Der Brienzer ist die Waffe der Wahl für den körperlich eigentlich unterlegenen Schwinger. Dazu greift er seinen Gegner über die Schulter hinten am Gurt und hängt mit dem Bein ein. Er fasst den Oberarm seines Widersachers, hebt das Bein und lässt den Gegner mit einer Drehung über sich fallen. Heiri Liechti muss seine Gegner hundertfach auf diese Weise ins Sägmehl befördert haben. Der Kampfgeist ist dem 77-jährigen geblieben, sein grösster Gegner ist heute die Basler Verwaltung.

Seit mehr als hundert Jahren gibt es den Basler Schwingerverband. Liechti ist Ehrenpräsident. Sein Ziel und seine Hauptaufgabe ist es, ein ordentliches Übungslokal für den Verein bereitzustellen. Über 500 Mitglieder zählt dieser, wenn auch nur ein Bruchteil davon aktiv schwingen. Lange Jahre stand der Basler Schwingkeller im Ausbildungszentrum der Basler Polizei. Dort mussten die «Bösen» aber ausziehen, eine Sanierung stand an. Ohnehin war jener Ort ungünstig. Der Zugang war nur mit einem Code möglich, den eigentlich lediglich Polizeibeamte kennen dürften. Besuche von Eltern, die ihren Kindern beim Trainieren zusehen wollten, waren schwierig. Rund ein Jahr lang trainierten die Schwinger im Baselbieter Exil, bis der damalige Regierungsrat Christoph Eymann und Sportamt-Chef Peter Howald im Vogelsang-Schulhaus eine Alternative ermöglichten.

Für 800'000 Franken entstand ein Trainingsraum mit fast perfekten Bedingungen. Davon zahlte der Verband selber 150'000, den Rest steuerte die Verwaltung und der Swisslos-Fonds bei. Die Sägemehlgrube verbreitet einen urchigen Geruch, der zu den Treicheln in der Vitrine und den Holzbänken passt. Im Januar 2018 zogen die Schwinger in ihr neues Heim – doch jetzt soll damit fürs erste schon wieder Schluss sein. Seit dieser Woche kann der Verein seine Räumlichkeiten nicht mehr betreten. Das Gebäude wird mit Herbstferienbeginn grundsaniert, betroffen sind auch die Schwinger. Das erzürnt Liechti, den die bz in «seinem» Keller trifft. So sehr, dass er auch den zufällig auftauchenden Architekt der Sanierung anschnauzt.

«Uns wurde versprochen, dass wir während der Sanierung bleiben dürfen», sagt Liechti, und stützt sich auf ein Sitzungsprotokoll vom 6. April 2017. Aus diesem geht hervor, dass während des Umbaus «eventuell mit Behinderungen und Einschränkungen zu rechnen ist». Sowohl Projektleitung als auch Schwinger und Hochbauamt kamen zum Schluss, dass «dies kein Problem für die Schwinger sein wird.» Ausserdem würde der Schwingkeller nur abends genutzt. Dabei muss das Missverständnis entstanden sein.

Das «Kein-Problem»

Das Sportamt legte «kein Problem» so aus, wie aus einem Mail zwei Monate vor Einzug an die Schwinger hervorgeht: «Sie werden – wie vorangekündigt – ab den Sommerferien 2018 bis ca. Frühling/Sommer 2019 nicht im Vogelsang trainieren können». Im Februar 2018 bat das Erziehungsdepartement zu einer weiteren Sitzung. Da stand zu Protokoll, Immobilien Basel-Stadt halte «nochmals explizit» fest, dass während der Sanierung keine Nutzung des Vogelsang möglich sei. Der Schwingverband wie auch ein Tischtennisclub «werden gebeten, die Räumlichkeiten rechtzeitig vor Baubeginn zu leeren». Liechti hingegen hatte «kein Problem» so gedeutet, dass der Zutritt zum Trainingslokal immer möglich sei.

Inzwischen droht ein Gestellter zwischen Schwingern und Kanton. Liechti will das Angebot des Kantons für ein Ausweichlokal nicht annehmen. Er kennt es bereits gut: Es ist das alte, von der Verwaltung unberührte Lokal im Keller der Polizei, das er einst wegen einer drohenden Sanierung verlassen musste. Inzwischen sei dort aber das Sägemehl zu Staub zerfallen, weil es nicht behandelt wurde. Das ED will beim Auffüllen behilflich sein, hiess es nach Anfrage der bz.