Sebastian Frehner, Präsident der SVP Basel-Stadt, ist an der Generalversammlung vom 15. März als Sieger aus dem parteiinternen Machtkampf hervorgegangen. Eine Gruppe um den Treuhänder und früheren Vizepräsidenten Bernhard Madörin hatte ihn von der Parteispitze verdrängen wollen. Der Putsch misslang. Seither mimt die Parteispitze Normalität. Frehner, seit Ende 2010 auch Nationalrat und derzeit an der Herbstsession in Bern, feilt an seinem nationalen Netzwerk.

Der Wahlkampf in Basel für die kantonalen Wahlen am kommenden 28. Oktober zeigt jedoch, dass der Machtkampf in der SVP nicht ausgestanden ist. Weitgehend unbemerkt lancierten fünf der 26 Kleinbasler Grossratskandidaten Anfang September im «Rebhaus» unter dem Motto «Unser Härz schloht fir Glaibasel» einen eigenen Wahlkampf. Karl Schweizer (Anwalt), Lorenz Amiet (Unternehmer), Christian Meidinger (ehemaliger Chef der Sicherheitsabteilung der Basler Polizei), Peter A. Vogt (ehemaliger Lehrer) und Samuel Wyss (Grenzwächter), der einzige Bisherige, richten mit der grossen Kelle an. Unterstützt durch den Grafiker Roman Wachter werden sie in den nächsten Wochen mit Plakaten, Flyern und Inseraten auf Stimmenfang gehen. Sogar eine eigene Internetsite gibt es.

Offene Kritik an Parteizentrale

Der Auftritt der fünf Kleinbasler Politiker ist eine offene Kritik an der Parteizentrale. Gemäss Informationen des «Sonntags» haben sie sich zusammengetan, weil ihnen der Wahlkampf der Kantonalpartei zu flau ist und sie sich eine «pragmatischere» Politik wünschen. Und: Mit Schweizer und Amiet gehörten zwei im Frühling bereits zu den «Putschisten».

Obwohl die SVP 80000 Franken in den Wahlkampf investiert, kommt die Maschinerie anders als in den Vorjahren nicht auf Touren. Die Partei schickt nur 77 Kandidaten ins Rennen, bei den letzten Wahlen 2008 waren es noch 99. Schwach besetzt ist vor allem die Liste im Wahlkreis Grossbasel West mit nur 17 von 34 möglichen Kandidaten. «Wir haben unsere Strategie geändert», sagt Frehner. «Wir wollen vor allem Leute aufstellen, die auch gewählt werden wollen und keine Listenfüller.»

Die fünf Kleinbasler Grossratskandidaten sind offiziell bemüht, nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu giessen. «Wir haben die Chance gesehen, mit einem aktiven Wahlkampf für die SVP im Kleinbasel Sitze zu gewinnen», sagt Amiet. Die Fünfergruppe sehe ihr Engagement vor allem «als Dienst an der Partei». Er legt Wert auf die Feststellung, dass die internen Richtlinien und das Parteiprogramm eingehalten würden.

Amiet deutet aber an, dass die Gruppe inhaltlich andere Akzente setzt als die Parteispitze. «Wir sind für eine pragmatische Umsetzung des Parteiprogramms», sagt er. Das Schwergewicht solle auf das Erreichen konkreter Ziele gelegt werden und nicht darauf, «zu viel zu fordern, um am Ende gar nichts zu erreichen».

Kein Team

Die Kleinbasler sind nicht die Einzigen, die im Wahlkampf aus der Reihe tanzen. Selbst die beiden Regierungsratskandidaten Lorenz Nägelin und Patrick Hafner treten nicht als Team in Erscheinung. Die beiden passen auch nicht so recht zueinander. Während Fraktionschef Nägelin zum inneren Parteizirkel um Frehner zählt, gehört Hafner nicht zum Parteiestablishment. Im Frühling war er ebenfalls bei den «Putschisten».

Nägelin hatte Ende August ein eigenes Komitee präsentiert und nur sich selbst zur Wahl empfohlen. Nun kündigt auch Hafner gegenüber dem «Sonntag» an, einen eigenen Wahlkampf zu führen. «Das habe ich schon lange geplant. Man kann sich klarer positionieren.» Am 24. September will er eine Medienkonferenz abhalten, in deren Zentrum die Sicherheitspolitik stehen soll. «Ich möchte bei der Sicherheit Verantwortung übernehmen und nicht nur kritisieren.» Noch nicht entschieden hat Hafner, ob er auf seinem Flyer auch Nägelin zur Wahl empfiehlt. Falls er dies nicht tue, sei dies aber «nicht aus Antipathie oder Rache, sondern aus Platzgründen».

Nach der Niederlage bei den nationalen Wahlen 2011 (minus 2,3 Prozent) hatte der frühere Präsident Jean Henri Dunant kritisiert, dass die «verstärkte Konkurrenz innerhalb der SVP-Liste» der Partei geschadet habe. Vor allem Schweizer führte damals einen aufwendigen eigenen Wahlkampf. Genützt hat Dunants Kritik offenbar nichts. Hinter vorgehaltener Hand ist in der Partei zu hören, dass zu viele Exponenten ihre «Partikularinteressen» verfolgen würden.

«Mehr als vor vier Jahren»

Die Basler SVP als Hort von Einzelkämpfern? Für Frehner eine «gesuchte Konstellation». Die Partei habe die Kandidaten im Vorfeld dazu aufgerufen, möglichst viel im Wahlkampf selber zu machen, sagt er. «Parteiinterne Konkurrenz ist gut und führt zu einem besseren Ergebnis.» Den Vorwurf, die Parteispitze mache einen flauen Wahlkampf, kann Frehner nicht nachvollziehen. «Das sehe ich nicht so. Wir machen mehr als vor vier Jahren.» Die Partei veröffentliche viele Medienmitteilungen, führe in allen Wahlkreisen Standaktionen durch und habe bessere Plakate als vor vier Jahren. «Was sollen wir mehr tun?»

Seit der Generalversammlung vom März sitzt Frehner fest im Sattel. Je nach Resultat bei den kantonalen Wahlen könnte der Druck auf die aktuelle Parteispitze aber wieder zunehmen und der Machtkampf erneut offen aufbrechen. Dann nämlich, wenn die fünf Kleinbasler mit ihrem Sonderzug Erfolg haben und die Partei im Kleinbasel besser abschneidet als im Grossbasel.