Ein Jahr ist die Einführung der neuen Spitalfinanzierung her. Bei den Spitälern in Basel-Stadt und Baselland lief die Umstellung auf das Fallpauschalen-System reibungslos. Einzelne Spitäler spüren bereits die Auswirkungen des verstärkten Wettbewerbs – eine durchaus beabsichtigte Wirkung der Fallpauschalen, die die Wahlfreiheit der Patienten vergrössert hat.

Zuwachs am Uni-Spital

Mehr Patienten und mehr Pflegetage – das ist die Bilanz des Basler Universitätsspitals ein Jahr nach der Einführung der Fallkostenpauschalen. «Wir haben als Zentrumsspital schon immer viele ausserkantonale Patienten angezogen, dieser Trend hat sich 2012 fortgesetzt», fasst Mediensprecher Andreas Bitterlin die Entwicklung zusammen. Und: «Wir spüren, dass unter den Spitälern ein stärkerer Wettbewerb ausgebrochen ist.»

2012 verzeichnete das Universitätsspital rund 31800 stationäre Patienten, das sind rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr Patientinnen und Patienten kamen aus den Kantonen Aargau und Baselland. Die Aufenthaltsdauer sei jedoch insgesamt nicht kürzer geworden, sagt Bitterlin. Gleich blieb die Zahl der Rehospitalisierungen. Mit dem neuen System wurde deren Zählweise angepasst: Galten früher Rehospitalisierungen als neue Fälle, werden diese heute nicht mehr separat gezählt. «Damit wird ein Anreiz geschaffen, die Patienten nicht zu früh, also ‹blutig›, zu entlassen», sagt Bitterlin.

Überraschung im Claraspital

Am Claraspital ist der Zuwachs bei den stationären Patienten gar noch grösser: Rund 4,7 Prozent oder 440 stationäre Eintritte mehr als im Vorjahr. «Wir führen den grössten Teil davon auf die Patientenfreizügigkeit zurück», sagt Peter Eichenberger, Direktor des Claraspitals. Er ist von der Entwicklung selber überrascht: «Wir hatten nicht mit einem Zuwachs in diesem Ausmass gerechnet.» Besonders grossen Zuwachs verzeichneten das Bauchzentrum und die Tumorbehandlungen. Eichenberger schliesst nicht aus, dass es sich auch um einen einmaligen Effekt handeln könnte. Dagegen spreche allerdings die Herkunft der Patienten: «Sie kommen nicht nur aus den umliegenden Kantonen, sondern aus der ganzen Schweiz», sagt Eichenberger.

Vorsicht im Landkanton

Zurückhaltender äussert sich das Kantonsspital Baselland. «Wir können noch nicht sagen, wie sich der Wettbewerb auswirkt», sagt Urs-Peter Modespacher, Mediensprecher des Kantonsspital Baselland (KSBL). Ein Jahr sei eine zu kurze Frist, um Schlüsse zu ziehen. Fest steht aber, dass der KSBL-Standort Bruderholz durch die Einführung der Fallpauschalen im vergangenen Jahr einen massiven Rückgang der Pflegetage um 10000 verzeichnet hat – trotz mehr Patienten.

Als Folge wird nun das 7. Stockwerk des Spitals geschlossen und die Bettenzahl von 358 auf 320 Betten reduziert. «Wir hatten das so erwartet», sagt Modespacher und bestätigt einen entsprechenden Bericht der «BaZ». Personal wird wegen der Bettenreduktion keines entlassen.

Modespacher betont, nicht die Zahl der Pflegetage oder der Betten sei ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit eines Spitals, sondern die Fallzahlen und die Auslastung in Verhältnis zur Kapazität.

Anders präsentiert sich die Situation am Standort Liestal: «Wir spüren dort weniger Veränderungen durch die Systemumstellung», sagt Modespacher. Die Anzahl Fälle sei dort stabil, aber: «Wir haben dort schon früher Massnahmen ergriffen, um die Wirtschaftlichkeit zu steigern.»