Beide Städte liegen an einem Fluss, beide haben dasselbe ambitionierte Ziel: Aus einem ehemaligen Industriehafen soll ein komplett neues Stadtviertel entstehen. Zwischen den Projekten von Basel und Offenbach gibt es Parallelen, aber auch einen Unterschied: Offenbach ist viel weiter als Basel. Diesen Umstand nutzte die SP Basel-Stadt für eine Expedition. Eine Delegation bestehend aus 14 Mitgliedern reiste nach Offenbach am Main und liess sich von den Projektverantwortlichen durch das ehemalige Hafenareal und heutige Stadtviertel führen. Die Delegation interessierte vor allem eines: Was für Lehren kann Basel aus dem Offenbacher Projekt ziehen? 

Das neu gestaltete Hafenareal in Offenbach. Ein Stadtviertel, das auch als Erholungsraum dient.

Das neu gestaltete Hafenareal in Offenbach. Ein Stadtviertel, das auch als Erholungsraum dient.

Es ist möglich. Dies die Erkenntnis von Stephan Luethi, SP-Fraktionspräsident im Grossen Rat. «Offenbach zeigt, dass ein Industriehafen in ein Stadtviertel transformiert werden kann.» Seine negative Erkenntnis: Es wird teuer. «Alle Häfen haben auch immer sensible Güter. Altlasten, die man nicht ohne Kosten beseitigen kann.» Die Basler Parteipräsidentin Brigitte Hollinger zeigte sich beeindruckt von der Vielfältigkeit im neuen Stadtviertel. Gewerbe, Wohnräume, öffentliche Institutionen, Erholungsraum – alles hat im früheren Industriehafen seinen Platz. «Es wurde ganzheitlich gedacht», sagt Hollinger. Erst letzte Woche startete der Bau einer Kindertagesstätte und einer Grundschule. Der frühere Industriehafen entwickelt sich langsam zu einem belebten Stadtteil von Offenbach. Die noch nicht überbauten Flächen werden derweil zwischengenutzt. Boxclub, Kulturklub, Hafengarten. «Die Offenbacher waren sehr kreativ», sagt Hollinger. Besonders gefallen hat ihr das Urban Gardening – eine Art Schrebergarten für alle. Nahe der alten Ölhalle pflanzen jetzt über 130 Hobbygärtner Obst und Gemüse an – auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern.

Erste Projekte 1998

Das neue Stadtviertel in Offenbach nimmt langsam Form an. Doch: Es ging lange, bis man so weit war wie heute. Bereits 1998 begann man mit dem Projekt. Hollinger erwartet nicht, dass es in Basel viel schneller gehen würde. «Ich bin Politikerin. Ich weiss, dass der demokratische Prozess länger geht. Wenn am Schluss alle zufrieden sind, ist das aber in Ordnung.» Ob in ferner Zukunft Delegationen ein neues Stadtviertel im Basler Klybeck-Areal erkunden, wird sich zeigen. Sicher ist dies nicht. Luethi: «Die Neunutzung des Hafenareals ist nur möglich, wenn die aktuellen Funktionen an einem anderen Ort realisiert werden können.»