Stadt versus Land

Basler Schulen müssen jetzt ganz stark sein – oder etwa nicht?

Im Herzen der Grünen-Unabhängigen: Landrat Jürg Wiedemann, Geschäftsführerin Saskia Olsson und Mitarbeiterin Alina Isler, die für das Komitee Starke Schule Baselland tätig ist.

Im Herzen der Grünen-Unabhängigen: Landrat Jürg Wiedemann, Geschäftsführerin Saskia Olsson und Mitarbeiterin Alina Isler, die für das Komitee Starke Schule Baselland tätig ist.

Starke Schule Baselland expandiert gen Basel-Stadt: Wie das Komitee vergangene Woche mitteilte, nennt es sich nun Starke Schule beider Basel, eine erste Initiative ist in Vorbereitung. Doch wie denkt man in den beiden Basel über diese Bildungs-Fusion?

Dieser geschenkte Gaul stinkt aus dem Maul

Dass das Baselbiet der Stadt einen Ableger des Komitees Starke Schule schenkt, ist ein eigentlicher Affront.

Das Baselbiet hätte so viel, was es uns Städtern geben könnte. Was es mit uns teilen könnte. Uns eventuell gar schenken könnte. Da wäre zum einen das Geld, das man jenseits der Birs gerne bei sich behält und in automobilfreundlichen Asphalt investiert, anstatt die Stadt für ihre Zentrumsleistungen zu entlohnen. Da sind die feinen Chirsi, die dem Städter schmecken, notfalls auch als Kirsch. Da sind die Landschaften, in denen wir uns erholen. Die Menschen, die das Land in die blühenden Gewerbegebiete der Stadt entsendet, wo sie für unseren Aufschwung krampfen. Ganz zu schweigen von den feinen Rahmdääfeli, den herrlichen Würsten aus Arlesheim – oder meinetwegen auch das, was man im Landkanton für Wein hält. All das und mehr hätten wir mit Handkuss genommen.

Doch wenn es irgendetwas gibt, was wir nicht brauchen, liebe Landschäftler, dann sind das Triebe von eurem munter spriessenden Hochstammbaum der politischen Fehlentwicklungen. Dass euer Ex-Grüner Jürg Wiedemann jetzt auch uns mit seiner «Starken Schule» beglücken will, das legt sich um unsere Kehlen wie ein schlecht sitzender Seidenbändel. Dass der Mathematikpauker aus Blätzbums in Basel einen Lehrer gefunden hat, der mit ihm zusammen die erziehungspolitische Uhr auf kurz vor der Gründung der ersten Keltensiedlung zurückdrehen will, das schmerzt.

Da ist es ein kleiner Trost, dass Wiedemanns «Basler» Statthalter René Roca im tiefsten Aargau zu Hause ist und darum an der Urne nur wenig Einfluss auf die städtische Bildungspolitik haben dürfte. Auch aus dem Aargau hätten wir lieber was anderes übernommen. Vielleicht ein paar Riebli. Aus denen könnte man wenigstens eine Rieblitorte backen. Und darauf eine Zuckerglasur mit Baselbieter Kirsch giessen. Aber vielleicht wäre das ja für den Wiedemann und seinen städtischen Adlaten bereits zu viel der regionalen Harmonisierung gewesen.

Wiedemann und seine Brandstifter ziehen stadtwärts

Baselbieter können endlich wieder ruhig schlafen, denn die Starke Schule feuert vorläufig in Richtung Stadt.

Was Max Frischs Biedermann sich dachte, als die Brandstifter an seiner Tür klingelten, muss wohl auch Monica Gschwind durch den Kopf gegangen sein, als sie bei den Regierungsratswahlen 2015 die Unterstützung des Komitees Starke Schule Baselland annahm. «Man soll nicht immer gleich das Schlimmste annehmen, und warum soll der gerade ein Brandstifter sein!» Die Brandstifter schleppten Benzinfässer und Holzwolle in Biedermanns Estrich, das Komitee um Jürg Wiedemann verfasste eine Initiative nach der anderen – und noch immer wollte Gschwind ihren guten Menschenglauben nicht aufgeben.

Doch anders als in Frischs Bühnenstück nimmt unsere Geschichte eine überraschende Wendung: Die Brandstifter entdecken das Nachbarhaus und nennen sich ab sofort Starke Schule beider Basel! Das Material von nebenan scheint zwar etwas brandfester, da Feuerwehr-Eymann bei seiner Mannschaft den Rettungsplan 21 bisher eher entspannt durchsetzen konnte. Aber welch magisches Inferno, wenn man nebst Uni-Zündstoff noch ein paar Lernlandminen verlegt!

Die Villa Gschwind hat vorerst jedenfalls genug gezittert. Wir sind froh, dass jetzt endlich etwas Ruhe einkehrt. Ein glückliches Ende für das Baselbiet, da der Unruhestifter freiwillig weiterzieht. Herzlichen Dank an Deus ex Machina Conradin Cramer, der Frau Marschhalt wohl oder übel aus ihrer Misere erlösen wird, ganz nach dem Motto: geteilte Nervensäge ist halbe Nervensäge. Ein Hoch auf die gute bikantonale Zusammenarbeit der beiden Halbkantone, wir spitzen in der Zwischenzeit schon mal die Grillspiesschen zum nachbarschaftlichen Barbecue! Wappnet euch mit einer Portion Misstrauen, liebe Städter, wenn das Komitee mit neuen Initiativen droht, denn der geübte Brandstifter weiss: «Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.»

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