Verkehr

Basler SP wettert gegen den Gundelitunnel – doch der Bund will das Projekt

Der Gundelitunnel soll das Quartier entlasten.

Der Gundelitunnel soll das Quartier entlasten.

Die Basler SP will die Pläne für einen Gundelitunnel endgültig beerdigen. Da goutiert sie auch nicht, dass sich ihr eigener Regierungsrat Hans-Peter Wessels für die Option einsetzt. Der Bund wiederum will den Tunnel endlich realisiert sehen.

Da hat Hans-Peter Wessels in seiner Basler SP einen Riesenwirbel ausgelöst. Mit einem Gastkommentar in der bz setzte sich der Verkehrsdirektor vergangene Woche vehement für den umstrittenen Gundelitunnel ein, den seine Partei unbedingt verhindern will. Eine entsprechende Motion wird morgen Mittwoch im Grossen Rat debattiert.

Wessels wirft seiner Fraktion vor, dass sie ein Denkverbot verhängen wolle. Die Reaktionen waren geharnischt: In Leserbriefen und Repliken fahren die Genossen nun ihrerseits ihrem Verkehrsdirektor an den Karren. Sie goutieren nicht, dass er sich derart gegen die eigene Partei engagiert.

Wessels hat allerdings mächtige Verbündete. Denn auch der Bund hat ein Interesse am Gundelitunnel. Das Projekt ist ein vom Bundesparlament beschlossenes Teilstück im Nationalstrassennetz. Nach Jahrzehnten des Wartens erfolgte vor einem Jahr aus Bern der letzte Wink mit dem Zaunpfahl. Die Bundesämter für Strassen (Astra) und für Raumplanung (ARE) veröffentlichten den Sachplan Verkehr. «Der Bund wahrt damit nationale Interessen und hält sich Optionen für die Weiterentwicklung der Nationalstrasseninfrastruktur offen», schreiben die Bundesbehörden. Es ist erklärtes Ziel des Bundes, das Nationalstrassennetz endgültig fertigzustellen. Dazu fehlen nur noch wenige Strassenabschnitte – unter anderem der 600-Millionen-Gundelitunnel.

SP-Sektion gegen Motion

Vor einer «nicht ganz unwichtigen kantonalen Entscheidung» will Astra-Sprecher Thomas Rohrbach nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer giessen. Wiederholt aber hat das Bundesamt sein Interesse an dem Projekt betont. Dabei würde dieses vorab dem regionalen Verkehr dienen und die Stadtstrassen massiv entlasten.

Heute wird der Verkehr von der A2 grösstenteils über die Nauenstrasse und den Centralbahnplatz Richtung Westen geführt. Das Gundeldinger Quartier werde so stark belastet, was die Weiterentwicklung des öV im Gebiet Bahnhof, Gundeli und Dreispitz behindere. Der rund zwei Kilometer lange Stadttunnel solle daher das Quartier unterqueren und beim Zolli wieder auftauchen. So werde das Quartier entlastet und der öV könne weiter entwickelt werden.

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Kommt hinzu: Die Bundesbehörden haben regelmässig betont, dass gerade im Raum Basel derzeit eigentlich kein unterhaltsfähiges Autobahnsystem bestehe. Soll heissen: Bei grösseren Sanierungsarbeiten müsse der Bund über längere Zeit zumindest Spuren sperren und damit die Verkehrskapazitäten verkleinern. Das verursache Staus, was weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sein könne.

Auch unter den Basler Sozialdemokraten ist die SP-Motion nicht unbestritten. In einem Brief bittet der SP-Quartierverein Gundeldingen-Bruderholz die Grossratsfraktion «inständig», den Vorstoss nicht zu überweisen. «Wir dürfen das Risiko nicht eingehen, dass das Gundeli in einigen Jahren von einer Blechlawine überrollt wird», schreibt der Sektionsvorstand.

Genau das aber könne geschehen, wenn der Gundelitunnel definitiv abgelehnt wird, während im Baselbiet vielleicht dereinst doch noch der Zubringer Bachgraben sowie ein Umfahrungstunnel Allschwil-Binningen gebaut werden.

Dann wäre der Autobahnring zu 80 Prozent abgeschlossen. Die Ausnahme wäre das Gundeli. «Eine solche Situation wäre für unser Quartier eine Katastrophe.» Werde der Gundelitunnel tatsächlich aus dem Netzbeschluss des Bundes gestrichen, stünde Basel-Stadt allenfalls irgendwann vor der Wahl, im Gundeli eine Blechlawine in Kauf zu nehmen oder den Tunnel vollständig aus eigener Kasse doch noch zu finanzieren.

Wessels gibt sich zuversichtlich

Mittlerweile ist der SP-Verkehrsdirektor zuversichtlich, dass die Option einer stadtnahen Tangente doch nicht verbaut wird: «Hans-Peter Wessels rechnet nicht mit einer Überweisung der Motion», sagt sein Departementssprecher Marc Keller.

Die Basler Regierung geht gar davon aus, dass der Bundesrat eine Streichung des Gundelitunnels aus dem Netzbeschluss nicht unterstützen würde, weil dieser Abschnitt integraler Bestandteil einer allfälligen Ringlösung ist.

Aus Bern klang das allerdings auch schon anders. Bisher ist geplant, dass sich der Bund mit rund 400 Millionen Franken an dem 600-Millionen-Bau beteiligt. Allerdings hat er auch schon durchblicken lassen: Entscheidet sich Basel-Stadt definitiv gegen den Tunnel, dann ist dieses Geld weg. Auch könnte das Bundesparlament das Projekt durchaus aus dem Netzbeschluss streichen. In den letzten 50 Jahren aber ist es nur zweimal soweit gekommen.

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Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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