Am letzten Samstagabend am Klybeckfest: Stadtentwickler Thomas Kessler besucht neben den Buvetten und anderen Brennpunkten des städtischen Lebens auch diese Veranstaltung, die eine Defizitgarantie des Kantons bekommt.

Plötzlich springt ein Linksautonomer auf die Bühne und beginnt damit, Parolen gegen Kessler zu brüllen.

Pulk von 30 Aktivisten

Kessler schildert den Vorfall gegenüber der bz wie folgt: «Er hetzte gegen die geplante Überbauung auf der Klybeckinsel, vor allem aber gegen mich.» Die Aktion fand im Publikum offenbar keinen Nachhall. Darauf rotteten sich laut Kessler «sieben bis acht Rädelsführer und rund 25 Mitläufer und Groupies» zusammen.

Sie hätten ihn zunächst aus der Distanz beschimpft und mit Plastikbechern und -eimern beworfen. Als auch dies nichts fruchtete, seien sie immer näher gekommen und hätten ihn bedroht. «Ich sagte ihnen, ich wolle sowieso noch weiter ans ‹Chill am Rhy› und verliess das Gelände.»

Schock bei den Festbesuchern

Kessler gab sich zwar gestern gelassen, geriet aber beim Erzählen dennoch in Aufregung. Er sei längst nicht der Einzige gewesen, dem die Szenen nahe gegangen seien. «Die Festbesucher, auch jene, die gerade noch hitzig mit mir diskutiert hatten, waren schockiert.»

Eigentlich wollte Kessler das Ereignis unter dem Deckel halten. Aber der Blog «D’Made im Daig», der sich als «Archiv des Widerstandes gegen städtische Aufwertung und Verdrängung» bezeichnet, machte es öffentlich und schreibt, Kessler sei mit Sprechchören aufgefordert worden, das Fest zu verlassen. «Da er dieser Aufforderung nicht nachgekommen ist, hat ihn eine grössere Gruppe schliesslich verjagt.»

Kessler stört sich daran, dass seine Angreifer «nun auch noch im Internet mit ihrer ‹Heldentat› prahlen müssen.» Vor allem aber stört ihn, dass er verjagt worden ist. «Das ist absolut undemokratisches Verhalten und dann haben sie auch noch die völlig falsche Person angegangen.»

Bevölkerung in die Diskussion einbinden

Er sei als Stadtentwickler nicht für das Projekt Klybeckinsel an sich zuständig. Sondern dafür, die Bevölkerung in die Diskussion darüber einzubinden. Er werde dafür bezahlt, Vermittlungsarbeit zu leisten und sicherzustellen, dass die Anliegen der Quartierbewohner Gehör fänden.

«Deshalb war ich ja auch am Klybeckfest: Ich wollte den kritischen Dialog mit der betroffenen Quartierbevölkerung führen. Ich habe mit vielen Menschen sprechen können, Gegnern und Befürwortern, das finde ich super.» Er sei gerne bereit, sich harte und hitzige Kritik an sich und seiner Arbeit anzuhören.

Die Chance dazu würde auf der Strasse auch oft von Baslern genutzt. Aber seine Angreifer gehörten vermutlich nicht einmal zur Quartierbevölkerung, sondern seien wohl «typische Mittelstandskinder in ihrer revolutionären Phase», so Kessler.

Widerstand gegen Rheinhattan

Die Ideen zur Nutzung der Klybeckinsel für Wohnraum im mittleren und oberen Segment stösst bei einem Teil der Bewohner Kleinhüningens auf wenig Gegenliebe. Rund um einige links-grüne Jungpolitiker hat sich eine Gruppierung namens «Rheinhattan versenken» gebildet, denen die geplante Bebauung ein Dorn im Auge ist. Sie deklarieren auf ihrer Internetseite, sie hätten «das Vertrauen in die Politik verloren», sie laden vor allem zu Grillfesten mit Diskussion ein.