Manchmal treibt die Basler Verkehrspolitik gar seltsame Blüten. Ein interessantes Anschauungsbeispiel ist der Gundelitunnel, ein Projekt mit mehr Leben als jede Katze und dennoch nie richtig geboren. Als das Baselbieter Stimmvolk 2015 Elba verbannte, bedeutete dies vermeintlich, dass der Tunnel begraben würde. Hans-Peter Wessels als städtischer Verkehrsdirektor sagte damals: «Dies deutet darauf hin, dass kaum jemand darauf wartet und dass das Projekt keinen offensichtlichen Nutzen stiftet.»

Seine Parteikollegen wollten dabei ganz sicher sein und reichten einen Antrag ein. Er wurde nie beantwortet. Im Sommer feierte das Projekt dann ein erstaunliches Comeback. Plötzlich keimte der Gundelitunnel als wünschbare Option in den städtischen Legislaturzielen, in den Verkehrsplänen des Bundes und in den Überlegungen der Baselbieter Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro auf. Freimütig sagte sie in einem Interview mit der bz: «Die beiden Basel treiben gemeinsam die Planung der Stadttangente voran.»

Damit verärgerte Wessels seine Genossen, sie bereiteten einen Angriff in Form einer Motion vor, die das Ende des Tunnels besiegeln sollte. Das wiederum führte zu einer seltenen Situation: Im Grossen Rat sah sich Wessels plötzlich in einer Verkehrsfrage von den Bürgerlichen unterstützt – und von den eigenen an die Wand getrieben. «Ich habe Mühe mit dieser sehr radikalen Motion», wurde er denn auch einigermassen deutlich, «denn sie fordert ein Denkverbot». Der Tunnel als solches sei längst tot, jedoch solle man sich die Option zu einer «stadtnahen Tangente» nicht verbauen.

Fehlende Abstimmungsdisziplin

Doch damit liessen sich die Linken nicht besänftigen. Michael Wüthrich (GB) als Präsident der Umwelt und Verkehrskommission wählte so harsche Worte, dass ihn Grossratspräsident Joël Thüring massregelte. Druckfähige Zitate: «Das ist ein Affront. Sie missachten den Volkswillen, Herr Wessels. Wer tut so etwas?»

Dennoch standen die Chancen für die Bürgerlichen gut, die Abstimmung zu gewinnen. Schliesslich hatten die Linken aufgrund von Abwesenheiten einige Löcher in ihren Reihen. Nur 29 der 35 Genossen drückten auf den Ja-Knopf – und dennoch reichte es am Schluss. Zum einen, weil auch bei den Bürgerlichen einige Grossräte fehlten – insbesondere bei der FDP –, zum anderen, weil sie auf die Unterstützung der Grünen, Basta und Grünliberalen zählen konnten.