Luftfahrt

Basler Super Connie bleibt vorläufig am Boden

Nun hoffen die Verantwortlichen, dass die Connie im August wieder durch das Land rattert.

Nun hoffen die Verantwortlichen, dass die Connie im August wieder durch das Land rattert.

Von der berühmten Super Constellation gibt es noch zwei Oldtimer-Maschinen. Die Basler Connie ist weltweit die einzige, die mit Passagieren fliegt. Falls die Motoren funktionieren.

In den Schweizer Aviatik-Foren des Internets herrscht derzeit Traurigkeit: Der Flugzeug-Oldtimer Super Constellation, in den 50er-Jahren «die Königin des Atlantiks», kann seinen Flugbetrieb dieses Jahr nicht wie geplant aufnehmen. Grund ist Motor Nummer 2, der ersetzt werden muss. Der Vorstand der Super Constellation Flyers Association (SCFA), die 2800 Mitglieder besitzt, beschloss deshalb, die Flüge des kultigen Flugzeugs dieses Jahr erst im August aufzunehmen. Diese Information bestätigt SCFA-Operationsleiter Ernst Frei gegenüber dem «Sonntag».

Saisonstart der Connie, die ihren Heimatflughafen in Basel besitzt, hätte eigentlich am 17. Mai mit einem Flug nach München sein sollen. Da sich die Wartungsarbeiten an den Motoren in die Länge zogen, musste bereits dieser Flug und weitere Abstecher nach Meiringen und Genf abgesagt werden. Nachdem das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) diese Arbeiten geprüft hatte, folgte beim Pilotentraining im deutschen Lahr ein Schaden am Propellergetriebe, sodass alle Flüge bis Mitte Juni gestrichen wurden. Schliesslich kam es zum Aus nach einem Trainingsflug in Lahr von letzter Woche: Bei einer Inspektion eines Motors nach einer ungewohnten Anzeige im Cockpit wurden zwei defekte Pleuelstangen entdeckt. Der Motor muss deshalb ausgewechselt werden. Beim US-Spezialisten für Kolbenmotoren, der Anderson Aeromotive Inc., wurde sofort ein generalüberholter Ersatzmotor bestellt.

All dies braucht aber seine Zeit: Wenn alles klappt und der Motor stimmt, startet die Super Connie im August die Flüge für Vereinsmitglieder. Um die annullierten Flüge doch noch durchführen zu können, plant der SCFA-Vorstand, die Saison dieses Jahr bis in den Oktober hinein zu verlängern.

Das legendäre Flugzeug landete am 8. Mai 2004 erstmals in der Schweiz: Mehr als 3000 Connie-Fans säumten damals den EuroAirport Basel-Mulhouse. Die SCFA-Initianten, Piloten, Mechaniker und Oldtimer-Freunde, hatten es in den USA übernommen und in die Schweiz geflogen. Seither hat die Lookheed L-1049 Super Constellation, so ihre genaue Bezeichnung, jedes Jahr Flüge durchgeführt und als grosser Star an Airshows teilgenommen.

Als Oldtimer gab es immer wieder mal Absagen wegen technischer Probleme. «So eine Pechsträhne wie dieses Jahr haben wir aber noch nie erlebt», sagt Leiter Frei, pensionierter Flugkapitän und Instruktor der Swissair. Für ihn sind die Motoren-Probleme nicht nachvollziehbar, weil der Flieger noch nie in einem solch guten Zustand war. Das Flugzeug wurde letzten Winter vom SCFA-Technikerteam mit breiter Unterstützung von der SR Technics in Zürich einer Revision unterzogen. Alle Benzin-, Hydraulik- und Ölschläuche wurden neu angefertigt. Auch Motoraufhängungen und die Propeller wurden überprüft. Über 10000 Mannstunden wurden dafür eingesetzt.

Aufhören ist für die Connie-Fangemeinde aber kein Thema. «Wir müssen mit dem Rückschlag leben», sagt Frei. Es sei so, dass die vier Curtiss-Wright-R-3350-Motoren der Connie schon in den 50er-Jahren eine hoch entwickelte Technik waren. «Es grenzt an ein Wunder, dass sie heute noch funktionieren», sagt Frei.

Die Motoren haben ihren Preis. Die US-Firma Anderson verlangt für den revidierten Motor deutlich mehr als 100000 Franken. Eine grosse Summe für die SCFA und ihre Mitglieder, die 120 Franken Jahresbeitrag zahlen. Der Vorstand ist daran, vor allem intern Sponsoren anzusprechen. Der Verein hat bereits einmal gezeigt, dass er hohe Barrieren überwinden kann. Als 2010 grosse Korrosionsschäden an den Flügeln entdeckt wurden, schätzten Spezialisten die Reparatur auf eine halbe Million Franken. Dank Hauptsponsor Breitling, namhaften Spenden von Mitgliedern und Fans, aber auch mit viel Arbeit von Freiwilligen wurde dieses Problem gelöst.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) überprüft das Propellerflugzeug wie andere Oldtimer immer wieder. Das Flugzeug sei zertifiziert und unterliege gewissen Einschränkungen, sagt Bazl-Sprecher Anton Kohler. So darf es zum Beispiel nur nach Sicht fliegen und nicht etwa mit einem Instrumentenflug.

Nun hoffen die Verantwortlichen, dass die Connie im August wieder durch das Land rattert. Sie absolviert jährlich um die vierzig Flüge. Weltweit gibt es nur noch eine Super Constellation in Australien, die aber keine Passagiere aufnimmt. Bis sie wieder fliegt, trösten sich die Schweizer Connie-Fans jetzt damit, frühere Flüge des nostalgischen Flugzeugs immerhin auf YouTube im Internet anzusehen.

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