Schiessen
Basler sind Schiesssport-Muffel - Schützenvereine kämpfen um ihr Image

Nicht einmal ein Prozent der Baslerinnen und Basler beteiligt sich am grössten Sportanlass der Schweiz: am Feldschiessen. Die Schützenvereine kämpfen um ein sportliches Image.

Eva Wieser
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Feldschiessen ist in der Schweiz ein beliebter Breitensport - nicht so in Basel. (Symbolbild)

Feldschiessen ist in der Schweiz ein beliebter Breitensport - nicht so in Basel. (Symbolbild)

Keystone

Viele Teilnehmer, die nicht der Leistung, sondern des Spasses wegen mitmachen: Das ist Breitensport. Ob am Slow-Up, Rheinschwimmen oder Stadtlauf - Hobbysportler sind mit Begeisterung dabei.

Auch am Feldschiessen ist das nicht anders. Mit rund 130 000 Teilnehmern und einer langen Tradition ist dies die grösste Schweizer Sportveranstaltung. Am ersten Juniwochenende (31. Mai, 1. und 2. Juni) findet es wieder statt. Im Vergleich mit anderen Kantonen stösst dieser Grossanlass in Basel auf wenig Resonanz. Letztes Jahr nahmen am Feldschiessen genau 617 Basler die Zielscheibe ins Visier. Diese Zahl kennt Steven Bleuler, Medienbeauftragter des Vereins Schiess-Sport Helvetia Basel. Ein halbes Prozent aller am Feldschiessen teilnehmenden Schützen kommen also aus Basel

Zwischen Sport und Störenfried

«Wir müssen viel Aufklärungsarbeit leisten», sagt Steven Bleuler. Er diskutiert immer wieder mit Leuten, welche eine Abneigung gegen den Schiesssport haben. «Dass wir den verantwortungsvollen Umgang mit Waffen lehren und eine komplexe Sportart ausüben, muss immer wieder erklärt werden», sagt Bleuler.

Doch der Schiesssport verändert sich. Zumindest empfindet dies der Präsident des Kantonalschützenverbands Basel-Stadt: «Wir müssen das Bild des alten, knochigen Schützen durch einen jungen Sportschützen substituieren», sagt Benjamin Haberthür. Früher oder später werde das obligatorische Schiessen für Angehörige der Armee reduziert, vermutet Haberthür. «Damit die Schützenvereine nicht vom Obligatorischen abhängig sind, müssen wir uns im sportlichen Bereich entwickeln.»

Nicht als Sportler, eher als Störenfriede werden die Schützen oft wahrgenommen. Und zwar immer dann, wenn sich Anwohner über den Lärm beschweren. Vor fünf Jahren war der Frust bei den Schützen gross: Der Schiessstand Allschwilerweiher wurde geschlossen. «Jede Trennung ist irgendwie schwierig», sagt Benjamin Haberthür rückblickend. Heute trainieren zehn Sektionen des Basler Kantonalschützenverbandes auf der Lachmatt in Muttenz. «Mehr oder weniger glücklich» sind laut Haberthür die einzelnen Vereine mit dieser Situation.

Allschwilerweiher war Pampa

Sich mit etwas abfinden: Darin sollten die Schützen geübt sein. Schon vor rund 110 Jahren wurden sie aus der Stadt gedrängt. So lange darf in Basel nicht mehr geschossen werden. «Damals wurden die Schützen in die Pampa geschickt», sagt Haberthür. Mit «Pampa» meint er den Schiessstand Allschwilerweiher.

Die Schützen sind aber nicht ganz aus der Stadt und dem Kanton Basel verschwunden. Im Winter trainieren sie in der Druckluft-Sportanlage unter den Turnhallen des Gellertschulhauses. Weiter werden von April bis September Schüsse aus den Anlagen in Riehen und Bettingen abgegeben.