Papstbesuch
Basler Schwule wollen Papstbesuch verhindern

Basels Bischof Felix Gmür wird in den nächsten Tagen bereits den zweiten Brief seit seinem Amtsantritt bekommen, dessen Inhalt keine Freude bei ihm auslösen wird. Die Homosexuelle Arbeitsgruppe Basel (Habs) will den Papstbesuch verhindern.

Boris Burkhardt
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Provokation mit Hintergedanke: das Kondom auf dem Freiburger Münster. Michael Bamberger

Provokation mit Hintergedanke: das Kondom auf dem Freiburger Münster. Michael Bamberger

bz Basellandschaftliche Zeitung

Nach der Initiative beider Basler Landeskirchen gegen das Zölibat und für die Priesterinnenweihe wollen nun auch die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (Habs) Antworten vom höchsten Kirchenvertreter der Nordwestschweiz.

«Zutiefst anti-aufklärerische Politik»

Die Habs möchten in erster Linie wissen, ob das Bistum Basel ideeller Handlanger der «menschenverachteten Sexualmoral des Papstes» ist oder ob es sich im Rahmen der Ökumene gegen eine solche Moral wehrt, verrät Habs-Sprecher Axel Schubert. Im Zusammenhang steht diese Frage mit dem Papstbesuch in Freiburg im Breisgau am 25. September. Die Habs ist Mitglied des Aktionbündnisses «Freiburg ohne Papst».

Den Habs liegt naturgemäss vor allem die diskriminierende Haltung des Papstes und der römisch-katholischen Kirche gegenüber Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Trans-Personen und Intersexuellen am Herzen. Für Schubert gilt: «Immer und überall, wo die katholische Kirche ist, da ist auch der Papst.» Deshalb möchte er auch von Bischof Gmür eine Stellungnahme zur päpstlichen Lehre, denn, so die Vorwürfe des Habs: «Die katholische Kirche betreibt eine zutiefst anti-aufklärerische Politik. Sie verbreitet eine homophob-bürgerliche Sexualmoral, unterfüttert diese moralisch und trägt sie ideell immer wieder in die Gesellschaft.»

Bereits im gültigen Weltkatechismus von 1993 sei festgelegt worden, dass «tiefsitzende homosexuelle Tendenzen» als «objektiv ungeordnet» zu verstehen seien. Homosexuelle Handlungen seien eine «schwere Sünde». Was mit «objektiv ungeordnet» genau gemeint ist, weiss Schubert nicht: «Beide Wörter diskreditieren jedenfalls nicht-heterosexuelle Lebensweisen, setzen sie moralisch herab und können den Betroffenen Schmerzen bereiten.» Immer noch sei die Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen ungleich grösser als unter heterosexuellen Altersgenossen. Aktuell beunruhigt Schubert besonders, dass der Vatikan im Iran mit der Islamic Culture and Relations Organisation an einem Tisch sitzt, um über «moralische Werte» zu diskutieren. Wenn der Vatikan dabei seine eigenen reaktionären Positionen vertrete, sei dies fatal in einem Land, in dem auf Homosexualität die Todesstrafe stehe.

Schuberts Kampf gegen Homophobie nimmt vor allem die katholische Kirche ins Visier, weil der Papst als moralische Instanz mit seinen Aussagen «Weltgeltung» beanspruche. Der Klerus trage diese Aussagen in die Breite. Die Habs wollen ihre Kritik deshalb nicht an der Person des Papstes festmachen; und die Mitglieder der Habs werden aus Zeitgründen vermutlich auch gar nicht vor Ort sein, wenn der Papst kommt.

Eintrag ins Goldene Buch

Im Rahmen des Bündnisses «Freiburg ohne Papst» fordern die Habs aber von der Stadt Freiburg, dass sich der Papst nicht ins Goldene Buch einträgt. Walter Preker, Sprecher von Freiburgs grünem Oberbürgermeister Dieter Salomon, kann dieses Anliegen nachvollziehen: «Ich selbst bin Katholik und nicht mit allem einverstanden, was der Papst sagt.» Es wäre aber ein Unding, einem offiziellen Staatsgast den Eintrag ins Goldene Buch zu verweigern, unabhängig von unterschiedlichen Meinungen. «Wir müssen dem Papst zugestehen, was ihm rein protokollarisch zusteht. Wir machen keinen Gesinnungs-TÜV für Staatsgäste», sagt Preker in Anspielung auf den deutschen Technischen Überprüfungs-Verein.

Das Büro des Basler Bistums konnte gestern aus Zeitgründen keine Stellungnahme mehr abgeben.