Stadtentwicklung
Basler Skyline einmal anders: Foto-Ausstellung mit neuem Blick auf die Stadt

Die Skyline der Stadt Basel steht vor der massivsten Veränderung seit Jahrzehnten. Der Roche-Turm versteckt sich noch in einer tiefen Baugrube. In zwei Jahren wird er 178 Meter aus dem Boden ragen. Doch Höhe ist relativ. Dies beweist eine aktuelle Foto-Ausstellung.

Christian Mensch
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Wo Basel schon in die Höhe wächst
4 Bilder
Das neue Getreidesilo der UltraBrag AG an der Südquaistrasse.
Das rechte Rheinufer, oberhalb der Schwarzwaldbrücke.
Der Kinderspielplatz am Rhein, unterhalb der Wettsteinbrücke.

Wo Basel schon in die Höhe wächst

Christopher Gmuender

In den kommenden zwölf Monaten schiesst der Roche-Turm hundert Meter aus dem Boden. In zwei Jahren wird der Rohbau in voller Höhe dastehen. 41 übereinander gestapelte Stockwerke auf 178 Metern. Das höchste Gebäude der Schweiz. Und doch ein Zwerg. Weltweit stehen mehr als hundert Skysrapers, die höher sind als 300 Meter. Der Burj Khalifa in Dubai misst 828 Meter.

Doch Höhe ist keine fester Wert, sie ist relativ. Die Architekten sprechen deshalb geschickt und gescheit von der Massstäblichkeit. Hoch im Vergleich zu was? Etwa im Vergleich zu den Bauten, an denen bisher der Blick beim Schweifen über die Stadtsilhouette hängen bleibt. Dieser Blick wird in Basel künftig einen neuen Fixpunkt finden: Der «Bau 1» von Roche. Konkurrenzlos. Er überragt den Messeturm, das bisher höchste Gebäude (31 Stockwerke, 105 Meter), um mehr als einen Drittel.

Über Jahrhunderte war das Münster, errichtet auf dem höchsten Hügel der Stadt, das Mass aller Dinge. Gefolgt von weiteren Kirchen, die keine hierarchischen Ansprüche stellten. Im Hafen, am Stadtrand, baute der Architekt Hans Bernoulli 1926 einen 50 Meter hohen Siloturm. Es war ein architektonisches Ereignis. Noch lebhafter war das Stadtgespräch, als die Basler Versicherung 1929 am Aeschenplatz 40 Meter hoch baute. In den 50er-Jahren entstanden Wohnhochhäuser an der Flughafenstrasse und auf der Heuwaage. In den 60er-Jahren setzte die Wirtschaft ihre Akzente: Roche baute 72 Meter hoch. Bis heute elegant ist das Lonza-Haus (1962, 68 Meter). Stumpf dagegen die BIZ am Bahnhof (1976, 70 Meter). Erst 2003 folgte der Messeturm. Abrupt gestoppt im Streben nach oben wurde der St.-Jakob-Turm (2008, 71 Meter). 2009 baute die Ultra Bragg einen neuen Siloturm im Hafen (86 Meter).

Immer schneller immer höher

Der Takt, in dem immer neue Akzente in die Höhe schiessen, erhöht sich: Südpark (81 Meter), Grosspeter (78 Meter), Claraturm (96 Meter) sind baureif. Novartis plant gleich mehrere Bürotürme auf ihrem Campus (120 Meter). Mitten in der Stadt erhält die Universität ihr weitherum sichtbares Wahrzeichen (LifeScience, 70 Meter).

Die Bautätigkeit verändert den Blick auf die Stadt und damit die Stadt selbst. Das Münster verliert seine Referenzfunktion an den «Bau 1». Doch wir können uns an den Blick gewöhnen, der uns erwartet. Denn Höhe ist eben relativ. Die Stahlstelen am Rheinufer ragen wie Zwillingstürme in den Himmel. Und im Kinderblick bleiben die Hölzer auf dem Spielplatz unerreichbar hoch. Die kleine Ausstellung «Basel wie immer und anders», aus der die Fotos aus der Bildergalerie stammen, ist eine Möglichkeit, den neuen Blick im Bestehenden einzuüben. Es mildert den Schock.

Fotos von Christopher Gmünder sind noch bis 26.1. in der Ausstellung «Basel wie immer und anders» zu sehen, zusammen mit Bildern von Claudius Daum, Rolf Widmer, Erwin Stäheli, Nora Game. Galerie Pep+Noname, Unterer Heuberg 2, Basel.

http://www.pepnoname.ch