Leute für gewöhnlich auf Vereinbarung. Nachdem diese ihre Wünsche geäussert haben und ein passender Stoff ausgewählt ist, fertigt Ditzler ein Schnittmuster an. «Je nach Kleidungsstück folgen ein bis zwei Anproben und die dazugehörigen Anpassungen.»

Bewährtes Konzept

In diesem Vorgehen sieht die Geschäftsführerin auch ihren beständigen Erfolg begründet: «Beim mir ist der Kunde halt wirklich noch der König». Die persönliche Kundenberatung und das Eingehen auf individuelle Wünsche, vor allem aber die Qualität der Stücke werde sehr geschätzt. «Die hohe Schneiderkunst ist nach wie vor sehr beliebt, daran wird sich auch in naher Zukunft nichts ändern», meint Ditzler. Dennoch müsse sich auch dieses Handwerk in irgendeiner Weise anpassen. «Wir sprechen hier nicht desto trotz von einen Nischenberuf. Irgendwann wird wohl auch dieser untergehen.»

Die gelernte Schneiderin hat mittlerweile zwei Mitarbeiter und eine Lehrtochter, die sie beim Nähen unterstützen. Selber nähe sie nicht mehr ganz so viel, erklärt Ditzler. Zuständig ist sie für das Entwerfen und Zeichnen der Schnittmuster, die Kundenberatung und das Bügeln. «Das Bügeln übernehme ich immer selbst. Das ist eine Eigenheit von mir, die mir sehr wichtig ist», meint sie schmunzelnd. Während viele das lästige Bügeln eher meiden, sieht sie es als zusätzlichen Ausdruck von Kreativität.

Der feminine Stil kehrt zurück

Auch nach 30 Jahren finde sie noch immer genügend Inspiration, vor allem in den verschiedenen Stoffen. Ins Auge fallen die farbigen und wild gemusterten Exemplare, die auf der Theke ausgestellt sind. «Knallige Farben mag ich sehr gerne. Auch sie können zeitlos sein. Bei Couture sind immer alle Farben aktuell», meint sie. Denn: Modisch sei bei ihr ganz einfach das, was dem Kunden gefällt. Da verwundert die Wahl eines Klassikers zum Lieblingskleidungsstück ein wenig: «Jede Frau sollte ein kleines Schwarzes im Schrank hängen haben, mein absoluter Favorit», sagt sie. Auf die vergangenen 30 Jahre zurückblickend, kann Brigitte Ditzler einen leichten Trend feststellen: «Die Mode wird wieder femininer als auch schon. Eine Zeit lang waren vor allem Hosen gross im Rennen, nun werden wieder mehr Details und Verspieltes verlangt.»

Auch sie trägt mit Vorliebe ein selbst gestaltetes und angefertigtes Kleid, passenden Schmuck und schöne Schuhe. Mit einer Ausnahme: «Samstags bin ich in Jeans und Turnschuhen unterwegs». Da komme es auch vor, dass sie von Leuten angesprochen werde, etwa mit dem Satz: «Frau Ditzler, sind Sie heute in Zivil unterwegs?»

Meistgesehen

Artboard 1