Abfall

Basler Stadtreinigungs-Chef Dominik Egli: «Ich hätte nichts gegen höhere Bussen»

Dominik Egli, Chef der Basler Stadtreinigung, plaudert aus dem Nähkästchen: Über Repression, Windeln und motivierte Mitarbeiter. Und die Abfallmengen am Rheinbord.

Herr Egli, worüber reden wir?

Dominik Egli: Über Jahreszeiten.

Welche Jahreszeit liegt Ihnen am meisten?

Jetzt im Herbst geht’s mir am besten. Im Frühling quält mich der Heuschnupfen, der Sommer ist mir zu heiss. Ich mag die klare Luft im Herbst, die kühlen Nächte.

Jobtechnisch gesehen, muss der Sommer ja auch der Hass für Sie sein.

Für mich im Büro ist es nicht dramatisch. Aber für meine Mitarbeiter ist es schlimm. Der Asphalt kann an einem Sommertag 80 Grad heiss werden.

Ich meinte mehr, dass dann die Abfallproblematik entlang des Rheinbords wieder in den Fokus rückt und Ihre Teams alle Hände voll zu tun haben. Mehr als zu anderen Jahreszeiten.

Bei schönem Wetter steigt der Aufwand an, ja. Eine Schätzung hat ergeben, dass wir dann wöchentlich am Rhein rund 20'000 von Menschen liegen gelassene Teile vom Boden aufnehmen. Stellen Sie sich das mal vor! Aber auch mit Herbstlaub und dem Winterdienst gibt es viel zu tun. Und das ganze Jahr über müssen Staub, Pollen, alles, was sich auf die Strasse legt, entfernt werden.

Der Sommer ist vorbei. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Rekordmüllmengen wie im vergangenen Jahr sind nicht angefallen, weil dieser Sommer nicht gleich schön war.

Viele Bewohner Basels finden aber: In der Stadt wird es immer dreckiger. Tatsache oder ein Gefühl?

Ein Gefühl. Mit der Sauberkeit – oder mit dem Dreck – hat es sich in den vergangenen Jahren relativ stabil verhalten. Wir haben sogar den Eindruck, dass es sich etwas gebessert hat. Dass die Leute disziplinierter sind und den Müll vom Rheinbord mehr in den bereitgestellten Containern entsorgt haben.

Auch wegen der lustigen Schweinehund-Kampagne?

Ich hoffe es. Messbar ist das nicht. Wir werden die Figur auf jeden Fall beibehalten.

Ich zweifle daran, dass mit Sauglattismus nachhaltig etwas erreicht wird.

Wir gehen auch davon aus, dass eine einzelne Kampagne nicht ausreicht. Deshalb gibt es ja vielfältige Aktionen.

Was halten Sie von Bussen?

Klar kann man auch mit Repression reagieren. Ich hätte nichts gegen höhere Bussen. Und vielleicht müssen wir die Leute mehr aufrütteln, so wie vergangene Woche mit den Müll-Mahnmalen.

Diese Abfallberge sind nun ein grosses Thema unter den Politikern.

Ja, der Effekt war grösser als erwartet. Darüber bin ich froh, denn die illegale Entsorgung kostet so viel Geld, rund sieben bis zehn Millionen Franken im Jahr. Etwa ein Drittel davon macht die illegale Entsorgung der Haushalte aus, die den Kehricht in öffentliche Container werfen. In Robidog-Säckli, weil die gratis sind.

Die Idee steht im Raum, dass erwischte Abfallsünder einen Tag lang auf Putztour mit müssen. Was halten Sie davon?

Nicht viel. Darauf hätten meine Mitarbeiter keine Lust. Denn diese Leute wären unmotiviert, man müsste sie einführen ... Ein grosser Aufwand.

In welchen Quartieren wohnen die meisten Sünder?

Je dichter bewohnt, desto mehr illegale Abfallentsorgung. In den Villenquartieren kommt das also weniger vor. Aber auch dort gibt es sie, die Sünder. Einmal ging eine ältere Dame in der Altstadt eines meiner Teams während der Fasnacht an, wo sie ihren Kehricht entsorgen solle, jetzt, wo die Abfallkübel abmontiert seien.

Waren Sie mal an der Front dabei? Auf dem Müllwagen?

Nein. Das mache ich körperlich nicht mehr mit.

Sie müssten ja nicht eine ganze Schicht aushalten.

Das fände ich arrogant den Mitarbeitern gegenüber.

Die schlimmsten Abfall-Anekdoten Ihrer Mitarbeiter?

Werfen Sie mal einen Blick auf den Zolli-Parkplatz. Dort werden Windeln gewechselt und auf den Boden geworfen. Zuhauf. Und es gibt Leute, die warten, bis das Putzfahrzeug vorfährt und dann den Abfall zum Fenster rausschmeissen.

Tragen Ihre Angestellten eigentlich Nasenklammern?

Nein. Die Nase ist sehr speziell: Sie richtet sich schnell auf einen Geruch ein. Das ist auch bei der Müllabfuhr so, man gewöhnt sich daran, berichten die Mitarbeiter.

Was stinkt Ihnen an Ihrem Job?

Dass die Wertschätzung oftmals fehlt meinen Angestellten gegenüber. Sie kriegen immer wieder zu hören: «Ich bezahle Deinen Lohn, dann kann ich auch den Dreck auf die Strasse werfen und Du putzt es weg.»

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Ich muss das erfreulicherweise selten tun. Als ich vor zwei Jahren meinen Posten antrat, war ich sehr überrascht über ihren gesunden Stolz. Sie machen ihre Arbeit gern.

Wieso hat Sie das überrascht?

Das ist jetzt nicht die Arbeit, bei der man um 5 Uhr nach dem Aufstehen auf der Bettkante sitzt und «Juhuu!» ruft. Ein knüppelharter Job, manchmal auch frustrierend. Man putzt – und wenige Stunden später ist es wieder dreckig. Bei der Stadtreinigung darf man sich nicht darüber aufregen, sondern muss eine stoische Distanz an den Tag legen.

Herbst bedeutet nicht nur kühle Nächte, sondern auch Ferienzeit. Verreisen Sie?

Ja, ich gehe zum Klettern auf eine griechische Insel.

Achten Sie auf Reisen darauf, wie sauber respektive dreckig es im Land ist?

Seit ich bei der Stadtreinigung bin, ja. Davor weniger. Mich stört ein bisschen Dreck nicht.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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