So nicht! Die Basler SVP gehört zu den vehementesten Gegnern des geplanten Neubaus für das Naturhistorische Museum beim Bahnhof St. Johann. Nur ein Grund: Mit dem 225-Millionen-Projekt könne die Regierung die Vorgaben des Grossen Rats nicht einhalten. Künftig würden deutlich höhere Betriebsmittel benötigt. Dabei täten sich in den fünf staatlichen Museen schon heute «erhebliche Finanzlöcher» auf.

Der Lösungsvorschlag der SVP: ein gemeinsames Haus der Geschichte. Konkret sollen das Antikenmuseum mit Skulpturenhalle, das Historische Museum und das Naturhistorische Museum an einem Ort zusammengeführt werden. Das ist nur die spektakulärste von insgesamt 19 Forderungen, welche die SVP in einem bisher unveröffentlichten Positionspapier erarbeitet hat, das der bz exklusiv vorliegt.

Schon lange fehlt es der SVP in der Basler Kulturpolitik an Visionen, an einer klaren Strategie. Statt zu gestalten werde von der Regierung nur verwaltet – bei immer weiter steigenden Kulturausgaben. «Die SVP will angesichts des aktuellen kulturpolitischen Zustands einen Beitrag leisten», kommentiert Grossrat Joël Thüring. «Wir haben damit die Arbeit gemacht, die eigentlich das zuständige Präsidialdepartement leisten sollte.»

Im letzten Moment

Mit ihrem Positionspapier kommt die SVP keinen Moment zu früh: Bereits am kommenden Mittwoch entscheidet der Grosse Rat über den Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv, womit in der Basler Museumspolitik die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt werden. «Das Parlament wird sich kaum mehr umstimmen lassen», ist sich Thüring bewusst, «zumindest im Hinblick auf eine Referendumsabstimmung aber wollen wir eine Alternative anbieten, sodass man guten Gewissens zum jetzigen Projekt Nein sagen kann.»

Von einer Museumsfusion erhofft sich die SVP «enorme Synergieeffekte». So könnten die Museen mit heute einem halben Dutzend Standorte von einer gemeinsamen Infrastruktur profitieren. Nicht mehr benötigte Gebäude könnten allenfalls anders genutzt werden.
Vor allem und zuallererst aber brauche es nun endlich ein neues Kulturleitbild und ein neues Museumsgesetz. Vorher sei es «unseriös, Millioneninvestitionen in der Museumslandschaft zu tätigen». Parallel dazu soll eine neue Depotstrategie erarbeitet werden.

Inakzeptable Zustände

Schliesslich würden die meisten Museen über Probleme klagen. «Teilweise werden offensichtlich selbst feuerpolizeiliche Vorschriften nicht mehr eingehalten», betont die SVP. «Dieser Zustand ist inakzeptabel.» Handkehrum kämen die Museen mit der Inventarisierung ihrer Objekte kaum nach. Die einzelnen Häuser sollen deshalb ihre Anschaffungsstrategie überdenken und ihre Sammlungen allenfalls reduzieren.

Und das ist noch lange nicht alles: Weiter strebt die SVP Gratiseintritte in die Museen für alle an. Heute sei das Ticketing viel zu aufwändig, während kaum ein Besucher den vollen Preis zahle. Um die Kosten zu senken und die Museen einer breiten Masse zugänglich zu machen, soll der Eintritt zu den Dauerausstellungen gratis werden.

Neue Quellen, neue Verteilung

Die SVP befasst sich in ihrem Papier aber nicht nur mit den Basler Museen. Es geht beispielsweise um die Verteilung der Gelder. So werde etwa verschiedentlich beklagt, dass sich die staatliche Förderung auf die professionelle Hochkultur fokussiere. Gut 93 Prozent der Kulturausgaben fliessen an die grossen Institutionen wie die Museen, das Theater Basel und das Sinfonieorchester. Nur der weitaus kleinste Anteil kommt der Populärkultur zugute. Dieses Ungleichgewicht hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch verschärft. Das Unbehagen darüber werde immer grösser, findet die SVP.

Um die Basler Kultur weiter zu fördern, fasst die SVP zudem noch ein Ziel ins Auge: zusätzliche Baselbieter Gelder. Die heute knapp 10 Millionen aus dem Kulturvertrag würden die Zentrumsleistungen nur ungenügend abdecken. Statt des Theaters Basel und des Sinfonieorchesters soll vorab die Populärkultur gefördert werden. Im Gegenzug sei bei den beiden Institutionen analog zur Uni gar eine gemeinsame Trägerschaft anzustreben. Bis dahin sollen Baslerinnen und Basler von einer «BebbiCard» profitieren. Die Eintrittspreise für alle anderen sollen hingegen erhöht werden.

Mit all diesen Massnahmen glaubt die SVP, die bisher stetig steigenden Kulturausgaben ohne Leistungsabbau wieder senken zu können. Gleichzeitig könne ein Teil dazu genutzt werden, kleinere Institutionen zu stärken. «Die SVP leistet so einen Beitrag zur breiten Kulturförderung – weg von einer überregulierten staatlichen Einheitskultur, hin zu einer breit abgestützten Vielfaltskultur in den verschiedenen Bereichen», zeigt sich die Partei überzeugt.