Fallpauschalen
Basler Spitäler:«Blutige Entlassungen gibt es keine»

Der Systemwechsel verlief bei den Basler Spitälern gut – doch die Kritik an Kassen und Kantonen ist laut. Das Personal hat sich umgewöhnen müssen, und die Spitäler mussten administrativ aufrüsten. Das braucht Zeit.

Pascale Hofmeier
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Blick in einen Operationssaal (Symbolbild)

Blick in einen Operationssaal (Symbolbild)

Keystone

«Die Umstellung auf die Fallpauschalen verlief technisch und organisatorisch problemlos», sagt Werner Kübler, Direktor des Basler Universitätsspitals und Vize-Präsident des Schweizerischen Spitalverbands H+. Der Verband zog gestern in Bern eine erste Bilanz nach der Einführung der einheitlichen Fallpauschalen Anfang Jahr (siehe Kasten).

Fehlende Verträge

Die Unsicherheiten des Personals seien weitgehend ausgeräumt: «Es ist Ruhe eingekehrt. Blutige Entlassungen gibt es keine.» Der Begriff fasst kurz, was vor der Einführung der Fallpauschalen befürchtet wurde: Patienten würden aufgrund des Kostendrucks zu früh und noch mit offenen Wunden entlassen. Natürlich gebe es bei den Angestellten des Unispitals noch häufig Fragen, wie einzelne Leistungen codiert werden müssten, sagt Kübler. Viele dieser Fragen könnten aber mit Schulungen beantwortet werden. Es gebe auch keinen Leistungsabbau: «Wir konnten zusätzliches Personal einstellen, weil wir mehr Fälle haben.»

Allerdings hält sich das Unispital zurück. «Es ist noch schwierig vorherzusagen, wie sich die Umstellung finanziell auswirken wird.» Zwar unterstützt Kübler die Aussage des H+-Verbandspräsidenten Charles Favre, der die Systemumstellung als «vollen Erfolg» bezeichnet. Weil aber mit vielen Kassen erst provisorische Tarife festgesetzt sind, bestehen finanzielle Unsicherheiten. Zum Beispiel sind die Verhandlungen mit Tarifsuisse, der rund 50 Krankenversicherer angeschlossen sind, gescheitert. «Wir hoffen, dass noch vor den Sommerferien Entscheide fallen werden.»

Warten auf das Jahr 2014

Die Zusammenarbeit mit den Versicherern erweist sich für die Spitäler insgesamt als schwierig. «Die Kassen verlangen viele Detailprüfungen bei unauffälligen Rechnungen», sagt Kübler. Besonders gross ist der bürokratische Aufwand bei ausserkantonalen Patienten.

Dort liegt ein weiteres Problem: Die Kantone Basel-Stadt und Baselland haben sich auf eine vollständige Patientenfreizügigkeit ab 2014 geeinigt. Bis diese in Kraft tritt, muss der Patient die Differenz selber berappen, wenn das Spital, in dem er behandelt wird, für diese Leistung nicht auf der Spitalliste seines Wohnkantons steht und die Pauschale im Wohnkanton tiefer angesetzt ist als im anderen Kanton. «Wir entscheiden das in jedem einzelnen Fall nach pragmatischen Kriterien», sagt Kübler. Oft gehe es um 1000 bis 1500 Franken. Manchmal werde auch keine Rechnung gestellt. Insgesamt sind es mehr Patienten, die sich ausserhalb des Wohnkantons behandeln lassen. Denn seit Anfang Jahr können Patienten das Spital frei wählen. Beim Unispital hat seither die Zahl der Patienten aus dem Baselland zugenommen.

Mehr Patienten hat auch das Basler Bethesda-Spital. «Es sind gut zehn Prozent mehr», sagt Direktor Thomas Rudin. Wo diese eine Lücke hinterlassen, könne er nicht sagen. Ganz so positiv wie der Verband H+ sieht er die Umstellung nicht: «Es ist noch zu früh für eine Bilanz. Aber wir machen das Beste daraus.» Das Personal habe sich umgewöhnt, und das Spital musste administrativ aufrüsten. Nicht ohne Probleme gestalte sich auch die Zusammenarbeit mit den Kassen, findet Rudin.