Starke Nase

Basler Spürhund Buddy sucht nach vermissten Menschen

Buddy sucht mit seiner Trainerin Tina Braun eine vermisste Frau

Buddy sucht mit seiner Trainerin Tina Braun eine vermisste Frau

Tierpsychologin Tina Braun trainiert Personensuchhunde und nimmt Spur auf vermisste Menschen. Auch beim Training stösst Sie auf Ernstfälle.

Er schnüffelt am Autoschlüssel, der ihm seine Trainerin vor die Schnauze hält. Sie hält ihn an einer langen Leine, er jault, rennt los, sie ihm nach. Er geht in Zickzacklinien über den Messeplatz. Jeder Zacken, den er hinter sich lässt, bedeutet: Fehlanzeige. Er ändert die Route, hechelt zum Brunnen, biegt um die Ecke, bleibt vor einer Frau stehen, die regungslos am Boden liegt. Schaut zur Trainerin, wedelt, erhält ein «Gutzi». Er hat seinen Job erfüllt. Die Frau steht auf, wischt die Hosen sauber, die Trainerin gibt ihr den Schlüssel zurück; sie lachen. Die Wirklichkeit sieht anders aus, da lacht selten jemand.

Tierpsychologin Tina Braun hat sich vor sieben Jahren den Altdeutschen Schäferhund Buddy zugelegt und sich überlegt, wie sie das Tier beschäftigen könnte. Klar war: «Es muss etwas jenseits von Beissen sein.» Doch Beisstraining gehört oftmals zum Hundesport. Bei ihren Recherchen stiess Tina Braun auf Mantrailing, was sich vom englischen Wort «man» für Mensch und «trail» für verfolgen ableitet und ein Personensuchtraining darstellt. In der Region gab es das Angebot nur für Bluthunde, also liess sich Tina Braun selber zur Trainerin ausbilden. Inzwischen bringt sie das Mantrailen 25 Hunden bei, die Hälfte wird für den Ernstfall trainiert.

Mitmachen darf jede Rasse – bloss sehr kleine Hunde werden ausgeschlossen; zu gross ist für sie die Gefahr, auszutrocknen. Jeder Hund wird vor dem Training «gewässert», was heisst: Er muss sehr viel trinken. Kleine Hunde können keine solchen Mengen auf einmal aufnehmen.

Zuerst Polizeihunde, dann Private

Alte Frauen, die nicht mehr nach Hause kehren, Kinder, die dem Mittagstisch fern bleiben. Der Ernstfall tritt oft ein. Angehörige rufen meist die Polizei, wenn sie jemanden vermissen. Doch nicht immer sind die Polizisten mit ihren Hunden erfolgreich. Als Tina Braun einst ein Training im Hardwald abhielt, wurde sie von einer Frau und einem Mädchen gebeten, ihnen bei der Suche nach dem vermissten Ehemann und Vater behilflich zu sein. Die Polizei hatte bereits aufgegeben. Wären die Ermittlungen noch im Gang gewesen, hätten Tina Braun und ihre Kursteilnehmer die Finger davon gelassen. Doch unter diesen Umständen willigten sie ein, die Fährte aufzunehmen – allerdings mit dem Hinweis: ohne Gewähr. Ein «Geruchsartikel» des Vermissten half den Hunden bei der Suche; diese fiel nur bedingt erfolgreich aus: Die Fährte endete am Rheinufer – und für die Familie bestätigte sich, was sie befürchtet hatte. Später wurde die Leiche im Rechen in Birsfelden gefunden.

Meist finden Suchhunde nicht den vermissten Menschen, sondern nur den Ort, an dem sich die Spur verliert. «Es ist dann nicht an uns, die Situation zu interpretieren», sagt Tina Braun. Es komme vor, dass ein Hund an einer Tramstation angibt, die Spur verloren zu haben. So werde es den Suchenden mitgeteilt: «Der Hund hat die Spur hier verloren.» Sätze wie «wahrscheinlich stieg der Vermisste ins Tram» hätten bei ihr nichts verloren. Tina Braun unterscheidet von Ermittlungen und ihrem Angebot, als Private anderen Privaten zu helfen – ehrenamtlich. «Es darf nicht sein, dass Angehörige nur des Geldes wegen auf die Suche nach einem Vermissten verzichten – deshalb arbeiten wir ehrenamtlich», sagt sie.

Buddy ist nicht Kommissar Rex

In Basel-Stadt kümmert sich die Polizei mit ihren Schutzhunden selber um die Vermisstensuche. Ein Hund wird derzeit in Mantrailing ausgebildet, ab 2015 soll jeder Polizeihund einen Crashkurs darin absolvieren müssen. Jetzt schon werden nach Bedarf Hunde anderer Kantone beigezogen. Private wie Tina Braun aber beauftragt die Polizei in Basel nicht. In Südbaden hingegen sind die Behörden froh um Unterstützung. Tina Braun und ihre Leute werden immer wieder für eine «Nachsuche» engagiert. Die Mantrailer fänden es schön, den Einsatzkräften auch in Basel helfen zu können. Noch sei es aber nicht so weit. Wobei Tina Braun ihre Dienste nicht in jedem Fall anbietet. Verbrechen fallen ausserhalb ihres Bereichs. Buddy ist demnach kein Basler Kommissar Rex – aber als Schäferhund nah dran.

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