Abfallregelung

Basler Senioren wollen ihren Abfall nicht zum Müllcontainer tragen

In der Erlenmatt-Überbauung stehen sie bereits: Die unterirdisch angelegten Container.

In der Erlenmatt-Überbauung stehen sie bereits: Die unterirdisch angelegten Container.

Basler Altersorganisationen kritisieren die geplanten Unterflurcontainer – in anderen Städten, wie beispielsweise Chur, kommen alte Menschen gut damit klar. Doch die Distanz von maximal 100 Metern bis zum nächsten Container ist ihnen zu weit.

«Wir wollen dieses Container-Konzept so nicht! Es erschwert uns das Leben!» Mit dieser Parole wehren sich sämtliche Altersorganisationen des Kantons Basel-Stadt geschlossen gegen das neue Abfallkonzept. Die Kritik am «Massnahmepaket für eine verbesserte Sauberkeit und zur Abfallvermeidung in Basel» weitet sich damit aus. Zu reden geben vor allem die geplanten 660 Container, die über die ganze Stadt verteilt, unterirdisch angelegt werden sollen.

Künftig müssen alle Stadtbewohner ihren Abfallsack zum nächsten Container tragen, anstatt ihn einfach vor das Haus zu stellen. Die Distanz von einem Haushalt zum nächsten Unterflurcontainer würde maximal hundert Meter betragen. Einzelne Exponenten von Seniorenorganisationen haben sich bereits beschwert, dass es nicht allen Menschen möglich ist, ihren Abfallsack hundert Meter weit zu tragen.

Dialog mit Senioren nicht gesucht

Dieser Meinung schliessen sich nun die Altersorganisationen offiziell an. Am Montagabend fand die Delegiertenversammlung der Seniorenkonferenz 55+ statt. Sie ist Dachorganisation der acht wichtigsten Altersorganisationen in der Region Basel. Ihr Präsident, Markus Benz, sagt: «Wir haben das neue Abfall-Konzept an der Delegiertenversammlung vielseitig diskutiert.»

Zuletzt haben die rund 40 Delegierten und Vorstände der Medienmitteilung einstimmig zugestimmt. Darin steht unter anderem: «Geradezu arrogant scheint uns das Befürworter-Argument, dass wer seinen Einkauf selbst tätigen kann, fähig sei auch den Abfall zu entsorgen.» Das bisherige Abfallkonzept habe bestens funktioniert. Benz sagt, er fände es zudem enttäuschend, dass die Senioren nie zu einem Dialog eingeladen wurden. Denn das sei ihnen von dem damaligen Leiter der Basler Stadtreinigung versprochen worden, als vor vier Jahren die Idee eines flächendeckenden Containersystems aufkam.

Basel ist nicht die einzige Stadt mit diesem Abfallkonzept. In Zürich stehen seit 2010 auf bei jeder Liegenschaft mit Wohnungen Rollcontainer zur Entsorgung. Nur an einigen Stellen in der Innenstadt und zum Teil auch in grösseren Liegenschaften gibt es Unterflurcontainer, 75 auf öffentlichem Grund und 155 auf privatem Grund. Mediensprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich, Leta Filli, sagt: «Die Stadtbevölkerung ist froh über die 24-Stunden-Entsorgung dank den Containern und über die verbesserte Sauberkeit in den Strassen. Kritische Stimmen von Seniorinnen und Senioren gab es bei der Einführung keine, denn der Weg zum Trottoir oder zum Rollcontainer ist – wenn überhaupt – nur minim länger.»

In Zug sind rund 40 Anlagen für Unterflurcontainer in Betrieb. «Vor der Einführung haben wir die Bevölkerung an Anlässen sensibilisiert und so Ängste und Befürchtungen gemildert», sagt André Wicki, Vorsteher des Baudepartements Zug. Die grösste Herausforderung sei jeweils die Wahl eines geeigneten Standortes, wobei man die Nachbarschaft in den Prozess einbeziehe. «Wir haben, auch von älteren Menschen, keine Reklamationen bekommen. Vielleicht weichen diese auf kleinere Abfallsäcke aus», so Wicki.

In Chur ebenfalls flächendeckend

Im Unterschied zu Zürich und Zug soll die neue Abfallentsorgung in Basel flächendeckend eingeführt werden. Geplant ist, das Containersystem in den nächsten fünf bis zehn Jahren für 26,5 Millionen Franken zu realisieren. In Chur gibt es ähnliche Container bereits seit 1995. Bis Ende Jahr soll das Abfallsystem auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden. Die Churer Bewohner müssen dann ihre Abfallsäcke nicht nur hundert Meter, sondern maximal sogar zweihundert Meter weit tragen.

Und trotzdem: Offenbar gibt es keine kritische Stimmen zum Konzept. Claudio Senn ist der Geschäftsführer der Pro Senectute Graubünden. Er habe noch nie gehört, dass ältere Menschen ein Problem mit dem Container-Konzept haben. Er wohne selbst in einem Churer-Quartier mit einigen älteren Personen in der Nachbarschaft. «Können sie den Abfallsack nicht tragen, laden sie ihn auf ein Wägeli, dass sie zum Container stossen.» Selbstverständlich würde er bei Bedarf auch helfen, sagt Senn.

Markus Benz, selbst 76 Jahre alt, sagt: «Ich traue mir schon zu, den Abfallsack hundert Meter weit zu tragen, auch wenn ich dabei fluchen würde.» Aber jetzt, da das neue Abfallkonzept noch zur Diskussion stehe, sei es der Seniorenkonferenz 55+ wichtig gewesen, sichtbar nach aussen zu treten.

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