Zubringer Allschwil

Basler SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels: «Wir haben nicht geschlafen, im Gegenteil»

«Der Bachgraben liegt komplett auf Baselbieter Boden. Es hat eine Logik, dass Baselland bei der Finanzierung den Lead übernimmt.»

«Der Bachgraben liegt komplett auf Baselbieter Boden. Es hat eine Logik, dass Baselland bei der Finanzierung den Lead übernimmt.»

Der Basler Baudirektor erklärt, warum das Projekt kein Bestandteil des Westrings ist – und warum die Strasse den Stadtkanton keinen Rappen kosten wird.

Baselland plant und bezahlt Zuba, den Zubringer Allschwil-Bachgraben, obwohl der unterirdische Teil komplett durch Basler Boden führt. Lässt sich Basel-Stadt vom Landkanton einen Tunnel schenken?

Hans-Peter Wessels: Das kann man so sehen, wenn man will. Aber entscheidend ist dieser Punkt: Das Projekt dient dazu, den Bachgraben, ein Entwicklungsgebiet erster Güte, zu erschliessen. Unmittelbar profitiert Baselland davon; der Bachgraben liegt komplett auf Baselbieter Boden. Es hat eine Logik, dass Baselland bei der Finanzierung den Lead übernimmt. Trotzdem: Das Projekt muss partnerschaftlich entwickelt werden. Alle Beteiligten haben ein Interesse daran, dass das Bachgraben-Gebiet gut entwickelt werden kann.

Ist Zuba das erste Puzzle-Teil des Westrings, der dereinst die A 2 in Basel-Ost über Basel-West mit der Nordtangente und der französischen A 35 verbinden soll?

Nein. Der Bund hat die beiden Projekte entkoppelt. Seine Vorgabe: Der Zubringer soll so gebaut werden, dass ein allfälliger späterer Westring nicht tangiert wird. Der Westring kommt – falls er kommt – deutlich später.

Es sind beim Zubringer keine ausbaufähigen Anschlussstellen vorgesehen?

In einer ganz frühen Phase der Überlegungen gab es solche Varianten. Der Zubringer Bachgraben wäre kompatibel zum möglichen Westring gedacht gewesen. Aber das Bundesamt für Strassen hat die zwei Vorhaben komplett voneinander getrennt. Der Zubringer Bachgraben ist kein Teil des Westrings, aber er verunmöglicht ihn auch nicht.

Baselland sichert die vollständige Finanzierung des Projekts zu. Werden Basel-Stadt mit dem Zubringer tatsächlich keine Kosten entstehen?

Davon gehen wir aus. Das Projekt wird vollständig von Baselland finanziert, vorbehalten die möglichen Beiträge des Bundes. So lautet die Vereinbarung, welche die Regierungen beider Basel miteinander getroffen haben.

Baselland ist für die Strassen zuständig, Basel-Stadt übernimmt die Planungen für die spätere öV-Erschliessung, also die Anbindung an Tram und S-Bahn. Man wird das Gefühl nicht los, dass auch politische Überlegungen dahinter stecken: Die Strasse wäre im Stadtkanton nicht mehrheitsfähig, die öV-Projekte aber schon, und umgekehrt.

Die Aufgabenteilung ergibt sich aus der geografischen Situation und hat eine planerische Logik. Die S-Bahn-Stationen entstehen auf städtischem Boden. Von ihnen aus wird, so der Plan, der Bachgraben mit dem Tram erschlossen. Die französischen Partner wiederum führen ihre Entlastungsstrasse an den Bachgraben heran. Es stimmt zwar: öV-Projekte haben es im Stadtkanton tendenziell einfacher, Strassenprojekte im Baselbiet. Aber so holzschnittartig darf man es trotzdem nicht betrachten.

Beim Zubringer spricht man von einem Baubeginn 2024 – frühestens. Für Tram und S-Bahn reicht diese Zeit wohl nicht. Die Arbeitsplätze entstehen aber schon jetzt. Mit der Erschliessung sind die beiden Kantone also mindestens zehn Jahre im Verzug. Hat man denn das Bachgraben-Gebiet, gerade aus städtischer Sicht, nicht auf dem Radar gehabt?

Nein. Wir haben nicht geschlafen, im Gegenteil. Die S-Bahn-Haltestelle Morgartenring ist von Schweizer Seite her im Prinzip bereits finanziert, für den Ausbauschritt 2035. Auch die bessere Bedienung des Bahnhofs St. Johann wurde an die Hand genommen; ebenso das Tramprojekt Letten, das den Bachgraben von Osten her erschliessen soll. Sie sehen: Die beiden Kantone haben kohärent geplant und waren auch in den letzten Jahren nicht untätig, weder Baselstadt, noch Baselland. So trieben wir den Ausbau der Busverbindungen voran. Wir müssen jetzt schauen, dass die Tram- und vor allem die Situation für die S-Bahn rasch verbessert wird.

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