Primarschule

Basler Schulen kritisieren Leistungschecks schon länger: Corona löst nun erneut Diskussionen aus

Primarschullehrpersonen an das Erziehungsdepartement: «Der vorgesehene Check wird nicht valide, weil er nicht misst, was er messen soll und somit fragwürdige Ergebnisse liefert.» (Symbolbild)

Primarschullehrpersonen an das Erziehungsdepartement: «Der vorgesehene Check wird nicht valide, weil er nicht misst, was er messen soll und somit fragwürdige Ergebnisse liefert.» (Symbolbild)

Wegen Corona finden die Erhebungen in Primarschulen später als geplant statt. Nun fordern Lehrpersonen die Absage der Checks.

«Was kann ich? Wo stehe ich? Welche Lernschritte folgen als Nächstes?» Diese Fragen werden in den Leistungschecks zur Standortbestimmung am Anfang der 3. Klasse und zum Ende der 5. Klasse in der Primarschule gestellt. Diese Checks P3 und P5, die in der gesamten Nordwestschweiz zum Schulsystem gehören, werden seit Jahren von Basler Lehrpersonen kritisiert. Wegen des Coronavirus flammt der Streit nun erneut auf.

Im März 2017 verabschiedete die Gesamtkonferenz der Basler Lehrpersonen die Resolution zur «kompletten Abschaffung der vierkantonalen Leistungschecks». Eine klare Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen. Dabei ging es einerseits um die Checks während der Primarschulzeit, anderseits aber auch um die beiden Tests in der Sekundarstufe. Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer reagierte und strich vorerst den Check in der 3. Oberstufe. Gleichzeitig wurde der zweite Test in der Primarstufe von der 6. in die 5. Klasse verschoben.

23 Primarschulen sind gegen die Tests

Das Coronavirus macht dieser Neuplanung jedoch im laufenden Jahr einen Strich durch die Rechnung. Der Check muss nun in den ersten Wochen nach den Sommerferien stattfinden. In einem Brief an den damaligen Volksschulleiter Dieter Baur machten die Lehrpersonen ihrem Ärger Luft. 23 von insgesamt 30 basel-städtischen Primarschulen unterzeichneten das Schreiben, welches dieser Zeitung vorliegt. Man sei «irritiert», dass der Leistungscheck verschoben wurde. «Damit sind wir nicht einverstanden», schreiben die Lehrerinnen und Lehrer. Durch den Lockdown hätten sie neue Wege finden müssen, um den Unterricht möglich zu machen. Der vorgesehene Check werde darum nicht valide ausfallen, «weil er nicht das misst, was er messen soll». Eine Leistungserhebung direkt nach der anders organisierten Coronazeit würde niemandem dienen. Die wirkliche Leistung der Schülerinnen und Schüler könne damit nicht gezeigt werden, vielmehr werde unnötiger Druck auf die Schulklassen ausgeübt.

Gerade da sich alle in einer Sondersituation befinden, erwarten die Primarschullehrpersonen auch vonseiten des Erziehungsdepartements mehr Flexibilität, «sprich kein Beharren auf Durchführung der Checks». Bei den Maturaprüfungen war diese möglich: Sie wurden ersatzlos gestrichen.

Vorstoss fordert Regierung zur Überprüfung auf

Den Vergleich mit den Gymnasien weist das Basler Erziehungsdepartement zurück. Es gehe bei den Leistungschecks nicht um eine Prüfung, sondern man möchte jetzt nach dem Lockdown wissen, wo die einzelnen Schüler und Schülerinnen stehen. «Wir halten sie für ein nützliches Instrument, um die komplexen Herausforderungen hinsichtlich Differenzierung im Unterricht auch mit einer anderen, externen Perspektive angehen zu können», sagt Sprecher Simon Thiriet auf Anfrage. Die Erhebungen würden dabei keineswegs den Zugang zu weiterführenden Schulen verhindern oder ermöglichen.

Beatrice Messerli hat als Grossrätin des Grünen Bündnisses einen Vorstoss zur Situation in den Primarschulen eingereicht. Sie will von der Basler Regierung wissen, was mit diesen Erhebungen erreicht werden soll und wem die Ergebnisse daraus dienen sollen. «Viele Lehrerinnen und Lehrer sehen die Checks nicht als Förderungsinstrument», so Messerli. Bevor also der Schulalltag in der sowieso schwierigen Coronazeit nun zusätzlich durch die Tests belastet wird, soll deren Sinnhaftigkeit geklärt werden. Eine Motion zur Resolution der Basler Lehrpersonen wird demnächst im Grossen Rat behandelt.

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