Eine Basler Stiftung leistet in Marrakesch kulturelle Entwicklungshilfe. Dies ist zumindest der Zweck der Susanna Biedermann Stiftung: die Förderung des Verständnisses der marokkanischen Kultur. Sie führt in der marokkanischen Metropole ein Kulturzentrum, das Dar Bellarj, und eine Filmhochschule, die Ecole Supérieure des Arts Visuels Marrakech (Esav). Seit einer Berichterstattung in der «Basler Zeitung» Anfang 2017 ist allerdings klar: Die Stiftung ist vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Im Stiftungsrat gärt es, seit im Juni 2014 Heidi Brunnschweiler in das Führungsgremium gewählt wurde. Gleich doppelt sah sie sich verpflichtet, ein gewichtiges Wort zu führen; einerseits als aktive Kulturschaffende, andererseits als einzige Vertreterin der Stifterfamilie. So ist Brunnschweilers Ehemann der Neffe von Max Alioth, dem Mitbegründer der Stiftung und Ehemann der Namensgeberin Susanna Biedermann. Doch die Chemie zwischen den Stiftungsräten passte nicht. Aus Akten und Erzählungen geht hervor, dass in keinem Bereich einvernehmliche Zusammenarbeit resultierte. Die Folge war vor Jahresfrist ihr formeller Rauswurf.

Gegen ihre Abwahl protestierte Brunnschweiler nicht nur mit dem Gang an die Medien, sondern auch mit einer Beschwerde bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht. Sie unterlegte diese mit zwei schweren Vorwürfen: Der Stiftungspräsidentin Jacqueline Bertossa warf sie Interessenskonflikte vor, und gegen das Mitglied Jacques Uffer äussert sie den Anfangsverdacht möglicher Veruntreuung.

Teure Verwaltung

Die beruflichen Bande sind tatsächlich eng gespannt: Die Basler Anwältin Bertossa ist nicht nur Präsidentin der Stiftung, sondern bietet über ihre Kanzlei auch den Geschäftssitz. Zudem war sie Verwaltungsrätin einer Finanzgesellschaft von Uffer, der gleichzeitig mit der Verwaltung des Stiftungsvermögens betraut ist. Ein Zewo-Siegel für sorgfältiges Geschäften hat sich die Stiftung damit nicht verdient: Bei einem Vermögen von 70 Millionen Franken fliessen jährlich 800 000 Franken nach Marokko, aber 500 000 Franken verschlingt die Stiftungsadministration.
Die zuständige Stiftungsaufsicht tut sich schwer mit dem Fall.

Im Juli erliess sie einen Zwischenentscheid zu Brunnschweilers Aufsichtsbeschwerden. Dabei wurde die Klage gegen ihre Absetzung formal für rechtmässig erklärt, in der Sache jedoch abgelehnt. Der Stiftungsrat war demnach berechtigt, Brunnschweiler abzuwählen. Auf die inhaltliche Kritik ging die Aufsicht aber nicht ein: Brunnschweiler sei für diese Beschwerde nicht legitimiert. Weder könne sie ein schutzwürdiges Interesse vorweisen noch ein eine besondere Betroffenheit. Diese Beschwerde werde deshalb bloss als Anzeige entgegengenommen.

Der Zwischenentscheid der Stiftungsaufsicht, dessen Inhalt die «NZZ am Sonntag» publik machte, löste unter Stiftungsrechtlern Stirnrunzeln aus: Wer soll gegen eine unsaubere Stiftungsführung Aufsichtsbeschwerde führen können, wenn nicht eine Stiftungsrätin, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Kritik abgewählt wurde?

Brunnschweiler beauftragte den ausgewiesenen Stiftungsexperten Thomas Sprecher, den Entscheid anzufechten. Das Bundesverwaltungsgericht als nächste Instanz folgte jedoch der Stiftungsaufsicht in allen Punkten, wie aus dem Urteil hervorgeht, das vom St. Galler Gericht kurz vor Weihnachten gefällt wurde. Brunnschweiler gibt sich damit nicht ab. Sprecher erhielt das Mandat, den Fall ans Bundesgericht weiterzuziehen. Sprecher verweist vor allem auf den Widerspruch, dass der Gesetzgeber postuliere, an eine Beschwerdelegitimation seien «keine hohen Anforderungen» zu stellen, im konkreten dann aber hohe Hürden aufgebaut würden.

Anzeige ohne Wirkung

Mit dem Zwischenentscheid hat die Stiftungsaufsicht den Auftrag übernommen, Brunnschweilers Kritik als Anzeige entgegenzunehmen und ihr nachzugehen. Über den Verlauf wird jedoch nicht kommuniziert, wie die Aufsicht über die Pressestelle des Eidgenössische Department des Innern mitteilen lässt. Selbst mögliche Auflagen oder Sanktionen werden lediglich der Stiftung selbst mitgeteilt.

Die Stiftung hat ebenfalls eine PR-Sprecherin engagiert, die auf Anfrage mitteilt, aufgrund des laufenden Verfahrens nichts mitteilen zu können. Immerhin hat sie den Stiftungsrat wieder komplettiert. Neues Ratsmitglied ist die Galeristin Karin Sutter.